19.12.2021

Predigt am 4. Advent Lesejahr C22

Lk 3,10-18

Liebe Schwestern und Brüder!

1. Mit dem heutigen vierten Advent rückt Maria in das Zentrum der adventlichen Evangelien, nachdem an den beiden vorigen Adventssonntagen Johannes der Täufer thematisiert wurde als adventliche Gestalt. Bei genauerer Betrachtung aber müssen wir zugeben, dass Maria schon den ganzen Advent über im Blickpunkt der Betrachtung ist. Als Beispiel mögen nur die vielen Adventslieder genannt sein, in den das Geheimnis Marias besungen wird: „Es ist ein Ros‘ entsprungen“; und wer die Rose ist, wird in der zweiten Strophe erklärt: „Es ist Maria, die Reine.“ Oder „Es kommt ein Schiff geladen, bis an sein‘ höchsten Bord, trägt Gottes Sohn voll Gnaden, des Vaters ewigs Wort“. Daraus ergibt sich, wer mit der Allegorie „Schiff“ gemeint ist, nämlich Maria, wie es dann auch in der letzten Strophe heißt: „Maria, Gottes Mutter, gelobet muss du sein“. Weitere Lieder sind: „Maria durch ein Dornwald ging“ oder „Komm, du Heiland, aller Welt, Sohn der Jungfrau, mach dich kund“. Auch so manches Brauchtum rankt sich um Maria, vor allem sei hier erwähnt der Brauch der Rorate-Messen, wie sie bis heute in katholischen Gebieten gefeiert werden als Marienmessen. Es scheint, als ahne man ein tiefes Geheimnis um unser Menschsein, das in Maria sichtbar wird und Gestalt annimmt. Was meine ich damit?


2. Das heutige Evangelium gibt da eine wunderbare Antwort. Es erzählt, dass Maria zu ihrer Verwandten Elisabeth eilt, in das „Bergland von Judäa“. Das klingt sehr abgeschieden. Und vielleicht spüren wir schon nach dieser Abgeschiedenheit eine gewisse Sehnsucht, gerade jetzt im Advent. Ist doch der Advent alles andere als abgeschieden, sondern voller Vorbereitungen auf Weihnachten, die manchmal in Stress ausarten. Ein gewaltiger Betrieb des Konsums, der Weihnachtsmärkte mit gefühlter Anwesenheitspflicht, des Nachdenkens darüber, wen man was schenken muss usw. Da entsteht schon mal eine Sehnsucht nach Abgeschiedenheit, nach Ruhe, nach innerer Einkehr, gerade jetzt vor Weihnachten. Spürt doch der Mensch tief innen, dass wir mit Weihnachten auf etwas zugehen, was eine ganz neue Sicht auf mein Leben werfen könnte. Vielleicht aber auch deshalb die Hektik, weil man diese Ahnung verdrängen möchte? Egal, wie auch immer.


3. Das heutige Evangelium berichtet von Maria, die in die Abgeschiedenheit des Berglandes von Judäa eilt. Dort kommt es zur Begegnung mit ihrer Verwandten Elisabeth. Und in dieser Abgeschiedenheit, dieser Ruhe, die die Sinne des Menschen schärft, seine Achtsamkeit und Aufmerksamkeit erhöht, spürt Elisabeth, dass sich ihr Kind im Mutterschoß bewegt, als Maria, die ihrerseits das göttliche Kind im Schoß trägt, das Haus betritt. „Da wurde Elisabeth vom Heiligen Geist erfüllt und rief mit lauter Stimme: Gesegnet bist du mehr als alle anderen Frauen, und gesegnet ist die Frucht deines Leibes. Wer bin ich, dass die Mutter meines Herrn zu mir kommt?“ Hier haben wir es: Elisabeth ahnt in der Stille ihres Daseins ein tiefes Geheimnis ihres Lebens: „Wer bin ich, dass die Mutter meines Herrn zu mir kommt?“ In diesem Satz haben wir den Grund katholischer Marienverehrung, und warum Maria gerade im Advent so verehrt wird. „Die Mutter meines Herrn“, sagt Elisabeth. Später wird man tollkühn sagen: „Mutter Gottes“.


4. In diesem Bild der Mutter Gottes oder Mutter des Herrn drückt sich eine tiefe Sehnsucht des Menschen aus: Es möge doch mein Leben geborgen sein in einer größeren Wirklichkeit, die Heil, Rettung und Liebe bedeutet. Es möge doch mein Leben von einer göttlichen Wirklichkeit geküsst und gesegnet sein, so dass ich doch sagen möchte: „Es ist doch alles gut und es ist gut um mein Leben bestellt“. Diese Sehnsucht hat der gläubige Mensch immer schon auf Maria verdichtet und die Erfüllung dieser Sehnsucht in Maria gesehen. Sie ist das Urbild des mit Gott vermählten Menschen. Das ist der Hauptgrund katholischer Marienverehrung. Nicht Maria als Vorbild, wie es heute moderne Pastoral versucht, um Maria irgendwie zu retten. Maria ist zuerst unser Urbild, das Bild eines Menschen, dem ein göttliches Geheimnis innewohnt. Und als solches ist Maria auch die Pforte, durch die Gott in die Welt eintritt und somit bei uns eintritt.


5. Deshalb ruft Elisabeth im Heiligen Geist aus und sagt: „Wer bin ich, dass die Mutter meines Herrn zu mir kommt?“ „Im Heiligen Geist“. Ja, der Geist Gottes offenbart uns, wer wir sind. Vielleicht finden wir in den restlichen Tagen des Advents noch ein wenig Abgeschiedenheit und Ruhe und können uns auch fragen: „Wer bin ich, dass durch Maria Gott in mein Leben eintritt und mich genauso mit sich vermählt, wie ich es im Urbild Maria erkennen kann?“ Ja, wer bin ich? Ein mit Gott vermählter Mensch. Das ist das tiefste Geheimnis meiner Existenz. Dies zu erahnen, braucht es mitunter Stille, Ruhe, Abgeschiedenheit, Achtsamkeit, Glauben und Vertrauen. Und die schönen Adventslieder künden uns von diesem Geheimnis.

Franz Langstein

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