22.08.2021

Predigt am Beginn der Pilgerwanderung mit den Neugefirmten

Jos 24,1-2a.15-17.18b; Joh 6,60-69

Liebe Schwestern und Brüder!

1. Heute beginnt unsere Pilgerwanderung auf die Ihr euch, und auch wir Betreuer, uns schon lange gefreut haben, zumal diese ja hätte im letzten Jahr stattfinden sollen, aber aus bekannten Gründen verschoben werden musste. Wir freuen uns auch, dass so viele von Euch mitpilgern.


2. Der Brauch des Pilgerns ist in allen Religionen verbreitet. Denn das Pilgern, d.h. einen bestimmten Weg gehen, ist immer auch ein Abbild des eigenen Lebensweges. Das Pilgern führt die Menschen über Höhen und Tiefen, durch Anstrengungen und freudige Momente, durch „Keine Lust mehr haben und ich will nicht mehr und kann nicht mehr“ zu „jetzt erst recht“. Wie eben im echten Leben. Das Pilgern ist ein Abbild des Pilgerweges, der unser Lebensweg ist. Wir sind nämlich durchaus auch Pilger auf Erden. Und jede Pilgerwanderung kennt ein Ziel: Meist ein Heiligtum. So ist kennt unser Lebensweg auch ein Ziel: Gott selbst.


3. Das Pilgern ist also ein Abbild unseres Pilgerns als Lebensweg. Und ich will nur einen Aspekt aufgreifen beim Thema „Lebensweg“: Die Firmung. Wie hängt die Firmung mit Eurem Lebensweg zusammen? Die Firmung gehört zu den sieben Sakramenten der Kirche. Und wie alle Sakramente, so ist auch die Firmung an einem bestimmten wichtigen Punkt des Lebensweges angesiedelt. Die Sakramente wollen uns nämlich an wichtigen Punkten unsers Lebens eine Vergewisserung schenken. An welchen Punkt eures Lebensweges seid Ihr?


4. Nun, das wisst ihr selbst. Ihr seid nicht mehr Kinder, und Ihr seid auch noch nicht vollständig erwachsen. Aber ihr spürt ihn euch, dass ihr mehr und mehr erwachsen werdet. Erwachsen sein heißt: Ich übernehme die Verantwortung für mein Leben. Ihr merkt, dass in euch Überzeugungen herangewachsen sind, Ideen und Vorstellungen, wie ihr leben wollt, und dass es jetzt darum geht: Wie kann ich meine Überzeugungen auf meinem Lebensweg leben? Wie kann das, was mir immer mehr als wichtig im Leben erscheint, Gestalt gewinnen für mein künftiges Leben. Wie soll mein künftiges Leben aussehen, damit ich mit dem, was mir wichtig ist, glücklich werden kann. Und da seid ihr jetzt an einem Punkt, an dem zwar eure Eltern euch gute Ratschläge geben können, aber mehr auch nicht. Sie dürfen euch keinen Lebensweg vorschreiben, den müsst ihr jetzt selbst finden und gehen. Das heißt Erwachsen werden.


5. Und genau in dieser eurer Situation ist die Firmung angesiedelt. Sie will nämlich sagen: Was immer ihr für einen Lebensweg gehen werdet, ich, euer Gott, gehe ihn mit euch. Ihr geht ihn nicht allein. Deswegen habt ihr in der Firmung den Geist Gottes empfangen, von dem es heißt, dass er die Gaben gibt: Die Gabe des Rates, die Gabe der Einsicht, die Gabe der Klugheit. Gerade das braucht ihr jetzt an der Stelle, an der ihr auf eurem Lebensweg steht.

Und Firmung heißt auch: Gott geht euren Lebensweg mit euch in der Kraft seines Geistes. Und diese Kraft brauchen wir manchmal. Ihr habt das bestimmt auch schon gemerkt: Wenn man für bestimmte Überzeugungen eintreten möchte, wenn man das, was einem wichtig ist, weitersagen möchte, dann kann man da sehr schnell auf Widerspruch und Widerstand stoßen. Menschen mit festen Überzeugungen haben es nicht leicht. Jesus könnte ein Lied davon singen. Wir haben es heute im Evangelium gehört: Sie nahmen Anstoß an Jesus und verließen ihn. Aber genau darum geht es nämlich: Ein Leben ist dann glücklich, wenn das, wovon man überzeugt ist und was einem wichtig ist, auf dem Lebensweg Gestalt gewinnt, umgesetzt werden kann, wenn ich der sein kann, der ich gerne sein möchte.


6. Und jetzt kommt noch ein wichtiger Punkt: Ich sagte, dass ihr an einem Punkt eures Lebensweges angekommen seid, an dem sich Überzeugungen herausgeschält haben, an dem ihr merkt, was euch wichtig ist und für was ihr eintreten wollt. Aber nun sind Überzeugungen nicht gleich Überzeugungen. Es gibt gute Überzeugungen und schädliche Überzeugungen. Die Nazis waren auch überzeugt, aber das, wovon sie überzeugt waren, war sehr schlecht und böse. Man erkennt eine gute Überzeugung daran, dass sie guttut, euch guttut und den Menschen guttut. Gute Überzeugungen zu leben, führen zum Glück und zum Heil, und nicht ins Unheil. Oder christlich ausgedrückt: Jesus Christus ist gekommen, um uns zeigen, wofür zu leben es sich lohnt. Nämlich die Liebe Gottes die Menschen erfahren zu lassen, gerade denjenigen, die daran nicht mehr glauben konnten. Er ist der Maßstab des Lebens. Deshalb habt ihr an diesem wichtigen Punkt eures Lebens die Firmung empfangen als Vergewisserung und als Kraft, die Liebe zu leben. Der Geist Gottes, der Geist der Liebe, ist in euch. Bringt ihn mit seiner Kraft zur Geltung. Und das tun wir nicht allein. Dazu braucht es Gemeinschaft, dazu braucht es Menschen, die genauso vom Geist Gottes erfüllt sind. Dazu braucht es die Gemeinschaft der Kirche. Dem allen wollen wir auf unserer Pilgerwanderung mal nachgehen und nachspüren.

Franz Langstein

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