St. Johannes Evangelist, Kugelkirche

19.08.2018

Predigt am 20. Sonntag B18

Joh 6,51-58

Liebe Schwestern und Brüder!

1. Mit einer Gruppe Jugendlicher habe ich mich vor einiger Zeit darüber unterhalten, wie sie sich Gott vorstellen und wie man überhaupt sich Gott heute vorstellen könne. Angesichts wissenschaftlicher Erkenntnisse und des neuzeitlichen Denkens sind die personalen Gottesbilder wie Richter, Herrscher, König, Hirte eher schwierig. Diese Gottesbilder beruhen auf einem Gegenüber, hier ich – da Gott als König, Richter usw. Dieses Gegenüber konnte man sich in früheren Zeiten leichter vorstellen. Als die Erde noch Mittelpunkt eines an sich recht kleinen Weltalls war, da war es einfach, sich Gott als Gegenüber jenseits des Himmelsgewölbes thronend vorzustellen.   Aber in einem an sich fast unendlich vorgestellten Weltall – wo soll Gott da thronen? Jenseits der Jupiterbahn? Bei der Nachbargalaxie? Am Ende unseres Gesprächs kamen wir zu einer ganz allgemeinen Aussage über Gott: Gott ist womöglich die Wirklichkeit, die alles ausfüllt und in der wir sind und leben, geborgen und aufgehoben. Gott ist eine womöglich eine Liebe, die uns unsichtbar umspült und in der wir uns geborgen wissen dürfen. Eine allumfassende Wirklichkeit und Liebe.

    

2.   Das ist doch irgendwie auch eine schöne Vorstellung. Wenn es sich aber so verhält, dass unser Leben umfasst ist von einer alles umspannenden Wirklichkeit, die Geborgenheit bedeutet, wie können wir das verinnerlichen, wie können wir also „auf den Geschmack“ kommen? Es macht ja wohl doch einen Unterschied, ob ich als einzige Wirklichkeit mein Leben als Zufallsprodukt sehe, das hin und her geworfen wird von blinden Schicksalsmächten und das am Ende nur noch verwesen wird, oder ob ich mich geborgen weiß in einer viel größeren Wirklichkeit. Das macht ja was mit mir. Wie kann ich also auf den Geschmack dieser allumfassenden Wirklichkeit kommen?      

 

3.   Ich habe bewusst die Formulierung „auf den Geschmack kommen“ gewählt. Denn da können wir direkt anknüpfen an die erste Lesung aus dem Buch der Sprichwörter: „Die Weisheit hat ihr Haus gebaut. Sie hat ihr Vieh geschlachtet und ihren Wein gemischt und schon ihren Tisch gedeckt. Kommt, esst von meinem Mahl und trinkt vom Wein, den ich mische“. Es geht tatsächlich um das Verkosten, um das Schmecken. Die Weisheit lädt ein zu diesem Mahl. Das lateinische Wort für Weisheit lautet „Sapientia“. Darin steckt das Verb „sapere“. Und das bedeutet schmecken, verkosten. Es gehört wohl zur Weisheit des Menschen, dass er auf den Geschmack Gottes kommt, dass er verkosten darf, wie sehr sein Leben in Gott geborgen ist. Es ist wie ein „Esst von diesem Mahl und trinkt von diesem Wein.“    

 

4.   Und natürlich fühlen wir uns jetzt sofort an das Evangelium erinnert, in dem es auch um Essen und Trinken geht. „Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, der bleibt in mir und ich bleibe in ihm“. Es ist zwar ein sehr anstößiger Satz. Aber er ist typisch für das Johannes-Evangelium und muss unbedingt im Zusammenhang gesehen werden mit dem Satz im Johannes-Prolog: „Und das Wort ist Fleisch geworden“. Man kann das wohl zusammenfassen auf folgende Weise: Jesus hat uns durch sein Leben und Sterben, eben wie es Johannes ausdrückt, durch sein Fleisch und Blut, auf den Geschmack Gottes gebracht. Durch sein Leben hat er die Menschen Gott schmecken lassen. Sie haben Gott als liebende Wirklichkeit für ihr Leben erfahren, verköstigen dürfen. Und durch seinen Tod hat er die Menschen wissen lassen, wie weit diese Liebe Gottes geht, dass sie nämlich grenzenlos ist. Christus selbst ist die Speise, die uns auf den Geschmack Gottes gebracht hat.

 

 5.  Nein, nicht „gebracht hat“, sondern immer neu bringt. Auch jetzt, wenn wir Eucharistie feiern und Leib und Blut Christi, also das Leben Christi, unter uns gegenwärtig wird. Auch wir können ihn jetzt schmecken und verköstigen. Und damit schließt sich irgendwie der Kreis: Wenn Gott die große uns umfassende und uns in sich bergende Wirklichkeit Gottes ist, dann erfahren wir diese Einheit mit Gott im heiligen Mahl, in dem Christus selbst zur Speise wird und uns so auf den Geschmack Gottes bringt. Das kann unser Leben wirklich prägen. Nämlich die Gewissheit, die wir im heiligen Mahl empfangen: Gott ist wirklich die uns umfassende Wirklichkeit, die uns birgt in Ewigkeit.




   Franz Langstein



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