St. Johannes Evangelist, Kugelkirche

21.10.2018

Predigt am 29. Sonntag B18

Mk 10,35‑45 

Liebe Schwestern und Brüder!

    

1.       „Ihr wisst, dass die, die als Herrscher gelten, ihre Völker unterdrücken und die Mächtigen ihre Macht über die Menschen missbrauchen.“ Ja, da knüpft Jesus unmittelbar an die Erfahrung der Jünger und des Volkes Israel an. Die Geschichte Israels bis zur Zeit Jesu war eine Geschichte der Unterdrückung und Ausbeutung. Aktuell, zur Zeit Jesu, waren es die Römer, die das Land besetzten und die Menschen unterdrückten. Vorher waren es die Griechen. Manche Juden erhoben sich damals gegen die griechische Herrschaft. Ihr Blutzoll war hoch. Vor den Griechen waren es die Perser, davor die Babylonier und dafür die Assyrer. Über 700 Jahre aufeinanderfolgende Fremdherrschaft, oft mit Ausbeutung und Unterdrückung einhergehend. Ja, die Jünger wussten, von was Jesus spricht: „Ihr wisst, dass die, die als Herrscher gelten, ihre Völker unterdrücken und die Mächtigen ihre Macht über die Menschen missbrauchen.“ Und was ist die Gefahr dabei? Wenn man in so einem Klima permanenter Fremdherrschaft aufwächst?

 

2.       Es ist die Gefahr, dass das zur Normalität wird. Man kennt es ja nicht anders. Es war schon immer so. Am Ende   geht es immer nur am das Eine: Wer wird der Erste sein? Wer wird herrschen? Wer hat die Macht über die anderen? So verwundert es nicht, wenn selbst die Jünger unter sich Rangstreitigkeiten austragen und damit zu Jesus kommen und ihn bitten, er möge sie doch zu seiner Linken bzw. Rechten Platz nehmen lassen, wenn er sein Reich errichten wird. Die anderen Zehn wurden darüber sehr ärgerlich. Natürlich ist es ärgerlich, wenn da zwei vorpreschen und Ansprüche anmelden, auf die die anderen genauso spekulieren. Wer seit Jahrhunderten in einem Klima aufwächst, in dem es nur darum geht, wer die Macht hat und wer nicht, wird selbst schnell von diesem Klima eingeholt und infiziert. Wer ist oben, wer ist unten. Darum geht’s seit Jahrhunderten. Jesus nimmt das zum Anlass einer Lehre. Wie wohltuend ist doch diese und wie grenzt sie sich ab vom allgemeinen Denken.

 

3.         „Bei euch soll es nicht so sein. Wer bei euch der Erste sein will, soll der Sklave aller sein und wer bei euch groß sein will, soll euer Diener sein.“ Das ist ein starker Kontrast. Dieser kleine Satz markiert den Kontrast: „Bei euch soll es nicht so sein.“ Lasst euch nicht anstecken vom allgemeinen Denken. Wenn ihr es gewohnt seid, dass es seit Jahrhunderten nur noch um die Frage geht, wer ist oben und wer ist unten, dann gilt: Bei euch soll es nicht so sein. Dieser Kontrast ist wohltuend, er ist ein Lichtblick, er ist ein Hoffnungszeichen. Aber diesen Kontrast zu leben, ist auch schwer. Nicht zu tun, was alle tun. Nicht zu denken, was alle denken. Ein bekannter Bibelwissenschaftler, Gerhrad Lohfink, nannte mal die Kirche eine „Kontrastgesellschaft“. „Bei euch soll es nicht so sein.“ Ein hoher Anspruch.  

 

4.     Kann man vielleicht Beispiele nennen, ob Jesus Ähnliches heute gesagt hätte: „Ihr wisst, dass die großen Paketzustellbetriebe ihre Mitarbeiter ausbeuten,        bei auf euch soll es nicht so sein“. „Ihr wisst, dass Gewinnmaximierung überall gilt, bei euch soll es nicht so sein“. „Ihr wisst, dass es normal ist, Sündenböcke zu suchen für die eigene Misere, bei euch soll es nicht so sein.“ „Ihr wisst, dass es auf dem Wohnungsmarkt fast nur noch darum geht, höchstmögliche Rendite einzufahren, bei euch soll es nicht so sein.“ „Ihr wisst, dass es oft nur noch darum geht, wer ist angesagt und wer ist out. Bei euch soll es nicht so sein.“ Man könnte die Liste noch eine Weile so fortsetzen. Vielleicht wird dann deutlich, was Jesus von seinen Jüngern verlangt, wenn er sagt: „Bei euch soll es nicht so sein“. Er verlangt einen wohltuenden Kontrast. Er verlangt, sich nicht anstecken zu lassen von dem, was man halt so macht und wie man halt so denkt. Man muss sich dagegen wehren, dass bestimmte Unarten hoffähig werden. Jesus verlangt das, was Mahatma Gandhi mal in die Worte gefasst hat: „Sei du selbst die Veränderung, die du dir für dies Welt wünschst.“ Sei ein wohltuender Kontrast.








   Franz Langstein



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