25.12.2021

Predigten an Neujahr 2021

Liebe Schwestern und Brüder!

1. Eine etwas andere Weihnachtsgeschichte:


2. Da ist inmitten eines unvorstellbar großen Universums, dessen Licht von einem Ende bis zum anderen, insofern man überhaupt vom Ende reden kann, schätzungsweise 40 Milliarden Jahre unterwegs ist, also da ist inmitten dieses Universums eine Galaxie, eine unter hunderten Milliarden. Und darin befinden sich etwa 200 Milliarden Sterne. Einer davon ist am Rande eines der Spiralarme der Galaxie angesiedelt. Dieser Stern hat – übrigens wie viele andere auch – Planeten ausgebildet. Insgesamt acht Planeten. Einer von ihnen ist belebt und bewohnt. Die Menschen, die auf diesem Planeten wohnen, haben der Galaxie, der sie angehören, den Namen „Milchstraße“ gegeben und dem Stern, der sie mit Wärme und Licht versorgt, haben sie den Namen „Sonne“ gegeben und den Planeten, auf dem sie wohnen, haben sie den Namen „Erde“ gegeben.


3. Das Leben hat zumindest auf diesem Planeten eine Heimat gefunden. Das Leben, das dort vor drei bis vier Milliarden Jahren eine Heimat fand, entwickelte sich. Unvorstellbarer Reichtum der verschiedensten Arten und Unterarten. Irgendwann tauchte ein Lebewesen auf, das sich selbst „Mensch“ nannte. Vor vielleicht 400.000 Jahren?


4. Aber dieses Wesen hatte eine seltsame Eigenschaft: Es konnte über sich hinausdenken. Es vermochte außerhalb der naturhaften Wirklichkeit eine andere Wirklichkeit anzurufen: Götter, Gottheiten, Göttliches Geheimnis, Gott. Egal, wie immer sie diese andere Wirklichkeit benannt haben mochten. Und sie hatten Furcht und Ehrfurcht vor dieser anderen Wirklichkeit, denn sie war ihnen fremd.


5. Wie war das möglich? Wollte Gott so lange gewartet haben, bis irgendwo in einem Winkel des Universums jemand ihn anruft, jemand ihn herbeisehnt, jemand ihn herbeiwünscht? Hat Gott womöglich die Suche nach ihm in das Leben hineingelegt, so dass alles, was sich entwickelt, ein Aufbruch zu Gott hin ist, dem Ursprung?


6. Und jetzt mal ganz menschlich gesprochen? Was wäre, wenn tatsächlich nach so langer Zeit ein Wesen beginnt, Gott zu denken, zu ahnen, zu glauben, anzurufen, anzubeten, zu verehren? Was würde das mit Gott machten? Würde er nicht sofort herbeieilen und diesem Wesen sagen: „Hier bin ich, du hast mich gerufen und ersehnt“? Würde es nicht das Herz Gottes treffen, wenn endlich das Leben nach ihm fragt? Und würde er nicht sofort beginnen wollen, unter den Menschen wohnen zu wollen? Freilich so, dass diese es fassen können. Langsam, nicht zu schnell, nicht übergriffig, nicht überrumpeln. Langsam, wie der Mensch es fasst. Aber irgendwann, wenn es so weit wäre, selbst wenn es Tausende von Jahren dauern sollte, würde er ganz bei dem Menschen wohnen wollen. Wie ein Mensch unter Menschen. Und er würde ihnen dann seine Liebe zeigen. Und sein Glück darüber, dass er gerufen und ersehnt wurde.


7. Ja, Gott würde auf den Ruf des Menschen eine passende Antwort finden, der er sich vielleicht von Ewigkeit ausgedacht hatte. Sein Wort würde nicht einfach hörbar sein, sondern sichtbar: „Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt, und wir haben seine Herrlichkeit gesehen, die Herrlichkeit des einzigen Sohnes vom Vater“. Das Glück Gottes wäre perfekt, wie bei einer Vermählung, einer Hochzeit, einem Bundesschluss. Das Glück Gottes ist es, endlich bei den Menschen zu wohnen. Aber diese Sehnsucht, dieser Zug zu den Menschen, diese Liebe, hat sie Gott blind gemacht, so wie Liebe oft blind macht? Hat Gott, ganz menschlich gesprochen, in seiner Liebe übersehen, dass die Menschen ganz andere Vorstellungen von ihm hatten und dass seine Anwesenheit so nicht gemeint war? „Er kam in sein Eigentum, aber die Seinen nahmen ihn nicht auf“.


8. Aber er ließ sich nicht beirren. Er blieb. Er blieb, bis zum bitteren Tod. Nein, er blieb sogar darüber hinaus, kraft seines Geistes. „Und allen, die ihn aufnahmen, gab er Macht, Kinder Gottes zu werden, allen, die an seinen Namen glauben, die nicht aus dem Blut, nichts aus dem Willen des Fleisches, nicht aus dem Willen des Mannes, sondern aus Gott geboren sind“. Die Gegenwart Gottes gleicht einer Neugeburt des Menschen.


9. Nun hat auf diesem kleinen Planeten Erde, irgendwo am Rande eines Spiralarmes einer Galaxie namens Milchstraße, nicht nur das Leben eine Heimat gefunden, sondern auch die Liebe und somit auch Gott, insofern Gott im Herzen der Menschen Raum hat.

Franz Langstein

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