St. Johannes Evangelist, Kugelkirche

Predigt zum 3. Advent A20

Mt 11,2-11

15.12.2019

Liebe Schwestern und Brüder!

1.      Zur Zeit Jesu, nach vielen Jahrhunderten der Unterdrückung des Volkes Israel durch ständig wechselnde Besatzungsmächte, war der Wunsch, die Erwartung, Gott möge doch endlich den Retter, den Messias, schicken, enorm angewachsen. Menschen zogen in die Wüste, um sich dort in der Einsamkeit ganz auf das Kommen des Retters vorzubereiten. Am bekanntesten war die Gemeinschaft von Qumran, die in der Nähe des Toten Meeres wohnten. Auch Johannes der Täufer lebte mit seinen Jüngern in der Wüste. Er muss eine faszinierende Gestalt gewesen sein. Scharen von Menschen zogen zu ihm hinaus. Er muss wohl ein wortgewaltiger Prediger gewesen sein; ein Mensch, mit enormer Ausstrahlung. Durch die Jahrhunderte hindurch hat diese Gestalt die Kunst inspiriert. Wir würde man menschlich sagen: Er war wohl ein ganz Großer. Er hat selbst radikal ernst gemacht damit, vorbereitet zu sein auf das Kommen des Messias. Dass er kommen würde, davon war er überzeugt: „Schon hält er die Schaufel in der Hand, um die Spreu vom Weizen zu trennen“. „Schon ist die Axt erhoben“. „Meint ihr, dass ihr dem kommenden Gericht entrinnen könnt?“, waren seine Worte. Beeindruckende Worte.  Nein, der Messias als Richter steht unmittelbar bevor. Dieses Bewusstsein hat ihn geprägt. So lebte er ganz radikal, in der Wüste. Er trug einen Mantel aus Kamelhaaren und ernährte sich von Heuschrecken. Gut, heute ist das eher ein Zeichen von Reichtum: Kamelhaar-Mäntel sind sehr teuer und so manches edle Gourmet-Restaurant bietet heute auch Heuschrecken als Vorspeise an. Aber egal! Kommen wir zurück. Johannes hat radikal ernst gemacht, für das Kommen des Messias vorbereitet zu sein. Seine Ausstrahlung, seine Botschaft, sein Leben machen ihn zu einem ganz Großen. Und das bescheinigt das Matthäus-Evangelium, aus dem wir vorhin hörten: „Jesus sagte: Amen, das sage ich euch, unter allen Menschen hat es keinen Größeren gegeben als Johannes den Täufer“. ‚Ja, menschlich gesehen hat Johannes alles gemacht, was möglich war. Mehr war nicht drin. Und so hat er die Massen elektrisiert. Seine Drohbotschaft, dass die Spreu vom Weizen getrennt würde, dass niemand dem kommenden Gericht entrinnen könnte, das ist alles verständlich aufgrund der damaligen Zeitumstände. Wer hätte nicht den Wunsch gehabt, dass endlich die Unterdrücker vernichtet würden. Keiner der alttestamentlichen Propheten war zeitlich so nah dran an dem Verheißenen wie Johannes. Und er wusste das. Daher seine Radikalität. „Unter allen Menschen hat es keinen Größeren gegeben als Johannes den Täufer.“

 

2.         Aber dann fährt das Johannes-Evangelium fort: „Aber der Kleinste im Himmelreich ist größer als er“. Offensichtlich war mit dem, was der „Messias“ sein soll, etwas anderes gemeint als das, was  Johannes verstanden hat. Offensichtlich bringt Jesus so etwas Anderes und Neues, dass Johannes damit überhaupt nicht rechnen konnte: Bei Jesus schwingt keine Axt nieder (obwohl man es sich manchmal wünschen würde), da wird keine Schaufel geschwungen, um die Spreu vom  Weizen zu trennen, sondern Kraut und Unkraut dürfen zusammen aufwachsen. Da wird nicht mit dem Zornesgericht Gottes gedroht, sondern es wird verkündet: Das Heil ist da. Wir werden es Weihnachten wieder singen. Die bedingungslose und alles umfassende Liebe Gottes ist erschienen. Johannes hat dies wohl nicht so gesehen, deshalb sagt Jesus, dass selbst der Kleinste im Himmelreich noch größer ist als Johannes. Johannes lebt noch ganz nach den alten Mustern der Rache, der Vergeltung und des Zornes Gottes, Jesus verkündet eine umfassende Liebe, die im Gebot der Feindesliebe kulminiert. Johannes setzt auf die Wucht des Gerichtes, auf Schrecken vor der Verurteilung; Jesus setzt auf die Faszination des Heils, der Herrschaft der Liebe, das Himmelreich. Johannes hat Großes geleistet; er war eine imposante und beeindruckende Gestalt. Er hat fast Unmögliches auf sich genommen. Aber so funktioniert nun mal nicht mehr das Himmelreich, das Gott uns in Jesus gebracht hat.

Franz Langstein



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