13.05.2021

Predigt am Fest Christi Himmelfahrt 2021

Apg 1,1-11

Liebe Schwestern und Brüder!

1. Ich möchte gleich zu Beginn in Erinnerung rufen, was uns aber doch eigentlich klar sein sollte: Der Text von der Himmelfahrt Jesu ist nicht ein Bericht über ein Ereignis, dass sich genauso einmal abgespielt hat. Es ist kein Bericht darüber, dass da Jesus wundersam die Schwerkraft überwunden hat und sich in den Weltraum hinein verflüchtigt hat. Dieser Text ist ein theologischer Text und muss deshalb so gedeutet werden.


2. Wenn wir unter anderem diesen Text deuten als Abschied Jesu von den Seinen, dann ist das nur bedingt richtig. Denn der eigentliche Fortgang Jesu war sein Tod am Kreuz. Der Tod ist die äußerste Grenze am Ende des Lebens. Im Tod überschreitet der Mensch eine Schwelle, über die die anderen nicht oder besser: noch nicht schreiten können. Sie sind eben die Zurückgebliebenen oder Hinterbliebenen. Mit dem Tod verlässt der Sterbende endgültig das irdische Dasein. Er ist weg. So war auch Christus weg, als er am Kreuze starb. Er überschritt die äußerste Grenze des menschlichen Daseins in die Herrlichkeit Gottes hinein, in die die anderen noch nicht folgen konnten. Deshalb war der Tod Christi der Abschied. Es brauchte dazu keine Himmelfahrt. Nebenbei: Man könnte jetzt zwar einwenden, dass er ja wieder auferstanden sei und dass deshalb doch noch ein zweiter Abschied nötig ist. Aber wenn wir uns die Auferstehgungserzählungen so anschauen, dann merken wir: Auferstehung Christi heißt nicht, dass er wieder im Irdischen war, sozusagen wiederbelebt, sondern was immer da auch war: Die Erzählungen haben etwas Eigentümliches, Jenseitiges an sich. Jesus hat nicht von hinten her die Schwelle des Todes noch mal ins Irdische überschritten. Er ist nicht einfach zurückgekommen.


3. Vielmehr: Wenn der Tod Jesu der wirkliche Abschied war, wenn also im Tod Jesus eine Schwelle überschritten hat, die die anderen als Hinterbliebene zurücklässt, dann war der Tod Jesu der Abschied. Und wenn wir das so glauben, dass Jesus durch den Tod hindurch musste, dann sind Auferstehung und Himmelfahrt – theologisch gesehen – Interpretationen des Todes Jesu. „Musste nicht der Messias leiden, um so in seine Herrlichkeit zu gelangen?“, fragte Jesus die Emmausjünger. Tod Jesu, seine Auferstehung und Himmelfahrt sind zeitlich auseinander: Ostern drei Tage nach dem Tod Jesu, die Himmelfahrt vierzig Tage nach Ostern, in Wahrheit aber sind Tod, Auferstehung und Himmelfahrt ein einziges Ereignis: Jesus hat im Tod die Schwelle des irdischen Lebens überschritten und ist hinübergegangen in den Himmel, also in die Herrlichkeit des Vaters hinein auferstanden. Auferstehung und Himmelfahrt sind also Aussagen darüber, was im Augenblick des Todes Jesu passiert und was in unser aller Tod passiert.


4. Wenn also das heutige Fest Christi Himmelfahrt eine Interpretation dessen ist, was im Tod Jesu passiert ist, dann müssen wir auf den Tod Jesu schauen. Und da gibt es erstaunlicherweise verschiedenste Berichte: Von einer tiefen Angst oder soll man sagen einem tiefen Zweifel „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen“, von einem letzten lauten Schrei, von dem uns das Markus-Evangelium berichtet, bis hin zum vertrauensvollen Sterben „Vater, in deine Hände lege ich meinen Geist“ ist in den Berichten alles dabei. Es scheint fast so zu sein, als sei es egal, ob zweifelnd oder angstvoll schreiend oder vertrauensvoll betend, im Augenblick des Todes ist der Mensch so ohnmächtig, wirklich arm im Sinne von etwas vorweisen und tun können, so dass es gar nicht mehr so sehr drauf ankommt, ob der Mensch da noch etwas tut. Vielmehr tut Gott etwas. Die Stunde des Todes kann endlich die Stunde Gottes werden, weil der Mensch aufhört, irgendetwas noch tun zu wollen. „Selig, die Armen im Geiste“, hat Jesus gesagt. Die Stunde des Todes ist die Stunde der größten geistlichen Armut. Der Mensch hat nichts mehr und kann auch nichts mehr tun. Er kann, wie Jesus angsterfüllt werden oder auch wie Jesus vetrauensvoll ein Leben in die Hände Gottes geben: Die Stunde des Todes ist nicht mehr die Stunde des Menschen, es ist die Stunde Gottes.


5. Und ich könnte mir vorstellen, dass das heutige Fest „Christi Himmelfahrt“ genau das noch mal betonen möchte. Jetzt ist die Macht Gottes stärker als alles andere. Im Tod wird du in den Himmel erhoben. Gott wird stärker sein als deine Angst. Er wird sogar stärker sein als all das, was du gerade in der Stunde des Todes wohl zutiefst bereuen wirst. Du wirst die Schwelle des Todes überschreiten, dass du aber in den Himmel auffährst, ist dann Sache Gottes.

Franz Langstein

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