26.05.2022

Predigt am Fest Christi Himmelfahrt 2022

Liebe Schwestern und Brüder!

1. Jetzt ist er also weg. Jesus. In den Himmel aufgefahren. Und seine Jünger sind allein zurück. „Ihr Männer von Galiläa: Was steht ihr da und schaut zum Himmel empor? Dieser Jesus, der von euch ging und in den Himmel aufgenommen wurde, wird ebenso wiederkommen, wie ihr ihn habt zum Himmel hingehen sehen.“ Bis zur Wiederkunft Christi, bis zum Ende der Welt, ist er also weg. Die Himmelfahrt Jesu wird also im sogenannten lukanischen Doppelwerk, also der Apostelgeschichte und dem Lukasevangelium, als ein Abschied dargestellt. Ein endgültiger Abschied, ein Ende. Aber ein Ende von was?


2. Es ist das Ende einer Sendung. Es ist das Ende der Sendung Jesu. In der Himmelfahrt vollendet sich die Sendung Jesu. Seine Sendung war es, die Liebe Gottes offenbar zu machen. Seine Sendung war, den Menschen Gott nahe zu bringen und zu zeigen, dass alle und alles von der Liebe Gottes umfangen ist. Nichts sollte ausgenommen werden. Deshalb gehört zur Sendung Jesu auch das Kreuz, die Gewalt, der Hass, den er am Karfreitag erlitten hat, das brutale Sterben und sein Tod. Alles Menschliche sollte von der Liebe Gottes umfangen werden. Alles Menschliche hat deshalb Christus angenommen und in Liebe getragen. Hier am Kreuz wird noch einmal ganz tief deutlich, was es heißt: „Gott ist Mensch geworden.“ Der Abstieg ans Kreuz ist die tiefste Solidarität Gottes mit der geschundenen Kreatur. Die Annahme allen Leidens am eigenen Leib, am Leib Christi. Hier am Kreuz vollendet sich die Menschwerdung Christi. Hier am Kreuz ist nun alles Menschliche, auch seine tiefsten Abgründe, von Christus angenommen, vergeben und von Gottes Liebe umfangen. Paulus schreibt dazu: „Nichts kann uns mehr trennen von der Liebe Christi“.


3. Da nun alles Menschliche zutiefst in Christus mit Gott verbunden ist, fällt von daher nun ein Licht auf die Himmelfahrt Christi. Das Tagesgebet drückt das wunderbar aus: „Allmächtiger, ewiger Gott, erfülle uns mit Freude und Dankbarkeit, denn in der Himmelfahrt deines Sohnes hast du den Menschen erhöht.“ Christus, der Menschensohn, nimmt alles Menschliche mit in den Himmel. In Christus wird das Menschliche, wird er Mensch, erhöht. Deshalb ist die Himmelfahrt das Ende der Sendung und die Vollendung der Sendung Jesu. Der Ruf Jesu am Kreuz: „Es ist vollbracht“, meint diese Vollendung der Sendung Jesu. Nach dem Leiden am Kreuz kann er heimkehren, weil er zum Vater alles mitnimmt, was uns Menschen ausmacht. Nichts bleibt der Liebe Gottes vorenthalten. Der Gekreuzigte kehrt heim. Und wir mit ihm.


4. Haben wir den Anfang der Sendung Jesu, nämlich Weihnachten, noch gefeiert als einen heiligen Tausch, dass nämlich Gott Mensch wird, damit wir Menschen vergöttlicht werden, so zeigt sich am Himmelfahrt nun die Vollendung dieses Satzes: Christus ist herabgestiegen, damit Gott zu uns herabsteigt. Nun steigt Christus hinauf, damit wir mit ihm hinaufsteigen. Er nimmt uns als Vermählte mit. Die Sendung Jesu, die an Weinachten begonnen hat, vollendet sich heute. Und sie wird sich für einem jeden von uns vollenden am Ende der Welt, also am Ende unseres eigenen Lebens. Wir feiern also heute nicht einfach nur das Ende der Sendung Jesu, sondern seine Vollendung; und somit unsere eigene Vollendung. „Denn Du schenkst uns das Vertrauen, dass auch wir zu der Herrlichkeit gerufen sind, in die Christus uns heute vorausgegangen ist“.

Franz Langstein

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