St. Johannes Evangelist, Kugelkirche

23.12.2018

Predigt am 4. Advent C 2019

Lk 1,39-45

Liebe Schwestern und Brüder!

1.      Ich sage da ja nichts Neues, wenn ich feststelle, dass wir heute in einer Zeit leben, - jedenfalls die meisten von uns in Deutschland -, die den Menschen relativ große Sicherheit bietet: Wir sind materiell sehr gut abgesichert. Wir leben in einer langen Periode des Friedens. Wir genießen eine Freiheit, wie sie es selten gegeben hat. Mir scheint es so, als ob diese lange Wohlstandsperiode uns allerdings ein Bild vom Leben vermittelt, das so nicht stimmt. Wenn wir Plakate anschauen, wenn wir Werbung im Fernsehen sehen, wenn wir in Geschäfte gehen und die vielen Models sehen, die für irgendwas Werbung machen – es sind immer junge, hübsche, schlanke, glückliche Menschen. Das Idealbild eines glücklichen Lebens. Das Idealbild des perfekten Wohlstands. Aber so ist das Leben nicht. Das Leben ist höchst gebrechlich, hinfällig, vielen Zufälligkeiten unterworfen. Der Blick für die Gebrechlichkeit des Lebens ist weitestgehend verlorengegangen. Unglück – das darf es nicht geben. Krankheit und Tod sind solche Unglücksfälle. Schicksalsschläge sind Unglücksfälle. Wenn sie vorkommen, dann muss es einen Schuldigen geben. Denn das Leben ist an sich perfekt. Und wenn es mal nicht perfekt ist, dann muss jemand dran schuld sein. Rechtsanwälte haben Hochkonjunktur. Der Mensch ist wohl so gebaut: Als im Mittelalter die Pest ausbrach, hatte man schnell Schuldige ausgemacht: Die Juden. Und als am 1. November 1755 ein verheerendes Erdbeben die Stadt Lissabon den Erdboden gleichmachte, war auch klar, warum das so geschah: Die Menschen glaubten zu wenig an Gott. Solche irrationalen Kausalitäten haben wir zwar überwunden, aber die Frage nach den Ursachen ist geblieben: Wir brauchen jemanden, der dran schuld ist, um die Illusion vom perfekten Leben aufrecht erhalten zu können. Aber so ist das Leben nicht: Es ist nicht perfekt; es ist nicht unverletzlich; es ist nicht schmerzfrei. Es ist höchst labil und gebrechlich: Zum Leben gehören auch Krankheit, Unfälle, Not, Sterben, Schicksale, Leid. Auch wenn jemand dran schuld ist: Die Schuld gehört eben auch zum Leben. Und da mitten drin, in diesen Unsicherheiten des Lebens, feiert der Mensch Advent. Und vielleicht kann er um so mehr den Advent feiern, je mehr er das Leben mit seinen Unwägbarkeiten annimmt und akzeptiert. Warum? Das wird uns heute am vierten Advent vor Augen gestellt.  

 

2.      Es wird uns im heutigen Evangelium die schöne Geschichte erzählt von der Begegnung Marias mit ihrer Verwandten Elisabeth. Und dann heißt es: „Vom heiligen Geist erfüllt rief Elisabeth mit lauter Stimme: Gesegnet bist du mehr als alle anderen Frauen“.  – Maria, die gesegnete Frau. Sie ist gesegnet durch das Kind, das sie in ihrem Schoß trägt. Diese gesegnete Frau soll heute im Zentrum des vierten Advents stehen.

 

3.      Denn diese gesegnete Frau ist   d i e   adventliche Gestalt der Hoffnung. Sie ist gesegnet, denn sie trägt das göttliche Kind in ihrem Schoß. Sie trägt göttliches Leben. Es wird in der Gestalt der gesegneten Frau etwas deutlich, was für uns alle gilt, denn Maria ist das Urbild der neuen Schöpfung: Auch wir tragen göttliches Leben in uns. Wir sind die Krippe, in die an Weihnachten das göttliche Kind gelegt wird. In uns ereignet sich der ewige Bund zwischen Gott und Mensch. Die gesegnete Frau ist der gesegnete Mensch. Und somit wächst in dieser Gestalt der gesegneten Frau der Mensch über sich hinaus. Er wächst über sich hinaus in das göttliche Leben hinein. Und auch Gott wächst über sich hinaus in das menschliche Leben hinein. Somit ist unser Leben in ein neues Gesetz geraten. Unser Leben bleibt gebrechlich und gefährdet, und es gibt keine Sicherheit, aber es gibt diese Gestalt der gesegneten Frau, die uns sagen will: Bei aller Gefährdung und Hinfälligkeit des Lebens: Du bist gesegnet zum Tempel und Tabernakel Gottes und du trägst schon in dir keimhaft die Vollendung deines Lebens.  Wir können unser Leben ganz realistisch sehen. Wir können unser Leben in seiner Gebrechlichkeit annehmen. Denn wir glauben an eine größere Wirklichkeit unseres Lebens.    

 

4.       So gesehen ist der vierte Advent in der Gestalt der gesegneten Frau die Ouvertüre zur morgigen Heiligen Nacht. In die Nacht unseres Daseins kommt das göttliche Kind. Der Mensch wird zur Krippe für das göttliche Leben, der Mensch wird zum gesegneten Menschen. Ein für alle Mal.      

   Franz Langstein



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