31.10.2021

Predigt am 31. Sonntag im Jahreskreis 2021

Mk 12,28b-34

Liebe Schwestern und Brüder!

1. Seit einigen Jahrzehnten hat sich in der Religionspädagogik, also in der Art und Weise, wie wir Kinder und Jugendliche mit den Inhalten des Christentums bekannt und vertraut machen möchten, ein enormer Wandel vollzogen. Das ist immer noch nicht bei allen angekommen. Wir spüren das in der Vorbereitung der Kinder auf die Erstkommunion und der Jugendlichen auf die Firmung. Worum geht es? Man kann das mit zwei Positionen beschreiben: Geht es darum, dass die Kinder und Jugendlichen christliche Inhalte lernen sollen, z.B. das Vaterunser, das Glaubensbekenntnis, die Zehn Gebote usw. oder geht es darum, dass die Kinder und Jugendlichen die Inhalte des Glaubens mehr innerlich, erlebnispädagogisch oder erfahrungsbezogen sich aneignen sollen? Die Verfechter des Auswendiglernens sind dann manchmal erstaunt, wie wenig die Kinder auswendig lernen sollen, und die Verfechter des erfahrungsbezogenen Lernens und des sich spielerischen Aneignens sind dann erstaunt, wie viel die Kinder dennoch lernen sollen. Es gilt hier, eine gute Balance zu finden.


2. Ich glaube, dass so eine ähnliche Situation dem heutigen Evangelium zugrunde liegen kann. Da kommt ein Schriftgelehrter, als ein Vertreter der religiös intellektuellen Elite, zu Jesus und fragt ihn, nach dem ersten Gebot von allem. Wichtig ist hierbei, genau auf den Text zu achten: Was ist das wichtigste Gebot von allem, nicht von allen. (πρώτη πάντων). Es geht also nicht darum, in einer Art Reihenfolge der Gebote zu unterscheiden zwischen dem Wichtigsten, dann dem Zweitwichtigsten, Drittwichtigsten usw. Vielmehr geht es um das wichtigste Gebot von allem, also es geht um grundlegendere Kategorie als die Gesamtheit der Gebote, gleichsam das, worauf alles andere, was über das Verhalten des Menschen gesagt werden kann, aufbaut. Um den Sinn des ganzen Regelwerks. Das Fundament von allem. Jesus antwortet mit dem Glaubensbekenntnis des Judentums, so wie wir es in der ersten Lesung hörten, dem sogenannten „Schema Israel“, dem „Höre Israel.“ Jesus fügt aber noch ein zweites hinzu, und hier sind wir jetzt beim christlichen Urgestein. Das Gebot, den Nächsten zu lieben, ist christliches Urgestein und von Beginn an mit der Zitation des einschlägigen Schriftbeleges verbunden. Paulus versteht die Nächstenliebe als Erfüllung des ganzen Gesetzes. Lukas erweitert das Gespräch Jesu mit einem Gelehrten um das Gleichnis vom barmherzigen Samariter. Damit ist für Jesus klar, was das Fundament aller Gebote ist und was das Fundament des Verhaltens der Menschen sein soll: die Gottes – und Nächstenliebe.


3. Nun, beide, der Schriftgelehrte und Jesus überhäufen sich jetzt mit Komplimenten: „Sehr gut, Meister, ganz richtig hast du gesagt, Er allein ist der Herr und es gibt keinen anderen außer ihm… und den Nächsten zu lieben wie sich selbst“. Und dann heißt es: „Jesus sah, dass er mit Verständnis geantwortet hatte und sagte zu ihm: Du bist nicht fern vom Reich Gottes“. Und da sind wir wieder am Anfang. Worauf kommt es an? Auswendige lernen, religiöses Wissen zu besitzen? Oder die Botschaft so erfahren, dass sie ein Leben prägt? Verstand oder Herz? Beides sagt Jesus: „Mit ganzem Herzen und ganzer Seele, mit all deinen Gedanken und all deiner Kraft.“ Aber offensichtlich sind Menschen mit überaus großem Verstandeswissen, wie der Schriftgelehrte, gefährdeter als andere. Mit diesem Satz will Jesus wohl den Schriftgelehrten daran erinnern: Ja, es ist gut, wenn du das weißt. Aber Wissen allein reicht nicht. Wissen allein macht noch nicht das Reich Gottes, sondern das Handeln. Das Tun. Das Umsetzen des Wissens. Und zwar mit allen Kräften: „Mit deinem ganzen Herzen und ganzer Seele und mit all deinen Gedanken“. Also mit deinen empathischen, also mitfühlenden Kräften als auch mit deinen kognitiven Kräften. Herz und Verstand. Erst dann verwirklichst du ein Stück Reich Gottes in deiner Umgebung.

Franz Langstein

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