30.05.2021

Predigt am Dreifaltigkeitssonntag 2021

Liebe Schwestern und Brüder!

1. Irgendwann erschien auf Erden ein Lebewesen, dem das rein Biologische und Irdische nicht mehr genügte. Dieses Lebewesen hatte Ahnungen von Jenseitigem, von Gottheiten, Göttern, Absolutem, Unbedingtem. Und er machte Erfahrungen mit dem Göttlichen. Und diese Erfahrungen will er ins Wort bringen, benennen. So macht er sich Namen und Bilder von den Gottheiten und Göttern, die nun freilich weniger das Göttliche selbst ausdrücken als eben die Erfahrungen, die der Mensch mit dem Göttlichen machen. Viele Jahrtausende später durchschauten die Menschen, dass Ihre Bilder von Gott gar nicht das Göttliche abbilden, sondern menschliche Erfahrungen mit dem Göttlichen abbilden. Im Psalm 135 heißt es: „ Die Götzen der Völker sind nur Silber und Gold, Machwerk von Menschenhand. Sie haben einen Mund und reden nicht, sie haben Augen und sehen nicht, sie haben Ohren und hören nicht, auch ist kein Atem in ihrem Mund.“ Bilder drücken mehr Menschliches als Göttliches aus. Da kommt das Bilderverbot. „Mach dir kein Bild von Gott“. Also macht man sich keine Bilder mehr, denn jedes Bild ist kein Bild von Gott, sondern ein Bild deiner Erfahrungen mit Gott. Also spricht man über die Erfahrungen. Die erste Lesung aus dem Buch Deuteronomium ist ein wunderschönes Beispiel solcher Erzählung: „Hat sich je etwas so Großes ereignet wie dieses und hat man je solches gehört? Hat je ein Volk mitten aus dem Feuer die donnernde Stimme eines Gottes reden gehört, wie du sie gehört hast, und ist am Leben geblieben? Oder hat je ein Gott es ebenso versucht, zu einer Nation zu kommen und sie sich mitten aus einer anderen herauszuholen unter Prüfungen, unter Zeichen, Wundern und Krieg, mit starker Hand und hoch erhobenem Arm und unter großen Schrecken, wie alles, was der HERR, euer Gott, in Ägypten mit euch getan hat, vor deinen Augen?“


2. Wenn wir heute den Dreifaltigkeitssonntag feiern und Gott benennen als den Dreifaltigen, als Vater, Sohn und Heiliger Geist, dann ist diese Rede auch eine Rede der Erfahrungen der Menschen mit Gott, kein Bild von Gott. Jesus selbst hat Gott als seinen Vater erfahren. Später haben die Menschen die Erfahrung Gottes als Vater mit dem Schöpfergott in Verbindung gebracht: „Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde“. Es ist die fundamentale Erfahrung des Geschaffenseins, des sich Verdankens. Wer Jesus war – darüber haben schon die neutestamentlichen Autoren nachgedacht. Und sie haben in Christus Gott selbst erfahren. Sie haben gespürt, dass in Jesus nicht einfach nur ein guter Mensch auf Erden lebte, sondern dass in ihm Göttliches, ja Gott selbst gegenwärtig war. Jesus hatte eine Wesensverwandtschaft mit Gott. So fand man den Begriff „Sohn“ für diese Wesensverwandtschaft. Dieser Begriff drückt genau die Erfahrung aus: In Christus ist Gott selbst zu uns gekommen. Gott, der in Christus nicht nur Gegenwärtige, sondern der, weil er gegenwärtig ist, Himmel und Erde, Gott und Mensch, miteinander verbunden hat. Die fundamentale Erfahrung, dass Gott Versöhnung, wir sagen auch „Erlösung“ bewirkt hat. Und die biblischen Autoren berichten uns von einem wirkmächtigen Gott, von einer Kraft, die von Gott ausgeht, von einem Geist, der etwas bewirkt. Paulus wird nicht müde, immer wieder von diesem wirkmächtigen Gott zu reden. Gott, der zur Vollendung drängt, zur Heiligung drängt, zum Guten, zur Verwandlung. Diese Erfahrung eines wirkmächtigen Gottes fand dann seinen Niederschlag in der Bezeichnung: Gott ist Heiliger Geist.


3. Es geht also um drei fundamentalste Erfahrungen des Menschen mit Gott: Gott ist Schöpfer, Gott ist Erlöser oder Versöhner, Gott ist Vollender. Oder man kann auch sagen, es geht um unseren Glauben: Gott schafft, er belebt uns mit der Fülle des Göttlichen und er stärkt uns und verwandelt uns zur Heiligkeit hin. An diesen Gott glauben wir. Diesen Gott haben viele Menschen so erfahren. Sie trauen Gott das zu, dass er schafft, belebt und vollendet. Es ist ein großes Zutrauen. Denn nur Gott allein kann an uns so handeln: Schaffen, versöhnen mit Gott und vollenden. Gott allein ist der so an uns Handelnde. Er hat die Initiative des Heils. Und diesen Glauben, dieses Zutrauen, diese fundamentalen Erfahrungen drücken wir aus mit „Gott ist Vater, Sohn, Heiliger Geist.“


4. Aber wir trauen nicht nur Gott alles zu, wir trauen auch unserem Glauben alles zu. Wir sagen, dass unsere fundamentalen Erfahrungen mit Gott, dieser Glaube an Gott als den Vater, Sohn und Heiligen Geist, nicht nur einfach subjektive Erfahrungen sind, sondern wir trauen unsrem Glauben zu, dass wir sagen: Dass dieser eine Gott, der sich uns als Schöpfer, Erlöser und Vollender gezeigt hat, tatsächlich auch an sich selber dreifaltig ist. Wir täuschen uns nicht mit unserem Glauben. Unser Glaube drückt nicht einfach subjektive Erfahrungen aus, sondern unser Glaube drückt aus, wie Gott sich selber an uns gezeigt hat. Wir vertrauen auch unseren Glauben, dass er Gott als den Dreifaltigen richtig erkannt hat, weil sich Gott als Schöpfer, Erlöser und Vollender gezeigt hat.

Franz Langstein

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