26.12.2021

Predigt am Fest des Apostels und Evangelisten Johannes 2021

Joh 20,2-8

Liebe Schwestern und Brüder!

1. Es wirkt schon etwas ungewohnt, wenn wir jetzt, noch ganz beeinflusst von Weihnachten, plötzlich ein österliches Evangelium hören, also im Dezember ein Evangelium hören, das wir eigentlich gewohnt sind, im Frühling zu hören. Aber es wird einen Grund haben. Ich denke, dass in diesem Evangelium sehr deutlich wird, was die Theologie und der Glaube des Evangelisten Johannes ausdrücken will. Also: Was will uns der für unseren Glauben sagen, dessen Namen diese Kirche trägt, Johannes Evangelist?


2. Das Evangelium, das wir hörten, ist ja nur ein Teil des österlichen Evangeliums des Evangelisten Johannes. Nach der Auferstehung begegnet Jesus zuerst Maria Magdalena. Diese eilt zu den Jüngern und erzählt davon. Sie glaubt, man habe den Herrn aus dem Grab gestohlen. „Man hat den Herrn aus dem Grab weggenommen, und wir wissen nicht, wohin man ihn gelegt hat.“ Halten wir mal fest: Maria Magdalena fand ein leeres Grab vor und vermutete einen Diebstahl des Leichnams. An die Auferstehung glaubte sie nicht, wie auch. Von dieser Nachricht der Maria Magdalene betroffen, eilten der „Jünger, den Jesus liebte“ und Petrus zum Grab. Der Jünger, den Jesus liebte, kam zuerst zum Grab, ließ aber den Petrus den Vorrang. Anschließend ging auch der andere Jünger hinein. Und nun schildert Johannes, der Evangelist, eigentlich sehr ausführlich eine scheinbare Nebensache „Er sah die Leinenbinden liegen und das Schweißtuch das auf dem Kopf Jesu gelegen hatte; es lag aber nicht bei den Leinenbinden, sondern zusammengebunden daneben an einer besonderen Stelle“. Alles schön aufgeräumt und zusammengefaltet. Es war sofort klar: Das ist kein Diebstahl eines Leichnams gewesen, sonst hätte hier wohl alles durcheinander gelegen. Petrus scheint das nicht zu erfassen. Aber der andere Jünger, der Jesus den Vorrang ließ: „Da ging auch der andere Jünger, der zuerst an das Grab gekommen war, hinein; er sah und glaubte.


3. Dann im weiteren Verlauf berichtet uns Johannes der Evangelist, dass Maria Magdalena vor dem Grab stand und weinte. Jesus näherte sich ihr. Sie aber glaubte, es sei der Gärtner. Jesus aber offenbart sich ihr als der Auferstandene. Da glaubt nun auch Maria Magdalena, dass der Herr auferstanden ist. Und dann folgt noch die schöne Erzählung vom sogenannten ungläubigen Thomas. Jesus war den Jüngern erschienen. Sie erzählten es dem Thomas, der bei dieser Erscheinung nicht dabei war. Dieser wollte nicht glauben. Er will das selbst sehen: „Wenn ich an seinen Händen nicht das Mal der Nägel sehe und meinen Finger nicht in das Mal der Nägel lege und meine Hand an seine Seite lege, glaube ich nicht“. Acht Tage später ist Thomas dabei, als Jesus wieder erschien. Nun kommt er zum Glauben und Jesus tadelt ihn: „Du glaubst, weil du gesehen hast. Selig ist, wer nicht sieht und doch glaubt“. Nicht sehen und doch glauben: Das ist die österliche Botschaft des Evangelisten Johannes. Wer von denen genannten Personen hat dieser Botschaft genüge geleistet? Maria von Magdalene? Sie hat das leere Grab zuerst gesehen und gemeint, Jesus sei gestohlen worden. Später kam sie zum Glauben, als der Auferstandene ihr begegnete, ähnlich wie bei Thomas. Petrus, der zuerst in das Grab ging, das leere Grab sah, aber nicht zum Glauben kam? Oder war es der Jünger, den Jesus liebte, der die Binden Jesu und das Schweißtuch Jesu sorgfältig zusammengefaltet im Grab liegen sah und sofort daraus schloss, dass es kein Diebstahl war? Johannes gibt selbst die Antwort: „Da ging auch der andere Jünger, der zuerst an das Grab gekommen war, hinein. Er sah und glaubte“. Eigentlich sah dieser Jünger gar nichts, nur ein paar Klamotten, die sorgfältig im Grab lagen. Deshalb schließt dieser österliche Zyklus im Johannes-Evangelium mit dem Satz: „Selig, die nicht sehen und doch glauben.“


4. „Nicht sehen und doch glauben“ aber bedeutet: Vertrauen haben. Nicht alles wissen können, nicht alles haben wollen, nicht alles beweisen können, nicht alles wollen, das ist uns im christlichen Glauben zugemutet. Und da schließt sich dann der Kreis. Was sehen wir denn an Weihnachten? Ein Kind in der Krippe. So menschlich, dass der Engel den Hirten sagt: „Ihr werdet ein Kind finden, das in Windeln gewickelt, in einer Krippe liegt.“ In Windeln gewickelt – was soll daran göttlich sein? Ganz ähnlich: Das Schweißtuch Jesu und die Leinenbinden im leeren Grab – wie sollen wir daran das göttliche Eingreifen erkennen? Das ist uns zugemutet in unserem Glauben, manchmal bis zum Irrewerden. Wer hätten auch gern mehr als Windeln und Leinenbinden und Schweißtücher. Das ist die Theologie unseres Kirchenpatrons: Habt Vertrauen.

Franz Langstein

  •  
  •  
  •  
 

Kontakt

Katholisches Pfarramt

St. Johannes Evangelist


Ritterstraße 12
35037 Marburg

Tel. 06421-91390

Fax: 06421-913914

Pfarrbüro - Öffnungszeiten

Montag - Freitag: 8.00 - 12.00 Uhr


Montag, Mittwoch & Donnerstag:

13.30 - 17.30 Uhr



 

Gottesdienste

Samstag 17.30 h Vorabendmesse alle 2. Wochen in St. Jakobus, Wenkbach
Sonntag 11.00 h Heilige Messe
Sonntag 11.00 h Kinderwortgottesdienst im Kirchensälchen, am 2. und 4. Sonntag im Monat
Freitag 18.00 h Beichtgelegenheit
Freitag 18.30 h Heilige Messe