Predigt am 5. Sonntag A26 

                                                                                                Mt 5,13-16

 08.02.2026

Liebe Schwestern und Brüder!

1. Es geht im heutigen Evangelium um unser christliches Selbstbewusstsein. „Ihr seid das Salz der Erde, ihr seid das Licht der Welt“, sagt Jesus. Es geht um die Frage: Was halten wir von uns selbst?

2. Und wie in vielen Bereichen des Lebens, an denen wir uns die Frage stellen, wer ich eigentlich bin, schleicht sich heimlich, still und leise eine Frage dazwischen: Wer will ich eigentlich sein? Ich will meinem Leben also erst noch etwas geben, das ich jetzt noch nicht bin: Ich will meinem Leben einen Sinn geben, ich will meinem Leben ein Design geben. Und schon wird das, was ich sein will, zur eigenen Leistung. Erreiche ich mein Ziel, bin ich stolz und strotze nur so von Selbstbewusstsein. Erreiche ich mein Ziel nicht, kann ich mir minderwertig vorkommen, ein Looser.

3. So manche Christen aber haben genau das verinnerlicht. Es wurde ihnen immer wieder gesagt, was sie tun sollen, damit sie gottgefällig leben. Sie müssen also erst noch etwas erreichen, was sie jetzt noch nicht sind. Da das nicht immer zu schaffen ist, zumindest das zu leben, was man als „gottgefälliges Leben“ zu glauben meint, sind viele im Christentum doch sehr bescheiden geworden. Dazu kommen die nicht immer ruhmreiche Kirchengeschichte. Und das alles nagt dann doch ganz schön an unserem Selbstbewusstsein und Selbstwertgefühl.

4. Und da stehen heute die Sätze: „Ihr seid das Salz der Erde, ihr seid das Licht der Welt“. Da steht nicht: Ihr sollt es sein, vielmehr: Ihr seid es. Es ist also eine Zusage. Und man mag vielleicht spüren, wenn uns so etwas zugesagt ist, dass man gleich reagieren möchte: Nun mach mal halblang. Ja, schon so ein bisschen Licht, ja, vielleicht, aber Licht der Welt? Nehmen wir mal den Mund nicht zu voll. Aber ist diese Bescheidenheit und – ohne Zweifel – auch Ehrlichkeit, nicht gefährlich? „Ist das nur ein Vorwand, um sich’s bequem einzurichten,“ so ähnlich fragte einmal Bischof Kamphaus in diesem Zusammenhang.

5. Was wir als Christen sind, ist nicht in unser Belieben gestellt. Es geht nicht darum, wer wir sein möchten, sondern wer wir sind. Es ist uns vorgegeben. „Ihr seid das Licht der Welt“. Deswegen heißt es auch: „Ihr seid es“, und nicht „ihr sollt es sein“. Denn das was wir sind, ist nicht zu machen und nicht auf Befehl zu erlangen. Was wir sind, ist Geschenk.

6. Und dieses Geschenk haben wir von Christus empfangen. Er ist das Licht, das uns erleuchtet hat, so dass wir uns, die Welt, das Leben, auch den Tod, mit neuen Augen sehen. Durch Christus ist ein Licht in die Welt gekommen, das Hoffnung schenkt, Sinn gibt, Mut macht. Und dieses Licht, das uns erleuchtet hat, macht auch uns zum Licht. Wir leben aus der Hoffnung, aus der Überzeugung, dass die Welt nicht nur so ist, wie sie ist, sondern dass dahinter eine große Geborgenheit in Gott steht, die durch nichts genommen werden kann. Wir haben der Welt etwas zu geben. Wir haben gelernt, die Welt mit den Augen des Glaubens zu sehen, mit den Augen Christi.

7. Ich schließe mit einem Wort von dem schon einmal zitierten Bischof Kamphaus: „Die Welt braucht keine Verdopplung ihrer Hoffnungslosigkeit durch Religion, sie braucht und sucht das Gegengewicht, die Sprengkraft gelebter Hoffnung. (Aus dem Synodentext: Unsere Hoffnung). Wir brauchen der Welt nicht Welt und der Erde nicht Erde zu geben, sondern das, was ihr niemand sonst gebe kann: Salz, Licht. Eine falsche Anpassung bringt die Welt um das, was sie lebensnotwendig Braucht, um das Salz und Licht.“

Franz Langstein