01.01.2022

Predigten an Neujahr 2022

Liebe Schwestern und Brüder!

1. Wenn wir am Beginn des neuen Jahres hier Gottesdienst feiern, ist man geneigt zu sagen: Wir erbitten im Gottesdienst den Segen Gottes für das neue Jahr, für unseren Weg durch das neue Jahr. Und dieses Anliegen ist durchaus richtig, und das Anliegen mehr als berechtigt. Sind wir doch auf den Segen Gottes angewiesen. Und dennoch kann der Satz in zweierlei Richtungen missverstanden werden. Einmal in die Richtung, dass man glaubt: Wenn ich den Segen Gottes habe, dann bin ich beschützt und behütet, dann kann mir nichts mehr passieren. Also so eine Art magisches Verständnis dessen, was Segen ist. Man erwartet vom Segen ETWAS: Schutz, Gesundheit… Ein anderes Missverständnis zeigte sich vor einigen Monaten einmal auf einer ökumenischen Konferenz, auf der einige Pfarrer erzählten, dass Eltern, die eine Taufe für ihr wünschen, diesen Wunsch oft damit begründen, dass sie sagen: Wir wollen doch, dass unser Kind gesegnet ist. Und diese Pfarrer sagten dann, dass Segen zu wenig sei für eine Taufe. Deshalb sollte man diese Kinder auch nicht taufen, sondern sie lediglich segnen. Ich bekam dabei heftige Bauchschmerzen, die mich veranlassten, Widerspruch gegen dieses Ansinnen anzumelden. Ich sagte ungefähr: „Wir können doch nicht erwarten, dass Eltern auf die Frage, wieso sie ihr Kind taufen lassen wollen, antworten: ‚Wir möchten, dass unser Kind aufgenommen wird in den vom Heiligen Geist durchtränkten Leib der Kirche und hineingenommen wird in die Lebensfülle des Dreifaltigen Gottes.‘ Aber es ist doch nicht auszuschließen, dass Eltern mit dem Satz, dass sie ihr Kind gesegnet wissen wollen, aber genau das damit meinen. Sie wollen das Beste für ihr Kind und somit den höchst möglichen Segen für den liebsten Menschen, den sie haben, nämlich ihr eigenes Kind. Und der höchst mögliche Segen ist die Teilhabe am Dreifaltigen Leben Gottes.“


2. Ich möchte diesen Gedanken aufgreifen, wenn wir heute sagen: Wir feiern den Gottesdienst und erbitten den Segen Gottes für das vor uns liegende Jahr. Wenn wir solcherart sprechen, dann sollte damit nichts Magisches gemeint sein, also: Wir erwarten vom Segen Gottes ETWAS, wie Gesundheit, Wohlstand, Frieden, Harmonie usw., sondern es sollte gemeint sein: Segen Gottes bedeutet die Erfahrung und das Vertrauen darin, dass wir in allem, was uns widerfährt, in Gottes Herzen unsren Platz haben, in seiner Liebe geborgen sind, in seiner Obhut uns befinden, kurz: Teilhaben am dreifaltigen Leben Gottes.


3. Was heißt das nun konkret? Konkret ist diese Art gar nicht so einfach. Es gibt nämlich im Laufe unseres Lebens immer wieder Ereignisse, und wir wissen nicht, dass sie in vor uns liegenden Jahr nicht auch uns treffen können, Ereignisse also, die uns zweifeln lassen, ob wir in Gottes Obhut sind, ob wir von ihm geliebt sind. Das können Leiderfahrungen sein, Schicksal, Erfahrungen von Sinnlosigkeit des Lebens, Erfahrungen, dass das eigene Leben eigentlich völlig unbedeutend ist, Erfahrungen von Ausgeliefertsein und Ohnmacht und auch Schulderfahrungen. Als das kann dazu beitragen, dass dem Menschen das Gefühl überkommt: Ich bin nicht von Gott geliebt. Ja noch mehr: Gott ist zornig auf mich. Ich habe wohl etwas falsch gemacht. Oder sogar: Gott, dich gibt es nicht, warum muss gerade ich so etwas Schlimmes erleben.


4. Und spätestens jetzt ahnen sie und spüren schon, was es heißt: „Wir erbitten den Segen Gottes für das vor uns liegende Jahr“. Es heißt: Wir mögen doch immer in dem Vertrauen und in der uns tragenden Gewissheit leben, dass wir einen Platz tief im Herzen Gottes haben. Es möge uns keine noch so schlimme Erfahrung vom Glauben an die Liebe Gottes trennen können. Es möge nie so weit kommen, dass es mir nicht mehr gelingt, mein eigenes Leben anzunehmen. Und wenn ich mal mein eigenes Leben, aus welchen Gründen auch immer, ich nicht mehr annehmen kann, so ich doch die Erfahrung machen kann, dass Gott mich annimmt, und ich aus dieser Erfahrung langsam lerne, mich auch wieder anzunehmen. Es möge nicht so weit kommen, dass ich mein Leben für unbedeutend, sinnlos oder verworfen annehme. Und wenn doch, dass ich doch die Erfahrung machen darf, wie bedeutend und angenommen mein Leben für Gott ist. Das heißt: „Segen erbitten“. Die Erfahrung der Teilhabe an der Liebe Gottes, seiner unerschütterlichen Treue, seiner Lebensfülle. Möge uns dieser Glaube und dieses Vertrauen niemals genommen werden.

Franz Langstein

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Freitag 18.30 h Heilige Messe