10.04.2022

Predigt am Palmsonntag

Lesung: Sacharia 9,9 ff, Evangelium: Lk 19,28-40

Der Weges Jesu von Palmsonntag bis Ostern

Liebe Schwestern und Brüder!

1. Der Einzug Jesu in Jerusalem: Zum letzten Mal werden die Menschen Jesus zujubeln. Zum letzten Mal werden sie ihrer Hoffnung auf einen Messias oder neuen König Ausdruck verleihen. Sie riefen: „Gesegnet sei der König, der kommt im Namen des Herrn. Im Himmel Friede und Herrlichkeit in der Höhe!“ Jesus nährt diese Hoffnung, indem er eine alttestamentliche Prophezeiung erfüllt, bezugnimmt auf die Stelle beim Propheten Sacharja: „Jauchze, Tochter Jerusalem. Siehe dein König kommt zu dir. Er reitet auf einem Esel, auf einem Fohlen, dem jungen einer Eselin“. Mit diesem hoffnungsvollen Zeichen reitet Jesus in Jerusalem ein.


2. Und doch ist es mehr, als dass Jesus einfach nur eine Hoffnung erweckt hat. Man kann es vergleichen mit einem Klöppel, der gegen eine Glocke schlägt und diese zum Schwingen und Klingen bringt. Jesus hat mit seinen Worten und Tagen etwas angeschlagen. Er hat im Menschen etwas zum Schwingen und Klingen gebracht. Verschüttete Sehnsüchte hat er wieder freigelegt. „Alle Jünger begannen freudig und mit lauter Stimme Gott zu loben wegen all der Wundertaten, die sie erlebt hatten“. Diese Wundertaten haben im Menschen den Glauben an die alten Verheißungen wieder erweckt, haben die Sehnsucht nach Gottes Reich in Frieden und Gerechtigkeit wieder freigelegt, eine Sehnsucht, die angesichts gesellschaftlicher Unterdrückung und großer Ungerechtigkeiten und angesichts religiöser Ausgrenzungen und angstmachender Gottesbilder längst in Resignation umgeschlagen war.


3. Und dann kam Jesus mit seiner Botschaft eines Gottesreiches, in dem Barmherzigkeit gilt, wie am Beispiel des verlorenen Sohnes gezeigt, in dem es keine religiösen Ausgrenzungen mehr gibt, wie am Beispiel der Heilung des Aussätzigen, in dem es Freude gibt und keine Sorgen, wie bei der Hochzeit zu Kana, in dem wieder die Gerechtigkeit Einzug hält, wie bei der Bekehrung des Oberzöllners Zachäus aufgezeigt, in dem die Kranken Hoffnung schöpfen, die Sünder Vergebung erfahren ohne aufwendiges Bußsystem, ein Reich Gottes, in dem man miteinander teilt und Menschen selig sind, die Frieden stiften und barmherzig sind. Wer wollte nicht in so einem Reich Gottes leben? Eine uralte Verheißung, an die kaum noch jemand zu glauben vermochte, wurde mit Jesus wieder lebendig. Die Sehnsucht wurde wieder freigelegt und mit Hoffnung erfüllt.


4. Aber sie jubelten ihm zum letzten Mal zu. Denn dann kam der Karfreitag. Nichts war es mit dem Reich Gottes. Wieder hat das Böse über das Gute gesiegt. Wieder waren Hass und Gewalt stärker als Liebe und Frieden. Alle Hoffnung und jede Sehnsucht waren zerschmettert. Sogar seine Jünger, seine engsten Vertrauten, flohen und waren verschwunden. Übrigens eine Erfahrung, die Menschen zu allen Zeiten machen, in ihrem persönlichen Bereich wie auch im großen Bereich des Politischen und Gesellschaftlichen. Wieviel Hoffnung wird immer wieder zerstört, wie viele Sehnsüchte zerschmettert. Was hatten wir für Hoffnung, als 1989 der Eiserne Vorhang fiel und die Blöcke sich auflösten! Frieden schien nach den Jahren des Kalten Krieges greifbar nahe. Und jetzt? Der Karfreitag muss nicht erfunden werden, er gehört zu unserem Leben. Aber darüber müssen wir jetzt nicht nachdenken. Den Karfreitag werden wir in fünf Tagen versuchen, durchzubuchstabieren.


5. Jetzt ist Palmsonntag. Noch einmal werden im Menschen die alten Sehnsüchte nach einer neuen Welt und anderen Welt geweckt. Gott ist es, der in Jesus Christus die verschütteten Sehnsüchte und Hoffnungen wieder zum Klingen gebracht hat. (Evtl. „Hosanna“ aus „Jesus Christ Super Star“ einblenden). Ja, es kommt etwas zum Klingen.


6. Auch in uns kam von Christus her etwas ins Schwingen und zum Klingen. Er hat in uns Glaube und Hoffnung erweckt. Seine Botschaft hat auch unsere Sehnsucht berührt. Es zeigt sich, dass Gott und Mensch zusammengehören. Es zeigt uns, dass wir wie eine Glocke sind, die darauf wartet, dass sie zum Klingen gebracht wird. Gott hat uns zum Klingen gebracht. Palmsonntag ist das Fest unserer Hoffnungen uns Sehnsüchte, unseres Vertrauens und Glaubens. Die Frage ist nur: Sind Vertrauen, Glaube, Hoffnung stark genug? Wir müssen wohl den Karfreitag abwarten.

Franz Langstein

  •  
  •  
  •  
 

Kontakt

Katholisches Pfarramt

St. Johannes Evangelist


Ritterstraße 12
35037 Marburg

Tel. 06421-91390

Fax: 06421-913914

Pfarrbüro - Öffnungszeiten

Montag - Freitag: 8.00 - 12.00 Uhr


Montag, Mittwoch & Donnerstag:

13.30 - 17.30 Uhr



 

Gottesdienste

Samstag 17.30 h Vorabendmesse alle 2. Wochen in St. Jakobus, Wenkbach
Sonntag 11.00 h Heilige Messe
Sonntag 11.00 h Kinderwortgottesdienst im Kirchensälchen, am 2. und 4. Sonntag im Monat
Freitag 18.00 h Beichtgelegenheit
Freitag 18.30 h Heilige Messe