02.01.2022

Predigt am 2. Sonntag nach Weihnachten C22

Joh 1,1-18

Liebe Schwestern und Brüder!

1. Wie ein Echo wird uns heute am 2. Sonntag der Weihnachtszeit nochmals das Evangelium vom Weihnachtsfest in Erinnerung gerufen, so, als dürfe eben dieses Evangelium nicht einfach verhallen, sondern müsste widerhallen im Raum der Herzen und im Raum unseres Lebens. Und wenn ein Evangelium nicht einfach verhallen darf, dann muss es ein wichtiges Evangelium sein, wirklich Eu-Angelion = Froh-Botschaft. Und wenn es wirklich Frohe Botschaft ist, dann muss diese Botschaft unbedingt etwas mit uns zu tun haben. Was also soll uns hier unbedingt etwas angehen? Was sollten wir niemals vergessen? Wie könnte dies also eine frohe Botschaft für uns sein?


2. Wissen Sie, an welchem Satz dieses Evangeliums ich immer wieder mal hängen bleibe? Es ist die kurze und knappe Behauptung: „Niemand hat Gott je gesehen“. Das ist nur schwer auszuhalten. Schon früh in der Geschichte ahnten, glaubten oder wussten die Menschen, dass es eine jenseitige Wirklichkeit gibt, eine göttliche Wirklichkeit. Und sie waren überzeugt davon, dass diese jenseitige Wirklichkeit, diese Götterwelt, etwas mit ihrem Leben zu tun hat, dass diese Götter Einfluss nehmen, sei es durch das Wetter, durch die Fruchtbarkeit des Landes und der Menschen usw. Wie kann man das dann aushalten, wenn man von einer jenseitigen Wirklichkeit glaubt, dass sie das Leben beeinflusst, wenn man diese Wirklichkeit nicht sehen kann? Also entstanden schon früh Abbildungen der göttlichen Wirklichkeit, Götterstatuen. In ihnen verehrte man die jenseitige Götterwelt. Natürlich lag die Verwechslung nahe, dass man die Abbilder nun selbst für Götter hielt. Und dann kam das Volk der Israeliten. Schon im ersten Gebot heißt es: „Du sollst dir kein Bild machen von Gott“. Das ist ein Ernstnehmen Gottes, tiefe Ehrfurcht vor Gott, den „niemand gesehen hat.“ Also auch ein Moses nicht, als er den brennenden Dornbusch sah. Er sah nur ein Gleichnis Gottes, einen Schatten Gottes, aber nicht Gottes Wesen selbst. Das Wesen Gottes ist verborgen. Das auszuhalten ist nicht leicht. Denn viele haben ihre Vorstellungen von Gott. Und manche halten diese ihre Vorstellung für die einzig wahre: So muss Gott sein. So entstehen Religionskriege, so entsteht religiöser Fundamentalismus. „Mach dir kein Bild von Gott“ oder „Niemand hat Gott je gesehen“, sollte die Menschheit genau davor bewahren. Das ist das erste: Dass auch wir diesen Satz „Niemand hat Gott je gesehen“, erst einmal aushalten müssen. Gott loslassen, ihn nicht gefangen nehmen in unseren Vorstellungen von Gott.


3. Nun aber geht der Satz ja weiter: „Niemand hat Gott je gesehen. Der Einzige, der Gott ist und am Herzen des Vaters ruht, er hat Kunde gebracht“. Der Einzige, der Gott ist: Also der, in dem Gott selbst anwesend ist, durch den Gott sich vollkommen authentisch ausspricht, der hat Kunde gebracht. Und zwar, weil er am Herzen des Vaters ruht, also weil er aus der Wesensmitte Gottes kommt, weil Gott in ihm sein innerstes Wesen kundtut, weil durch ihn Gott aus seiner Unsichtbarkeit und Verborgenheit heraustritt. Nicht wir Menschen machen uns also ein Bild von Gott, sondern Gott schafft sich ein Ebenbild auf Erden: „Er ist das Ebenbild des unsichtbaren Gottes“, so heißt es im Kolosserbrief.


4. Das heißt doch dann, dass sich diese jenseitige Wirklichkeit, an die Menschheit immer schon irgendwie glaubte oder sie erahnte, und immer schon auch glaubte, dass diese jenseitige Wirklichkeit den Menschen etwas angehe, sich nun dem Menschen mitgeteilt hat. Und dass diese Wirklichkeit Liebe ist, die mich tatsächlich etwas angeht, weil ich in dieser Liebe gemeint bin. Und dass sich Gott, der unsichtbare, nun geöffnet hat auf uns hin. Und was ist nun daran die frohe Botschaft? Wenn also Gott sich auf uns hin öffnet, und uns dadurch annimmt und aufnimmt in seine immer schon bestehende Liebesfülle, dann kommt unserem Leben eine Dimension zu, die eben „nicht aus dem Blut, nicht aus dem Willen des Fleisches, nicht aus dem Willen des Mannes“, also eben nicht rein biologisch und natürlich gegeben ist, sondern einer Geburt aus Gott entspricht, „sondern aus Gott geboren sind“. Hier sind wir wohl im Zentrum christlicher froher Botschaft: Indem das Wort, das immer schon im Vater war und immer schon im Vater gezeugt ist, heraustritt und uns annimmt, werden auch wir gezeugt durch den Vater. Neues Leben fließt uns zu.


5. Und warum merken wir davon so wenig? Die Welt ist doch die alte geblieben mit ihrem Hass, ihrer Sünde, ihrer Zufälligkeit und Schicksalhaftigkeit. Und wir sind auch die alten geblieben mit unseren Mühen und Sorgen, mit unseren Schmerzen und Nöten. Wundert es uns? War es denn bei Christus, dem Sohn Gottes, anders? Seine Mühen, seine Versuchungen, seine Ängste, sein Leiden am Ende? Nein, das Alte ist nicht weg. Und doch dürfen wir nicht vergessen, dass wir nicht nur aus dieser Erde geboren sind, sondern auch aus Gott. In uns schlummert schon das Ewige, die Herrlichkeit des Vaters, die Gotteskindschaft.

Franz Langstein

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