St Johannes Gewölbe
St. Johannes Evangelist, Kugelkirche

Geschichte der Pfarrei St. Johannes Evangelist

Der volkstümliche Name „Kugelkirche“ als Bezeichnung der kath. Pfarrkirche St. Johannes Ev. hält bis heute die Erinnerung an die Gemeinschaft der Brüder vom gemeinsamen Leben als deren Erbauer wach, die aufgrund ihrer kapuzenähnlichen Kopfbedeckung Kugelherren genannt wurden: eine geistliche Reformbewegung von Klerikern und Laien, deren Wurzeln im Holland des 14. Jahrhunderts lag und die durch eine Wiederbelebung christlicher Ideale in der devotio moderna erneuernd auf die vom sittlichen Verfall gezeichnete Kirche einwirken wollte.


Durch eine Stiftung des höchst einflussreichen Marburger Ratsherrn Heinrich Imhoff und seiner Frau Elisabeth v. Treisbach (Stifterwappen a. d. Südwand im Kircheninnern) am 21. Oktober 1477 wurden die Kugelherren in Marburg ansässig, die schon bald nach ihrer Ankunft eine Kirche einfacher Bauart errichteten - provisorisch für die etwas nördlich davon gelegene, um das Jahr 1500 begonnene Kugelkirche. Dokumentarisch belegt ist die Fertigstellung ihres Netzgewölbes 1516 und eines Sakristeibaues 1520 an der Stelle der heutigen Sakristei aus den Jahren 1929/30 an der Chorseite. Der abrupt wirkende westliche Abschluss der Kugelkirche legt die Vermutung nahe, dass die Bauarbeiten vorzeitig beendet wurden.


1491 wurde mit dem Bau des südlich der Kirche gelegenen Fraterhauses begonnen, das ursprünglich das Wohnhaus der Brüder mit einer renommierten Schule war, nach der Reformation zunächst als Bleibe für alle nicht konvertierten Ordensmänner Hessens diente, bald zum Stipendiatenwohnheim der theol. Fakultät bestimmt, später zum Amtsgericht mit Gefängnis umfunktioniert und schließlich, 1894 als Institutsgebäude eingerichtet, wieder seiner ursprünglichen wissenschaftlichen Bestimmung übergeben wurde.Bis die Kugelkirche 1828 mit der Wiederzulassung des seit der Reformation verbotenen Katholizismus in Marburg (1787) wieder katholische Pfarrkirche wurde, erfuhr sie eine ähnlich wechselvolle Nutzung zunächst als Hörsaal der theol. Fakultät, dann als Kirche der reformierten Gemeinde und zuletzt der hugenottischen Refugies.


Einzige Reminiszenzen an die Zeit der Erbauung des beginnenden 16. Jahrhunderts im Inneren der Kirche sind das Sakramentshaus und das Netzgewölbe. Das  Sakramentshaus aus dem Jahre 1520 umfasst sieben Stockwerke auf der Grundform eines Achtecks und schließt mit einer Kreuzblume, auf der ein Pelikan thront, der symbolisch für den Opfertod Christi steht. Die große Ähnlichkeit mit den Sakramentshäusern der Kilianskirche in Korbach und des Fritzlarer Domes, die beide aus der Werkstatt Bunekemann, Münster i. W., stammen, und die Zugehörigkeit der Marburger Fratres zu ihrem dortigen „Mutterhaus“ lassen darauf schließen, dass das hiesige Sakramentshaus ebenfalls ein Werk dieser münsterschen Steinmetze ist.


Das Netzgewölbe aus dem Jahr 1516 mit gotischen Fresken in Form von Strahlenkränzen und Blattwerk zwischen den Gewölberippen (Ausgestaltung der Schlusssteine 1899) ruht auf Diensten, die im Langhaus – im Gegensatz zum Chorraum - erst etwa auf der Höhe der Fensterbänke ansetzen: Es ist anzunehmen, dass dort ursprünglich das Chorgestühl mit den Kapitellen abschloss.


Das übrige Interieur stammt aus späteren Jahrhunderten. Der Flügelaltar wurde im Jahr 1899 anlässlich einer umfangreichen Renovierung der Kugelkirche (mit Einbau der Empore) aus der Sammlung des Frankfurter Pfarrers E. Münzenberger erworben, der ihn in Sachsen als Torso erstanden hatte und durch Bildhauer Caspar Weis neugotisch ergänzen ließ Gesprenge: Krönung Mariens; Schrein: li. Flügel außen Mater dolorosa; innen Verkündigung u. Erscheinung d.H.; re. Flügel außen hl. Johannes Ev.; innen Krippenszene u. Beschneidung d.H.; oben v.l.n.r. hll. Mauritius, Petrus, Muttergottes, Paulus, Thomas; unten v.l.n.r. hll. Barbara, Johannes Ev., Bartholomäus, Margarethe; Predella: v.l.n.r. hll. Maria Magd., Cäcilia, Agnes, Kreuz, Elisabeth, Agatha, Katharina).


Der kleine Flügelaltar an der Nordwand unter der Empore ist ebenfalls ein Werk des Bildhauers C. Weis aus dem Jahr 1900. Dargestellt werden Szenen aus dem Leben der hl. Elisabeth v. Th. Schrein: li. Flügel außen hl. Franziskus; innen Trauung der hl. Elisabeth mit Landgraf Ludwig v.Th.; Verlassen der Wartburg; re. Flügel außen hl. Elisabeth; innen Kranker im Bett ihres Gatten und Einkleidung als Tertiarin des hl. Franz.; Mittelteil Almosengabe; Predella: hl. Elisabeth beim Gebet und der Krankenpflege).


1967 wurde die Kugelkirche den Erfordernissen der Liturgiereform im Sinne des kurze Zeit vorher beendeten II. Vat. Konzils angepasst: Aus dieser Zeit stammen u.a. der Zelebrationsaltar sowie die an der Nordwand anstelle eines Kapitells angebrachte Dämonenfigur: Sinnbild für alles Unvollkommene im scheinbar Vollkommenen.

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Sonntag 10.30 h Heilige Messe
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(nicht während der hessischen Schulferien)
Sonntag 18.00 h Heilige Messe
Dienstag 8.30 h immer der letzte Dienstag im Monat


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Freitag 18.30 h Heilige Messe