St. Johannes Evangelist, Kugelkirche

15.10.2017

Predigt am 28. Sonntag im Jahreskreis A



Mt 21, 33-44

Liebe Schwestern und Brüder!

1.        „Das Evangelium ist nicht schwer und ist ein schrecklich Evangelium“, so leitet Martin Luther eine Predigt aus dem Jahr 1531 über das eben gehörte Evangelium ein. „Es ist ein schrecklich Evangelium“. In der Tat finden wir in dem Gleichnis außerordentlich viel Verwunderliches: Da wird berichtet, dass die zuerst Eingeladenen sich entschuldigen, nicht zur Hochzeit kommen zu können – so weit, so gut -, aber das sie dann über die Diener, die die Einladung aussprechen, herfallen und diese töten, ist doch sehr merkwürdig. Warum lädt der König Leute zu seiner Hochzeit ein, die so böse sind, dass sie die Diener töten? Eine weitere Merkwürdigkeit: Nachdem die Eingeladenen nicht kommen, wurde der König zornig. „Er schickte sein Heer, ließ die Mörder töten und ihre Stadt in Schutt und Asche legen.“  Warum konnte der König es nicht dabei belassen, die Mörder töten zu lassen? Warum musste er auch noch die Stadt in Schutt und Asche legen? Und gerade wird darüber berichtet, dass der König die Stadt in Schutt und Asche legen ließ, dann folgt der Satz: „Dann sagte er zu seinen Dienern: Das Hochzeitmahl ist vorbereitet.“ Nach dem Feldzug des Königs geht also das Hochzeitsmahl unbekümmert weiter – als hätten sich die gebratenen Hammel die ganze Zeit über weiter am Spieß gedreht. Und nun werden Leute von der Straße eingeladen. Die kommen auch, aber natürlich ohne Festgewand – wie auch, wenn sie direkt von der Straße eingeladen werden? Und einer ist ohne Festgewand anwesend, - wieso eigentlich die anderen nicht? – und der wird wegen eines Verstoßes gegen die Kleiderordnung unverhältnismäßig hart bestraft: „Bindet ihm Hände und Füße, und werft ihn hinaus in die äußerste Finsternis! Dort wird er heulen und mit den Zähnen knirschen“. Was ist das für ein merkwürdiger König! Und über dem Ganzen stehen die einleitenden Worte Jesu: „Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem König“. Ein König, der eine Stadt in Schutt und Asche legt und der einen ganz verständlichen Verstoß gegen die Kleiderordnung unbarmherzig und unverhältnismäßig bestraft. Luther hat schon recht: „Es ist ein schrecklich Evangelium“. Es nutzt aber nichts: Wir müssen uns damit auseinandersetzen.   

 

2.        Wichtig sind die Adressaten des Gleichnisses: „In jener Zeit erzählte Jesus den Hohenpriestern und den Ältesten des Volks das folgende Gleichnis“. Ja, man kann es wohl so sagen: mit dem Gleichnis geht es um eine Abrechnung Jesu mit den Hohenpriestern und Ältesten des Volkes. Sie sind gemeint mit denjenigen, die die Einladung ausschlagen. Ja, sie schlagen sie nicht nur aus, sie sind auch daran beteiligt, dass andere die Einladung nicht annehmen können, weil sie ganz hohe Hürden aufgebaut haben, die man erst überwinden muss, um dann bei Gott sein zu können. Ja, man kann wohl noch einen Schritt weitergehen: Sie verstehen wohl die Rede von der Einladung Gottes zu einem Hochzeitsmahl überhaupt nicht. Wenn das Bild vom Hochzeitsmahl eine Metapher dafür ist, wie Gott zum Menschen steht und wie der Mensch zu Gott steht, dann ist diese Art von Gottesbeziehung den Ältesten und Hohenpriestern fremd.

 

3.        Hier wird also die Beziehung Gottes zu den Menschen bildhaft beschrieben als eine Einladung zu einem Hochzeitsmahl. „Du, Mensch, dich will ich würdigen und auserwählen, zur Hochzeit meines Sohnes zu kommen.“ D.h. teilzuhaben an einem unverbrüchlichen Bund Gottes mit den Menschen. Es geht bei dieser Einladung um ein Geschenk und um etwas, was mich deshalb unbedingt etwas angehen müsste. Es geht hier tatsächlich um mein Leben, um Leben und Tod, wenn man so möchte. Es geht nicht um eine Nebensache.  Die im Gleichnis hervorgebrachten Entschuldigungen verkennen vollkommen den Ernst der Sache. Es ist nun mal so – Sie kennen das: Wenn man mal tatsächlich eine Einladung, der man gern gefolgt wäre, ausschlagen muss, dann wirkt das auf den Einladenden so, als sei er nicht wichtig. Anderes erhält den Vorzug.

 

4.        Gott definiert seine Beziehung zu uns Menschen neu. Diese Beziehung gleicht einer Einladung zu einem Hochzeitmahl. Das steht als eine große Überschrift über meinem Leben als das Wichtigste. Und die Hohenpriester und Ältesten des Volkes und die übereifrig Frommen zu allen Zeiten halten das nicht für wichtig. Man muss sich die Gottesbeziehung verdienen. Die Rede von der Einladung verstehen sie nicht. Und was dann rauskommt ist klar: „Ich bin der bessere Christ, weil ich mehr tue.“ „Nein, ich bin der Bessere, weil ich die Wahrheit habe.“ „Nein, ich habe die Wahrheit“, sagt der andere. „Schau, was ich alles mache: Anbetungen, Rosenkränze, Sühneandachten.“ „Nein, ich habe die wahre Lehre, du bist im Irrtum, sagt wieder einer.“ Und schon werden um der vermeintlichen Wahrheit willen ganze Städte in Schutt und Asche gelegt. Aus einer Einladung zu einem Hochzeitmahl, die mein Leben würdigt, mit Gott vermählt zu sein, hat man ein dogmatisches Lehrgebäude konstruiert, das über Wahrheit und Irrtum entscheidet und worüber sich die Eifrigen immer schon die Köpfe eingeschlagen haben. Nein, man kann verstehen, dass Jesus hier ein Gleichnis erzählt, in dem der König aufs äußerste erzürnt ist. Aber die Einladung bleibt bestehen. Gott zieht sich nicht zurück.

 

5.        Und nun geht das Gleichnis weiter und alle werden eingeladen. Es  heißt ausdrücklich: „Die Diener gingen auf die Straßen hinaus und holten alle zusammen, die sie trafen, Böse und Gute, und der Festsaal füllte sich.“ Alle, einfach alle: Böse und Gute. Über eines jeden Menschen Leben steht diese Überschrift: Gott steht zu dir wie jemand, der dich einlädt zu seiner Vermählung mit ihm. Und jetzt kommt der etwas merkwürdige Schluss, dass da nun doch einer ist, der nicht in einem Hochzeitsgewand gekleidet erschienen ist und deshalb rausgeworfen wird in die äußerste Finsternis. Man darf an ein Gleichnis nicht zu viele Fragen stellen, ob das logisch ist. Wie sollte jemand, der von der Straße eingeladen wird, ein Hochzeitsgewand tragen. Wer läuft schon den ganzen Tag um Hochzeitskleid rum. Nein, was gemeint ist, ist aber klar. Die Einladung gilt jedem Menschen. Aber der Mensch muss sich dieser Einladung würdig erweisen. Er muss ihr folgen. Er muss sich von Gottes Liebe erfüllen lassen und verwandeln lassen. Die Einladung darf in unserem Leben nicht folgenlos bleiben. Denn wenn uns eines Tages aufgeht, zu was wir von Gott eingeladen waren, und wir haben es nicht an uns heran gelassen, dann wird wirklich Heulen und Zähneknirschen sein.

 

6.        Jesus hat letztlich in Erinnerung rufen wollen, was schon Jesaja zum Ausdruck gebracht hat, als er schrieb: „An jenem Tag wird der Herr der Heere auf diesem Berg – dem Zion – für alle Völker ein Festmahl geben, mit den feinsten Speisen, ein Gelage mit erlesenen Weinen, mit den besten und feinsten Speisen, mit besten, erlesenen Weinen.“ Schöner kann man kaum zum Ausdruck bringen, wie Gott zu uns stehen möchte.

 

 

 

    

   Franz Langstein



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