St. Johannes Evangelist, Kugelkirche

11.06.2017

Predigt am Dreifaltigkeitssonntag 2017



Liebe Schwestern und Brüder!

1.         Dreifaltigkeitssonntag. Gott ist Vater – Sohn – Heiliger Geist. Wie kommen wir Christen dazu, so etwas zu sagen und zu bekennen? Ein Gott und doch drei Personen – irgendwie. Nicht wenige haben damit große Probleme.

 

2.       Dass wir an den Dreifaltigen Gott glauben, hat seinen Grund darin, dass wir an einen Gott, glauben, der sich offenbart. Ein Nicht-Dreifaltiger Gott könnte sich so nicht offenbaren. Das klingt zunächst provozierend, hängt aber davon ab, was wir unter „Offenbarung“ verstehen. Das Zweite Vatikanische Konzil hat hier große Klarheit geschaffen. Vor dem Konzil glaubte man, dass Gott uns seine Gebote offenbart, seine Gesetze, die moralischen Weisungen usw.. Offenbarung war also das Bekanntgeben von Informationen. Nein, sagt das Konzil. Offenbarung greift viel weiter aus und meint viel mehr. Offenbarung ist nicht Mitteilung von Etwas, sondern Offenbarung ist Selbstmitteilung. Gott offenbart sich selbst, sein Wesen. Und diese Selbstmitteilung Gottes begründet den Glauben an den Dreifaltigen Gott. Ich möchte das jetzt mal mit Ihnen durchexerzieren an einem Beispiel. Ich hoffe, ich kann mich dabei verständlich genug ausdrücken.

 

3.         Wir kennen von uns Menschen ja auch den Begriff der Selbstmitteilung. Es gibt auch bei uns so etwas, dass wir nicht nur Informationen mitteilen, sondern von uns selbst etwas preisgeben. Schauen wir da mal genau hin, was da passiert, wenn ich mich selbst mitteile. Da gibt es also jemanden. Einen Menschen.   Eines Tages erwacht in ihm ein Gefühl, dass da ein anderer Mensch ganz besonders bedeutsam für ihn wird. Er entdeckt das Gefühl in sich. Und jetzt sucht er nach Begriffen, die dieses Gefühl benennen können. Er findet die Worte wie „Sympathie“, „Zuneigung“, vielleicht sogar „Liebe“. Dieses Gefühl in ihm gehört zu ihm und macht sein Wesen aus, ist aber nicht identisch mit seinem Wesen. Denn er war als Mensch schon vorher da, auch ohne das Gefühl. Aber jetzt gehört es zu ihm, zu seinem Wesen. Und er hat Worte gefunden für dieses Gefühl. Denn das braucht es, falls er dieses Gefühl mitteilen möchte.  

Halten wir mal inne. Das Johannes-Evangelium sagt: „Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott und Gott war das Wort.“ Ist es nicht in Gott so ähnlich, dass zu seinem Wesen etwas gehört, für das es ein Wort gibt: Liebe. Und zwar von Anfang an.

Kommen wir zurück.   Eines Tages beschließt der Mensch, seinem Gefühl gegenüber der anderen Person Ausdruck zu verleihen. In ihm leben ja bereits die Begriffe wie „Sympathie“, „Zuneigung“, „Liebe“. Er trifft sich mit diesem Menschen, für den er so viel empfindet und teilt sich ihm mit. Sein Innerstes wird nun durch die Worte wie „Sympathie“, „Zuneigung“, „Liebe“ nach außen getragen. Ein innerer Wesenszug von ihm liegt nun öffentlich vor, ausgebreitet vor dem anderen. Haben wir bei uns Menschen, wenn wir also uns selbst mitteilen, nicht auch schon zwei? Einmal den, der sich selbst mitteilt, und einmal das, was er von sich selbst mitteilt? Und beides sind zwar zwei, und doch eins, weil das, was er mitteilt ganz zu ihm gehört und sein Wesen ist. Das schöne Wort „Selbstmitteilung“ sagt es. Ich teile mein Selbst mit. Das Selbst teilt nicht nur mit, es wird auch mitgeteilt. Um also von Offenbarung zu reden, brauche ich schon zwei, die aber doch eins sind. Das Selbst, das mitteilt, und das Selbst, das mitgeteilt wird. Sie sind verschieden und doch eins.

Das können wir auch auf Gott übertragen, wenn es im Johannes-Evangelium heißt: „Und das Wort ist Fleisch geworden“. Das innerste Wesen Gottes, dieses ewige Wort in Gott, wird nun öffentlich, nach außen preis gegeben.

Kommen wir wieder zurück. Was passiert jetzt, wenn ein Mensch seine inneren Gefühle, also sein Wesen einem anderen mitteilt, also sich selbst einem anderen mitteilt? Angenommen, der andere Mensch nimmt diese Worte nicht ernst, findet das albern, lacht darüber. Er lacht zwar über die Worte, aber der, der diese Worte gesprochen hat, fühlt sich in seinem Wesen verletzt. Weil diese seine Worte sein Wesen sind. Das heißt: Er fühlt sich mit diesen seinen Worten verbunden. Er liebt diese seine Worte. Und wenn jemand diese Worte beleidigt, dann fühlt er sich selbst beleidigt. Das heißt: Es gibt zwischen dem, der etwas sagt und dem, was er sagt, eine tiefe Verbundenheit. Er liebt das Gesagte. Und wenn jemand das Gesagte beleidigt, fühlt sich der, der das gesagt hat, selbst beleidigt.

 

4.     Wenn wir also an den Gott glauben, der sich selbst offenbart und nicht einfach nur Infos mitteilt, dann kann eine solches Geschehen der Selbstoffenbarung nur möglich sein, wenn Gott dreifaltig ist. Denn auch bei uns Menschen ist es schon so. Es gibt den, der er selbst ist. Dieses Selbst kann er in einer Selbstmitteilung nach außen preis geben: und das Preisgegebene wird von ihm geliebt, weil es zu seinem Wesen gehört. Wenn Gott sich mitteilt, dann ist er der Mitteilende, „Vater“ sagen wir. Er teilt aber nur sich selbst mit, sein innerstes Wesen, „Sohn“, sagen wir. In ihm ist das Wesen Gottes öffentlich geworden. Und dieses Selbst, das der Vater mitteilt, wird natürlich auch von ihm geliebt, und diese Liebe nennen wir „Heiliger Geist“. Der Geist Gottes kam in der Taufe auf Jesus herab, wird uns berichtet. Jesus ist die geliebte Selbstoffenbarung Gottes.

 

5.    Wenn wir Christen also heute den Dreifaltigen Gott bekennen, dann drücken wir damit aus, dass Gott sich uns gegenüber selbst mitgeteilt hat. Er bleibt kein starres Gegenüber, sondern schenkt uns sein innerstes Wesen: Seine Liebe, seine Herrlichkeit, seine Ewigkeit, seine Fülle. Oder wie es im heutigen Evangelium heißt: „Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht zugrunde geht, sondern das ewige Leben hat.“

   Franz Langstein



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