St. Johannes Evangelist, Kugelkirche

Predigt am 21. Sonntag im Jahreskreis C19

Lk 13,22-30

25.08.2019

Liebe Schwestern und Brüder!

1.    Wir sagen manchmal sprichwortartig: „Der Mensch braucht Luft zum atmen“. Wir meinen damit: er braucht Weite, er braucht Raum, er braucht Freiheit.             Enge, Begrenztheit, das Gefühl von Eingesperrtsein und Unfreiheit hat der Mensch nicht so gern. Er braucht Luft zum Atmen. Weite, nicht Enge. Das gilt           auch für zwischenmenschliche Beziehungen. Einengende Beziehungen, in denen ich nicht atmen kann, sind schwierig.

   

2.   Und, so könnte man meinen, gilt das nicht auch für unsere Beziehung zu Gott? Müsste man nicht - wenn man zu Gott findet -, in eine große Weite finden, die uns atmen lässt? Heißt es nicht im Psalm 18: „Du führst mich hinaus ins Weite.“?  Umso mehr verwundert es, was wir gerade gehört haben. Da kommen einige Leute zu Jesus und fragen: „Herr, sind es nur wenige, die gerettet werden?“ Also: Kommen nur wenige zu dir ins ewige Leben? Und Jesus gibt die Antwort. „Bemüht euch mit allen Kräften, durch die enge Tür zu kommen.“ Wie? Der Weg zu Gott ist ein Weg durch eine enge Tür? Nicht in die Weite? Müsste man nicht meinen, dass Gottes Liebe zu den Menschen alles tut, damit viele Menschen zu ihm kommen können? Stattdessen heißt es: „Denn viele, sage ich euch, werden versuchen hineinzukommen, aber es wird ihnen nicht gelingen.“ Merkwürdig! Sollte Gott nicht froh sein, dass viele Menschen versuchen, in das Reich Gottes zu kommen? Wieso gelingt es ihnen nicht? Und warum soll man versuchen, durch die enge Tür zu kommen, wenn es ohnehin vielen nicht gelingt? Das ist in der Tat eine verzwickte Situation. Es gibt viele schöne und tiefe Erklärungen, um die Stelle besser zu verstehen. Aber ich habe mir mal meine eigenen Gedanken gemacht und möchte Sie Ihnen einfach mal sagen. Ich glaube aber, dass das, was ich sage, wahrscheinlich mit der Schriftstelle nicht gemeint ist. Aber trotzdem.

 

  3. Es geht um eine enge Tür, die zum Heil führt. Wer macht denn die Tür eng? Hat Gott die Tür eng gemacht? Hat Gott sein Herz nur einen Spaltbreit aufgemacht und nicht ganz geöffnet? Oder haben nicht vielmehr Menschen den Weg zu Gott eng gemacht? Haben nicht vielmehr Menschen das Himmelstor verengt und verkleinert? Im Judentum gibt es zum Beispiel 613 Gebote, die beachtet werden müssen. Zurzeit Jesu wurden die Menschen, je nachdem, wie sie sich an die Gebote hielten, in „rein“ und „unrein“ eingeteilt. Es war nur wenigen Menschen möglich, sich an alle Gebote zu halten. Der Weg zu Gott war wirklich eng. Wir verstehen die ängstliche Frage: „Herr, sind es nur wenige, die gerettet werden?“ Und war es im Christentum nicht ähnlich? Haben wir nicht auch die Himmelspforte ganz eng gemacht? Todsünden, also Sünden, die den Menschen unfähig machten, in den Himmel zu kommen. Wenn man nicht gebeichtet hat, konnte der Himmel verloren sein usw. Viele Christen hatten auch die Frage: „Sind es nur wenige, die gerettet werden“, und gehöre ich dazu? Nein, nicht Gott hat die Himmelspforte eng gemacht, sondern wir. Wenn wir dies so sehen, dann müssten wir diese Stelle auf folgende Weise verstehen:

 

4.   „Bemüht euch mit allen Kräften, durch die enge Tür zu gelangen, denn viele, sage ich euch, werden versuchen hineinzukommmen, aber es wird ihnen nicht gelingen.“ Ihr könnt euch noch so anstrengen, in den Himmel zu kommen; ihr könnt all euere Kräfte aufwenden, durch die enge Tür zu kommen; aber viele von euch werden es nicht schaffen. Denn auf diese Weise kommt ihr nicht in den Himmel. Ihr kommt nicht in den Himmel, weil ihr anstrengende Leistungen vollbringt. Ihr habt den Himmel eng gemacht. Also gut: Dann strengt euch an. Aber ihr werdet es nicht schaffen. Denn das Himmelstor ist weit, Gottes Herz ist weit und nicht so eng, wie ihr vermutet. Deshalb „wird man von Osten und Westen und von Norden und Süden kommen und im Reich Gottes zu Tisch sitzen“. Soweit ist das Tor, dass Leute, die die 613 Gebote gar nicht kennen, von überallher kommen und zu Tische sitzen im Reich Gottes.      

 

5.    Das wäre doch eine sehr tröstende Botschaft. Aber wie gesagt: Das ist jetzt eine sehr persönliche Auslegung des heutigen Evangeliums. Wahrscheinlich           ist es anders gemeint. Aber egal:    Machen wir das Herz Gottes nicht enger, sondern weiter und wissen wir, dass auch wir im weiten Herzen Gottes einen         Platz haben.


   Franz Langstein



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