06.02.2022

Predigten am 5. Sonntag im Jahreskreis C22

Lk 5,1-11

Liebe Schwestern und Brüder!

1. Was für eine verrückte Geschichte über die Berufung der ersten Jünger. Erfahrene Fischer, die eine ganze Nacht nichts gefangen haben; dann doch noch mal bei Tag hinausfahren. Und die Netze sind voll. Daraufhin lassen sie alles liegen und folgen Jesus nach. Eine Geschichte voller Ereignisse, aber kurz und knapp erzählt, auf das Wesentliche fokussiert. Es lohnt sich daher, die Geschichte zu nehmen, um über Berufung nachzudenken. Haben auch wir eine Berufung? Wenn ja, wozu? Und: wie sieht sie aus und lebe ich dann meine Berufung?


2. Ich werde ja hin und wieder gefragt: „Wieso sind Sie eigentlich Pfarrer geworden?“ Ich antworte dann zunächst mit den äußerlichen Aspekten meiner Berufswahl: Ich entstamme einer gut katholischen Familie, war Ministranten, später Organist in verschiedenen Kirchen in Kassel, war aktiv in der katholischen Jugendarbeit usw. Mir war die Kirche Heimat, und ich war von der christlichen Botschaft überzeugt und hielt sie für bedeutsam für das Leben der Menschen. Das wollte ich gerne weitergeben. Das sind die äußeren Aspekte. Ist das schon Berufung?


3. Ich denke, wir müssen dabei auf die inneren Aspekte schauen. Denn innerlich spielt sich etwas ab, was sich bei jedem – glaube ich – abspielt und wo wir schon eher an das rühren, was wir „Berufung“ nennen. Jeder Mensch kommt doch mal in ein Alter, wo in ihm – mehr oder weniger reflexiv – die Sehnsucht oder der Wunsch hochsteigt, ein sinnvolles und erfüllendes Leben zu führen. Irgendwann fragt man sich: Wie kann mein Leben Bedeutung gewinnen? Wie kann ich Sinn finden? Diese Sehnsucht und dies Frage ist wohl ein starker Motor, der einen Menschen dazu drängt, sich zu fragen, welchen Beruf soll ich wählen? Was gibt meinem Leben Sinn und Bedeutung? Das heißt: Hinter der Frage, was ich später mal machen werde und welchen Beruf ich ergreifen möchte, steht der Wunsch nach Sinn und Bedeutung des eigenen Lebens. Dieser Wunsch nach Sinn und Bedeutung wird oft erfahren als Anspruch, als Anfrage, als Imperativ; wird also erfahren als von außen an mich gestellt, so als ob mich jemand berufen würde, ja, religiös gesprochen: als göttliche Berufung.


4. Wir halten also erst einmal fest: Es geht bei dem Thema „Berufung“ eigentlich nicht zuerst um einen bestimmten Beruf, sondern um eine Verwirklichung von etwas, was tief in mir drin ist, nämlich der Wunsch und die Sehnsucht, ein sinnvolles und erfüllendes Leben zu führen, dem Leben Sinn und Bedeutung geben. Und diesen Wunsch erfahre ich oft als Anfrage einer höheren Wirklichkeit, göttlicher Wirklichkeit. Ein Beispiel: Vor einigen Jahren kam spät abends, es war wohl schon fast 20.00 Uhr, ein Paketbote. Ich hatte schon lange auf das Paket gewartet und war froh, dass es doch noch kam. Ich sprach den Paketboten an: „Na, Sie müssen aber heute lange arbeiten.“ „Ja, ist viel los. Das ist nur mit Überstunden zu schaffen.“ „Ja, ich weiß, wie man mit Ihnen umspringt“, sagte ich. „Und dass Sie dabei unverschämt wenig Geld verdienen“. „Ja“, sagte er, „aber was will man machen, ich brauche das Geld.“ Ich sagte dann zu ihm: „Aber sehen Sie es doch auch einmal so: Ich finde es nicht gut, dass Sie heute Abend noch arbeiten müssen. Aber Sie machen mir eine große Freude. Ich habe lange auf das Paket gewartet. Und Sie werden bestimmt heute noch anderen eine große Freude gemacht“. Er schaute mich dann etwas merkwürdig an und ging. Ich wollte damit sagen: Berufung ist nicht unbedingt, dass er Paketbote ist. Aber auch als Paketbote hat er eine Berufung: den Menschen Freude zu bereiten. Leider danken es ihm die Menschen nicht immer. Nicht, was man macht, sondern wie man es macht, ist göttliche Erkenne ich, in dem was ich mache, einen tieferen Sinn, oder geht es nur ums Geldverdienen?


5. Und jetzt schauen wir noch mal auf das Evangelium: Die Jünger haben die ganze Nacht nichts gefangen. Sie waren vom Beruf Fischer. Dann kommt der Ruf von außen: „Macht es nochmal. Fahrt nochmal raus“. Sie hören auf diesen Ruf von außen, folgen also der Berufung: Und plötzlich ist das Netz voll. Hier wieder: Nicht, was man macht, sondern wie man es macht. Erkenne ich in dem, was ich mache, einen tieferen Sinn, eine Berufung, oder geht es nur um die Erfüllung eines traditionellen Berufes, wie das Fischerdasein am See Genezareth.


6. Und nun erkannten die Jünger, dass sie selbst in ihrem Beruf als Fischer eine tiefere Bedeutung, einen tieferen Sinn, eine göttliche Berufung haben. Petrus ist so überwältigt davon, dass Gott in seinem Leben offensichtlich eine Berufung hineingelegt hat, wie in unser aller Leben, dass er vor Jesus niederfällt und sagt: „Herr, geh weg von mir; ich bin ein Sünder.“


7. Und das ist etwas ganz Wichtiges: Petrus mochte nicht glauben, dass in seinem Leben als Fischer, in einem Beruf, der seit Generationen ausgeführt wird, irgendeine göttliche Berufung vorkommt, ein göttlicher Anspruch. Berufen sind allenfalls Propheten, Priester usw. Aber ein einfacher Fischer? Wir dürfen das gleiche von uns auch sagen: Auch wir tragen in uns eine göttliche Berufung, nicht so sehr, in dem, was wir machen, sondern wie wir es machen. Unser Leben trägt in sich eine tiefe Bedeutung, eine Berufung. Theologisch müssten wir sagen: Wir sind berufen, zur Menschwerdung, zur größeren Verwirklichung des Menschseins, oder, wie man auch sagen kann: Wir sind berufen zur Heiligkeit. Das ist unsere Berufung, egal was wir beruflich machen.

Franz Langstein

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