St. Johannes Evangelist, Kugelkirche

 Predigt an Pfingsten 2019

Apg  2,1-11  

 09.06.2019

Liebe Schwestern und Brüder!

1.        Pfingsten – Fest des Heiligen Geistes. Einer Umfrage nach aus dem Jahr 2009 wussten nur 51% der Befragten, was Pfingsten ist. 49% der Westdeutschen gaben an, dass sie den Inhalt des Pfingstfestes kennen; in Ostdeutschland waren es 57%. 55% der Frauen wussten über Pfingsten Bescheid, dagegen nur 45% der Männer. Bei den Älteren ab 60 Jahren war es 72%, bei den Jüngeren von 14 – 29 Jahren hingegen waren es nur noch 34%. Die Umfrage war von 2009; die Situation dürfte sich nicht verbessert haben. Man kann ja einerseits zugeben und sagen: Naja, nun ist das Fest Pfingsten so wenig griffig, so wenig konkret. Schon der Name „Heiliger Geist“ suggeriert doch etwas Unfassbares, Unbegreifliches, Nebulöses. Andererseits aber müssten wir vom christlichen Verständnis entgegenhalten: Ist nicht das Ergebnis des Pfingstereignisses etwas ganz Konkretes? Haben nicht die Apostel durch das Pfingstereignis die Türen geöffnet und die Botschaft Christi verkündet und sind dadurch nicht sehr viele zum Glauben gekommen und haben sich taufen lassen und es ist Kirche geworden? Ist also der Heilige Geist gar nicht so unfassbar, sondern ganz und gar fassbar und konkret in dem, was er wirkt? Oder, so müsste man selbstkritisch fragen, kann er heute nicht mehr durch seine Kirche wirken? Ist er tatsächlich nicht mehr im Konkreten erfahrbar?  In der Tat ist Pfingsten und die Herabkunft des Gottesgeistes alles andere als unkonkret und nebulös.

 

2.         Ich möchte es mal mit einem Bild vergleichen: Ich habe mal einen Science Fiction Film gesehen - ich meine, es wäre Raumschiff Enterprise gewesen. Die Besatzung des Raumschiffes begegnete tief im Weltall einer rein geistigen Spezies. Hochintellegent. Reiner Geist, ohne Körper. Aber, weil sie rein geistiger Natur waren, war eine Kommunikation mit ihnen nicht möglich. Die geistigen Wesen mussten also in den Körper eines Besatzungsmitgliedes im Raumschiff schlüpfen, um sich des Sprachapparates des Menschen zu bedienen. So konnten die geistigen Wesen mit den Menschen kommunizieren. Die geistigen Wesen wurden so konkret erfahrbar.

 

3.        Das ist doch ein sehr schönes Bild. Die innerste Liebe Gottes, seine Liebesglut, die sich heute in Feuer und Sturm zeichenhaft zeigt, ist doch erst einmal nur rein geistiger Qualität. Aber damit sie erfahrbar wird, sucht sie einen Ort, in dem und durch den diese Liebe wirken kann und erfahrbar wird. Diese Orte hat es immer wieder gegeben. Schon im Alten Bund sprach von den Erfahrungen des Geistes Gottes. Ja, in vielen Religionen spricht man vom Geist Gottes, wenn auch nicht in dem christlichen Verständnis als Person der Dreifaltigkeit. Und der unüberbietbare Ort der Erfahrung der Liebesglut Gottes, des Heiligen Geistes, ist Christus. Durch ihn wirkte der Geist Gottes. Ganz konkret, nicht nebulös, nicht abstrakt. Wenn man so will: Der Heilige Geist hat die Tendenz, sich selbst zu konkretisieren und sich erfahrbar zu machen. Er weht eben, „wo er will.“

 

4.        Und so ist der Heilige Geist vor allem gegenwärtig in Gemeinschaften und im Einzelnen. Er wird konkret erfahren in Gemeinschaften, die aus der Liebe Christi ihr Leben gestalten und einsetzen. Er ist erfahrbar in und durch Gemeinschaften, die aus einer tiefen Wahrheit des Glaubens leben. Das gilt auch für jeden Einzelnen, der aus der Liebe Christi lebt und aus einer größeren Wahrheit schöpft. So gesehen ist also der Heilige Geist eine Macht, eine Kraft, die Menschen zu einer Liebe antreibt, die nach menschlichen Maßstäben sich nicht lohnt. Er ist eine Kraft und Macht, die zu einer Wahrheit führt, die tiefer reicht als einfach nur eine irdische Wirklichkeit. Der Heilige Geist ist also jene Wirkmacht, die so im Menschen wirkt, dass durch die Menschen Gott erfahrbar wird. Der Heilige Geist als Liebe Gottes sucht konkrete Orte, konkrete Menschen, konkrete Gemeinschaften, durch die Gott und Gottes Liebe erfahrbar werden.

 

5.        Wir kennen ja solche Erfahrungen von Liebe und Wahrheit. Da kann es passieren, dass einem eine Liebe und Annahme zuteilwird, die den Menschen die Erfahrung schenkt, dass es hier nicht einfach mal darum geht, dass mich gerade eben jemand mal gerne hat, sondern dass es darum geht, dass meine ganze Existenz von oben her eine tiefe Annahme und einen tiefen Sinn erfährt. Oder dass unser Leben mal mit einer Wahrheit konfrontiert worden ist, von der wir augenblicklich spürten, dass unser Leben zutiefst in einer viel größeren Wirklichkeit geborgen ist und wir zu ahnen begannen, dass über meinen Leben eine Wahrheit ausgesprochen ist, die die Wahrheit Gottes ist, die mich meint und die meinem Leben Würde und Größe verleiht. In all diesen Erfahrungen, die uns durch andere oder durch Gemeinschaften geschenkt sind, offenbart sich der Heilige Geist. Diese Menschen und Gemeinschaften sind die Konkretion der Liebe Gottes. Der Heilige Geist ist nichts Abstraktes, er will immer konkret erfahrbar sein. So ist Kirche geworden – heute am Pfingstfest. Menschen, in die sich der Geist gesenkt hat, bilden nur die erste Keimzelle der Kirche. Was für ein Anfang. Auf den könnte man und sollte man doch gut weiterbauen. 


   Franz Langstein



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