21.03.2021

Predigt am 5. Fastensonntag B21

Misereor-Sonntag

Liebe Schwestern und Brüder!

1. Vor längerer Zeit trafen sich ein paar Leute, um einen ökumenischen Gottesdienst vorzubereiten. Jemand aus dem Kreis stellte dann die Frage, die bei so was immer irgendwie unvermeidlich scheint: „Und welches Thema wollen wir dem Gottesdienst geben?“ Ich reagiere bei so was immer ein wenig ungehalten und habe zurückgefragt: „Wenn Sie auf einen Geburtstag eingeladen sind, werden Sie doch auch nicht fragen: Welches Thema hat der Geburtstag?“ Eine Feier hat kein Thema. Eine Feier hat einen Anlass. Und der ist der Geburtstag. Das gleiche gilt für die Gottesdienste: Sie sind vom Wesen her Feiern und keine Vorträge oder Veranstaltungen, denen man ein Thema geben müsste. Gottesdienste sind Feiern und haben deswegen einen Anlass, aber kein Thema. Und was ist der Anlass, der innerste Kern unserer gottesdienstlichen Feier? Unser Sonntagsgottesdienst ist die Gedächtnisfeier des Lebens, des Todes und der Auferstehung Jesu Christi, um die herum sich Gemeinde bildet. Das ist der Anlass; deswegen sind wir hier.


2. Nun aber gibt es – so scheint es – wohl doch Ausnahmen, wenn unsere Kirche an einigen wenigen Sonntagen tatsächlich ein Thema für den Gottesdienst hat, so wie heute: Misereor-Sonntag. Und dieser Sonntag steht unter der Überschrift: „Es geht anders!“ Also doch ein Thema? Auf den ersten Blick könnte man das meinen. Deshalb ist es gut, dass wir auf den innersten Kern einer Heiligen Messe schauen.


3. Wie schon gesagt, ist unsere Eucharistiefeier vom Wesen her ein Gedächtnismahl. „Tut dies zu meinem Gedächtnis“ hat Jesus seinen Jüngern geboten. Christliche Feiern sind also Artikulationen dieses Gedächtnisses. Was aber heißt „Gedächtnis“? Es gibt da ja verschiedene Formen:

· Johann Baptist Metz, der bedeutendste Vertreter einer politischen Theologie, also einer Theologie, die öffentlich wirksam sein will, hat auf Fehlformen des Gedächtnisses hingewiesen. Eine Art des Gedenkens ist die Sehnsucht nach der guten alten Zeit. Damals war alles besser. Selbst schlimmste Zeiten werden, wenn sie lange genug vorbei sind, verklärt. Kriegskameraden treffen sich an Stammtischen und schwärmten von ihren Erfahrungen im Schützengraben. Ja, damals gab es noch echte Kameradschaft. „Die Vergangenheit wird gefiltert durch ein Klischee der Harmlosigkeit; alles Gefährliche und Bedrängende, alles Herausfordernde an ihr ist verschwunden“. Die Vergangenheit wird nur noch verklärt gesehen.

· Eine andere Form der Erinnerungen erleben wir oft, wenn es darum geht, sich der Opfer der Nazidiktatur zu erinnern, wie am Volkstrauertag oder anderen Anlässen. Da kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass man die schreckliche Zeit zwar verurteilt, aber dass im Verurteilen man sich selbst erhaben dünkt: „So etwas kann mir nicht passieren.“. Indem man die Vergangenheit verurteilt, will man zeigen, dass man besser ist. Also auch hier eine Selbstberuhigung. Die Herausforderung wird nicht erkannt.


4. Ganz anders nun die Gedächtnisfeier Jesu Christi, die wir sonntags hier begehen. Es ist eine Gedächtnisfeier des Lebens und Sterbens und der Auferstehung Jesu. Dieser sonntäglichen Feier liegt vom Wesen her eine große Herausforderung zugrunde. Indem wir uns des Lebens Jesu erinnern, wird sein Leben für uns zur Richtschnur, zur Herausforderung, zum Stachel. Wir können nicht wirklich uns des Lebens Jesu erinnern, ohne tatsächlich diese Herausforderung zu spüren, die vom Leben Jesu an uns ergeht. Indem wir uns des Todes Jesu erinnern, wird die Erinnerung zu einer gefährlichen Erinnerung. Es gibt ein Engagement für Arme, Ausgegrenzte und es gibt ein Engagement gegen den Mainstream unserer Zeit, das gefährlich ist. Die Eucharistie als Gedächtnisfeier des Todes Jesu Christi macht das nur allzu deutlich. Und die Eucharistie ist Gedächtnisfeier der Auferstehung Jesu. Sie bestätigt das Leben Jesu, sie bestätigt die Liebe, sie gibt Hoffnung.


5. Wir sehen also, dass der Misereor-Sonntag mit dem Motto „Es geht anders!“ in Wahrheit kein Thema ist, sondern dass das Anliegen des Misereor-Sonntag, nämlich sich einzusetzen für eine bessere Welt, sich einzusetzen für Benachteiligte, zum Wesen des sonntäglichen Gedächtnismahles gehört. Es wird im Gedächtnismahl Jesus selbst unter uns lebendig, so, dass dies für uns zu einer Herausforderung wird, zum Stachel, zur gefährlichen Erinnerung. Lassen wir uns heute durch diese Feier immer neu dazu ermutigen. Misereor gehört zum Wesen der Eucharistie: „Es erbarmt mich“, so wie Christus sich unser erbarmt.

Franz Langstein

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Gottesdienste

Samstag 17.30 h Vorabendmesse alle 2. Wochen in St. Jakobus, Wenkbach
Sonntag 11.00 h Heilige Messe
Sonntag 11.00 h Kinderwortgottesdienst im Kirchensälchen, am 2. und 4. Sonntag im Monat (aktuell findet der Gottesdienst aufgrund von Corona nicht statt!).


(nicht während der hessischen Schulferien)
Dienstag 8.30 h immer der letzte Dienstag im Monat


Morgengebet mit anschließendem Frühstück im Kirchensälchen (aktuell findet der Gottesdienst aufgrund von Corona nicht statt!).
Donnerstag 9.45 h Heilige Messe im APH St. Elisabeth, Lahnstraße 8 (aktuell findet der Gottesdienst aufgrund von Corona nicht statt!).
Freitag 18.30 h Heilige Messe