07.03.2021

Predigt am 3. Fastensonntag B21

1 Kor 1,22-25

Liebe Schwestern und Brüder!

1. Ich sage nichts Neues, wenn ich feststelle, dass unsere Kirche in einer Umbruchssituation steht, ja vielleicht sogar Abbrüche erlebt. In dieser Zeit der Um- und Abbrüche fehlt es auch nicht an Patentrezepten, die die Kirche retten sollen. Aber es wird, so scheint es mir, etwas Zentrale vergessen. Die einen wollen zurück in die gute alte Zeit, möglichst wieder mit dem Rücken zum Volk zelebrieren, anderen wollen grundlegende Reformen der Kirche, wieder andere versuchen, das Heil in neuen Strukturen zu finden und setzen es durch, weil sie die Macht haben, Gemeinden zusammenzulegen, andere versuchen die Kirche zu retten mit der sogenannten Eventisierung des Glaubens, d.h. Kirche veranstaltet viele Events, auf die die Menschen etwas erleben sollen, um dann zu sagen: Hey, die Kirche ist doch ganz okay. Mir scheint, dass bei all dem etwas Wichtiges vergessen wird. Warum sich die Kirche in unserer Zeit schwer tut, hat neben vielen hausgemachten Gründen auch einen Grund, der nicht hausgemacht ist. Paulus wusste davon und schrieb es den Korinthern ins Stammbuch.


2. In der ersten Lesung haben wir gehört: „Die Juden fordern Zeichen, die Griechen suchen Weisheit. Wir dagegen verkündigen Christus als den Gekreuzigten“. Das ist unser Problem: Im Zentrum der christlichen Verkündigung stehen der Gekreuzigte und ein leeres Grab. Die einen fordern also Zeichen: Der Gekreuzigte ist gerade kein vorzeigbares Zeichen der Macht Gottes. Die anderen fordern Weisheit: Ein leeres Grab ist nicht gerade der Erweis der Weisheit Gottes. Das ist nicht gerade für eine gute Präsentation geeignet. Siegertypen werden gesucht, keine Looser. Zeichen und Beweise.


3. Wir müssen deshalb der Versuchung widerstehen, die Kirche retten zu wollen, indem wir unseren Glauben zum Event machen. „Die Leute wollen doch was erleben“, so sagt man. Deshalb sollen auch die künftigen Kirchengemeinden nicht mehr Kirchengemeinden heißen, auch nicht mehr Kirchorte, sondern „Erlebnisräume des Glaubens“. Es geht also nicht mehr um Hingabe, um Vertrauen, um Glaube, sondern um das ichbezogene etwas Erlebenwollen. Man will Gott haben und erleben. Die einen suchen Zeichen, die anderen Weisheit, wir aber verkünden Christus als den Gekreuzigten; „für Juden ein empörendes Ärgernis, für Heiden eine Torheit, für die Berufenen aber, Juden wie Griechen, Christus, Gottes Kraft und Gottes Weisheit“. Und was das heißen kann, das hat Karl Rahner in einer sehr beeindruckenden Predigt zum Karfreitag zum Ausdruck gebracht. Ich gebe zum Schluss einen Ausschnitt aus der Predigt wieder:


4. „Vor ihm, dem Gekreuzigten, knien die Kinder. Denn er hat sie geliebt, und obwohl er wusste, was in jedem Menschen ist, ihnen vertraut und die mit seinem Wehe bedroht, die eines dieser Kleinen ärgern.

Vor ihm knien die Alten. Sie knien vor dem sterbenden Gott, und sie wissen, dass ihnen die größte Gnade und die schwerste Tat noch bevorsteht, die der allein recht empfängt und recht vollbringt, der in ihm und mit ihm stirbt.

Es knien vor ihm die Heimatlosen und schauen auf zu dem, der von seinem eigenen Volk verworfen außerhalb der Stadt neben der Landstraße sterben wollte, nachdem er durch ein bitteres Leben gezogen war nicht wissend, wohin er sein Haupt legen sollte.

Es knien vor ihm schweigend die Einsamen, denn der Einsamste, der Wüste des Todes und der Gottverlassenheit Sterbende, kennt sie und hat alle ihre bittere Einsamkeit in sein eigenes Herz hineingelassen.

Es knien weinend vor ihm die Witwen, denn sein Auge blickt noch liebend und sorgend durch die finsteren Schatten des Todes, die ihn umfangen, auf die Mutter, die er einsam lassen muss.

Es knien vor dem Kreuz die Gelehrten und Weisen dieser Welt, damit sie lernen, dass alle Weisheit eitel ist, damit sie lernen, dass die Logik des Kreuzes den Griechen Torheit, den Juden ein Ärgernis ist, denen Gottes Weisheit und Gottes Kraft ist, und dass es Gott gefallen hat, durch die Torheit des Kreuzes die Welt zu retten, auf das jeder Mund verstumme und jede Weisheit der Welt sich vor der Torheit der göttlichen Liebe demütige.

Es knien bei dem Kreuz die Priester Gottes, weil sie den Gekreuzigten predigen müssen und sie immer vom Kelch seiner Erfolglosigkeit trinken.

Vor deinem Kreuz knie ich, kniest du, du immer einmaliges unaussprechliches Ich, das sich selber nicht kennt, das jener zitternde Funke zwischen dem Abgrund des Nichts und dem Abgrund der Unendlichkeit ist.“

Das Kreuz, die Weisheit Gottes, für jene, die es erfassen.

Franz Langstein

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