11.04.2021

Predigt am 2. Sonntag der Osterzeit (Weißer Sonntag) B2021

Liebe Schwestern und Brüder!

1. „Der ungläubige Thomas“, so wird der Jünger Jesu genannt, der nicht glauben wollte, dass Jesus den anderen erschienen ist. Aber schauen wir doch da mal genauer hin. Schließlich gibt es einen Satz von Papst Gregor dem Großen (gest. 604), der zu denken gibt: „Zum Glauben nutzt uns der Unglaube des Thomas mehr als der Glaube der glaubenden Jünger“. Das müssen wir ernst nehmen und uns fragen, wieso könnte für unseren Glauben der Unglaube des Thomas mehr sagen als der Glaube der glaubenden Jünger?


2. Die anderen haben Jesus gesehen und berichten dies dem Thomas, der bei dieser Begegnung nicht dabei war. „Wir haben den Herrn gesehen“, sagen sie zu ihm. Und was antwortet Thomas: „Wenn ich nicht die Male der Nägel an seinen Händen sehe und wenn ich meinen Finger nicht in die Male der Nägel und meine Hand nicht in seine Seite lege, glaube ich nicht.“ Was für eine merkwürdige Antwort. Warum sagt er nicht einfach: „Wenn ich ihn nicht selbst sehe, glaube ich nicht“. Nein, Thomas will anscheinend die Wunden Jesu sehen. Oder anders formuliert: Thomas will nicht einen Jesus sehen, bei dem jetzt alles wieder in Ordnung ist und ein Happy End gefeiert wird, sondern Thomas will den verwundetet Jesus sehen. Er will sich einen Jesus ohne Wunden nicht mehr vorstellen. Darüber müssen wir nachdenken, um das Evangelium tiefer zu verstehen, weil wohl auch Thomas viel tiefer verstanden hat als die anderen.


3. Im Johannes-Evangelium erscheint uns Thomas schon einmal so, dass er ganz anders drauf ist wie die anderen Jünger: Da offenbart Jesus seinen Jüngern, dass er nach Jerusalem gehen werde, um dort zu sterben. Die Jünger protestieren aufs Heftigste, nur Thomas sagt: „Dann lasst uns mit ihm gehen und dort sterben“. Offensichtlich ahnt Thomas schon hier, dass der Tod Jesu Christi der höchste Erweis seiner Liebe ist, weil es die höchste Form seiner Solidarität mit den Menschen ist. Jesus ist bereit, die Wunden der Menschheit zu tragen, anzunehmen und zu verzeihen. Die Wunden Jesu sind die Wunden der Menschheit, der Hass der Menschen, die Gewaltbereitschaft der Menschen usw. Jesus wollte ganz Mensch sein, einschließlich der Verwundbarkeit. „Unsere Wunden hat er auf sich genommen“.


4. Darum will Thomas Christus sehen mit den Wunden, weil die Wunden die Zeichen seiner Liebe sind, weil die Wunden Zeichen sind, wir sehr Gott sich mit uns in unserem Verwundetsein verbunden hat, weil die Wunden Zeichen sind, wie sehr wir selbst mit unseren Wunden von Gott angenommen sind, und zwar nicht trotz unserer Wunden, sondern wegen unserer Wunden. Diesen Christus, der uns auf diese Weise Gottes Liebe gezeigt hat, will Thomas sehen. Er will kein Happy End. Er will keinen Christus, der alle Verwundung abstreift, sondern der sie trägt als Zeichen, dass er in Ewigkeit ganz dem Menschen verbunden bleibt.


5. Und dann fällt Thomas auf die Knie und sagt: „Mein Herr und mein Gott“. Das kann nur der wirklich sagen, der die Wunden Christi sieht und weil er in den Wunden erkennt: Ich bin ganz und gar auch in meiner Verwundetheit von Gott angenommen. Deshalb fällt Thomas erschüttert auf die Knie. Ich kann nur dem Gott wirklich ganz vertrauen, der mir seine Wunden zeigt, weil sie meine Wunden sind. Nein, Papst Gregor der Große hatte vollkommen recht: „Zum Glauben nutzt uns der Unglaube des Thomas mehr als der Glaube der glaubenden Jünger“.

Franz Langstein

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