18.04.2021

Predigt am 3. Sonntag der Osterzeit B2021

Requiem für die Coronatoten

Lk 24,35-48

Liebe Schwestern und Brüder!

1. Wir gedenken heute besonders der an Covid19 Verstorbenen und greifen damit ein Anliegen unseres Bundespräsidenten, Frank-Walter Steinmeier, auf. In Deutschland sind bisher 80.000 Menschen an Corona gestorben, weltweit sind es drei Millionen. Und genau das ist der tiefere Grund dieses Gedenkens: Wir hören täglich von diesen Zahlen: Inzidenzen, Neuerkrankungen, Todesfälle. Sehr schnell kann es passieren, dass es hier um Statistiken geht. Sehr schnell kann es passieren, dass man verlernt, dass hinter den Zahlen Menschen stehen, Leid steht, Auslöschen des Lebens, Qual und Trauer stehen. In diesem Zahlenwerk kann der Mensch vergessen werden.


2. Und es steht noch etwas anderes hinter den Zahlen, die wir allabendlich zur Kenntnis nehmen: mehr oder weniger unbewusst: Ich gehöre nicht dazu. Ich bin, zumindest bis heute, davongekommen. Die Statistik meint die anderen. Wir sind die Davongekommenen. Wenn die Pandemie überstanden ist, dann müssen die Davongekommenen damit leben, dass sie davongekommen sind. Warum ich und nicht die anderen Menschen? Warum der andere und nicht ich?


3. Aus diesen Fragen erwächst das Bewusstsein darüber, wie sehr unser Leben gebrechlich ist, schicksalhaft ist, fragil ist. Aber genau das kann etwas verändern, so dass die Davongekommenen etwas lernen können. Steve Jobs, der Gründer von Apple, hat in einer ergreifenden Rede vor seinem Tod diese Einsichten geteilt: „Mich zu erinnern, dass ich bald tot sein werde, war für mich das wichtigste Werkzeug, das mir geholfen hat, all diese großen Entscheidungen im Leben zu treffen. Denn fast alles – alle äußeren Erwartungen, der ganze Stolz, die ganze Angst vor dem Versagen, die Scham – diese Dinge fallen einfach weg angesichts des Todes und lassen nur übrig, was wirklich wichtig ist. Sich zu erinnern, dass man sterben wird, ist der beste Weg, den ich kenne, um der Falle zu entgehen und zu glauben, man hätte etwas zu verlieren. Du bist vollkommen nackt. Es gibt keinen Grund, um nicht seinem Herzen zu folgen.“ Und an anderer Stelle dieser Rede: „Es ist nicht wichtig, in welcher Lebensetappe wir uns gerade befinden. Jeder von uns wird früher oder später zu diesem Moment kommen, wo der Vorhang für ihn fallen wird. Dein Reichtum – das ist die Liebe zu deiner Familie, das ist die Liebe zu deiner Frau und deinem Mann, das ist die Liebe zu deinem Nächsten.“ Schon allein deshalb sollten die allabendlich gemeldeten Todeszahlen nicht einfach Statistiken sein, sie sollten uns helfen, menschlicher zu werden. Dann bekommt ihr Tod für uns einen Sinn und die Frage, warum gerade wir davongekommen sind, erhält von ihnen her, also von Jenseits des Todes eine Antwort. Deshalb ist es gut, der Toten zu gedenken, denn sie haben uns etwas zu sagen.


4. Und vielleicht können wir genauso das heutige Evangelium einordnen: Von Jenseits des Todes her kommt uns eine Botschaft zu. Nach dem furchtbaren Karfreitag erscheint Jesus als der Auferstandene seinen Jüngern und begrüßt sie mit dem Satz: „Der Friede sei mit euch“. Das sagt gerade der, der durch den Karfreitag hindurch gegangen ist. Andererseits kann es wohl nur der sagen, der durch den Karfreitag hindurch gegangen ist. Denn er sieht das Leben mit anderen Augen. Er sieht das Leben mit den Augen dessen, der mit dem Tod konfrontiert wurde, der den Tod ins Auge geschaut hat, ja der ihn erlitten hat. Ja, von Jenseits des Todes kommt uns die Botschaft zu: Friede sei mit euch.


5. Vergessen wir deshalb unsere Verstorbenen nicht. Sie ruhen in Frieden und senden auch uns diesen Friedenswunsch des Auferstandenen.

Franz Langstein

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