06.06.2021

Predigt am 10. Sonntag im Jahreskreis B21

Mk 3,20-35

Liebe Schwestern und Brüder!

1. Es gibt Menschen, die vollbringen so herausragende oder so andersartige Leistungen oder sie tun etwas, was dem Herkömmlichen völlig entgegensteht, dass solche Menschen befremdlich wirken. Sie werden für verrückt erklärt, für nicht mehr ganz normal. Von Albert Einstein hatten einige die Vermutung, er sei ein Zeitreisender, denn er habe Dinge gewusst, die man damals nicht wissen konnte und deren experimenteller Nachweis erst viele Jahrzehnte später gelang. Ein Anton Bruckner war in Wien nicht anerkannt. Zu verrückt schien vielen seine Musik zu sein. Heute ist Bruckner auf allen Bühnen der Welt zu Hause. Solche Reaktionen zeigen doch auch auf, dass da jemand nicht ganz normal ist und dass er ein außergewöhnlicher Mensch ist.


2. Das heutige Evangelium kündet uns von den Reaktionen der Menschen. Es sind seine engsten Angehörigen, seine Mutter und seine Brüder; und es sind die von Jerusalem abgesandte Schriftgelehrten, die Jesus überprüfen sollen. Denn sein Ruf hatte sich schon verbreitet. Und an Jesus scheiden sich nun die Geister: Vieles hat er getan, was mit den gängigen Gesetzen nicht vereinbar war: Er hielt sich auf in Häusern von Unreinen, von Sündern und Zöllner; er vergab Sünden, ohne dass der von Sünden Losgesprochene ein Sühneopfer darbringen musste; er heilte am Sabbat; und er predigte einen Gott der bedingungslosen Liebe, so dass die Menschen in Scharen zu ihm zogen.


3. Das alles ist so außergewöhnlich, dass sich seine Angehörigen Sorgen machten und keine andere Erklärung dafür hatten als dass er „von Sinnen sei“. Auf gut Deutsch: Er ist verrückt. „In jener Zeit kamen wieder so viele Menschen zusammen, dass Jesus und seine Jünger nicht einmal mehr essen konnten. Als seine Angehörigen davon hörten, machten sie sich auf den Weg um ihn mit Gewalt zurückzuholen; den sie sagten: Er ist von Sinnen“. Und auch die Schriftgelehrten, die eigens aus Jerusalem kamen, konnten sein Verhalten nur so begründen: „Er ist von Beelzebul besessen.“ Der Name Beelzebul, worin der Wortbestandteil Baal enthalten ist, wird 1 Kön 1,1-18 im Zusammenhang mit dem Abfall vom Gott Israels angeführt: Ahasja, König von Israel, hatte sich verletzt und ließ zu Beelzebul, dem Gott von Ekron, schicken. Der Prophet Elija aber fing die Gesandtschaft ab und schickte sie mit der Frage zurück, ob es denn keinen Gott in Israel gebe. Es geht also um Gotteslästerung. Jesus vertraut einem falschen Gott und durch Jesus spricht ein Götze. Die einen halten ihn also für verrückt, andere können sich sein Handeln nur so erklären, dass er dem Götzen Beelzebul anhängt und somit von einem bösen Geist besessen ist. Ja, außergewöhnlichen Menschen werden entweder für verrückt gehalten oder man muss ihr Verhalten mit irgendwelchen abstrusen Theorien begründen.


4. Umso interessanter ist nun die Antwort, die Jesus selbst gibt: „Amen, das sage ich euch: Alle Vergehen und Lästerungen werden den Menschen vergeben werden, so viel sie auch lästern mögen; wer aber den Heiligen Geist lästert, der findet in Ewigkeit keine Vergebung, sondern seine Sünde wird ewig an ihm haften.“ Also: Ihr könnt von mir halten, was ihr wollt. Wenn ihr aber nicht erkennt, dass Gottes Geist, Gottes Liebe, Gottes Kraft in mir ist, wenn ihr also lästert gegen die Liebe, die durch mich gerade den Armen und Entrechteten und Ausgegrenzten erfahrbar wird, wenn ihr also gegen den Heiligen Geist, der aus mir spricht, lästert, dann wird diese Sünde immer an euch haften, also dann werden ihr nie erkennen, wie sehr Gott euch liebt. Ihr bleibt immer von Gott getrennt. Sünde kommt ja von absondern. Die Sünde bleibt dann.


5. Ähnlich verfährt Jesus mit seiner Mutter und seinen Brüdern, die gekommen waren, um ihn zu holen. „Wer ist meine Mutter, wer sind meine Brüder?“ fragt Jesus scharf nach. „Hier, die da, die den Willen Gottes tun, sind für mich Bruder, Schwester und Mutter.“ Also, die hier, die aus demselben Geist wie ich lebe, sind mit mir wesensverwandt.


6. Jesus war vielen Menschen fremd. Sie haben ihn nicht verstanden. Und viele, die aus seinem Geist leben, wirken ähnlich fremd: Franz von Assisi, Elisabeth von Thüringen, Theresa von Kalkutta oder moderne Heilige, die sich ganz für Frieden und Gerechtigkeit einsetzen. Sind wir vorsichtig bei der Beurteilung solcher Menschen. Wenn Gottes Geist einen Menschen erfüllt, gehört das Befremdliche irgendwie immer dazu.

Franz Langstein

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