02.05.20211

Predigt am 5. Sonntag der Osterzeit B2021

Joh 15,1-8

Liebe Schwestern und Brüder!

1. Das heutige Evangelium wirft die Frage auf nach dem Ursprung unseres Lebens: „Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben“. So wie die Reben ihren Ursprung im Weinstock haben, stellt sich die Frage nach dem Ursprung unseres Lebens.


2. Wir können dieser Frage natürlich auf verschiedenen Ebenen nachgehen. Wir können diese Frage biologisch vertiefen: Der Ursprung meines biologischen Lebens ist die Erde. Aus ihr bin ich durch meine Eltern geworden. Von ihr lebe ich. Durch Essen und Trinken nehme ich die biologischen Elemente in mich auf, die ich zum Leben brauche. Ich lebe ganz und gar von diesem biologischen Ursprung, Erde. Wir können auch die Frage anders beantworten: Ich lebe von dem jeweiligen Kulturkreis, in dem ich geboren wurde und in der jeweiligen Zeit, in der ich geboren wurde. Ich lebe von dem, was mich geprägt hat: Eltern, Freunde, Erfahrungen, Bildung usw. All dem verdanke ich mich auch, all das ist deshalb auch mein Ursprung. Immer lebt der Mensch aus Ursprünglichem, das ihm vorgegeben ist.


3. „Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben“. Es gibt sozusagen viele Weinstöcke, aus denen ich lebe und aus denen ich meine Kräfte zehre. Aber hier sagt nun Jesus von sich: „Ich bin der Weinstock“. Ein besonderer Weinstock. Schauen wir auf Jesus selbst: Er lebt ganz aus einem Ursprung, den er „Vater“ nennt. Jesus lebt ganz aus einem göttlichen Geheimnis, dem er sich ganz und gar verdankt. Er lebt aus einer Fülle, die sich ihm bei der Taufe gezeigt als Heiliger Geist, der in Gestalt einer Taube auf ihn herabkam und aus der Stimme, die ihn von oben ansprach: „Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Gefallen gefunden“. Dieser Ursprung war Jesus vorgegeben, denn dieser Ursprung ist von Ewigkeit.


4. Und geht es uns nicht ähnlich? Spüren wir nicht auch manchmal, dass wir aus einem Ursprung leben, der ein absoluter und geheimnisvoller Ursprung sein muss? Wir tragen Hoffnungen in uns, die die Welt nicht erfüllen kann. Hoffnungen, die zu groß sind, als dass das Irdische diese erfüllen könnte. Wir tragen Sehnsüchte in uns, die wir zu befriedigen suchen in einem Immer-mehr, Immer-höher usw., ohne dass der Mensch deshalb glücklicher würde. Wir haben Sehnsüchte, die offensichtlich diese Welt nicht zu stellen vermag. Wir haben in uns ein Vertrauen zum Leben, das durch das irdische Leben selbst nicht begründet werden kann. Es scheint tatsächlich so, als wären wir von einer viel größeren Wirklichkeit durchdrungen, weil diese Wirklichkeit unser Ursprung ist und weil wir von dieser Wirklichkeit leben wie die Reben vom Weinstock leben.


5. Und Gott hat uns sich selbst als diesen Ursprung erschlossen, indem sich dieser Ursprung auf uns hin geöffnet hat und er Fleisch geworden ist. Christus ist der Weinstock, der tief mit Gott verwurzelt ist und uns aus der Tiefe dieser göttlichen Wurzel Anteil geschenkt hat am göttlichen Leben. Christus hat uns die göttliche Quelle als unseren eigenen Ursprung erschlossen.


6. Wenn nun dieses Evangelium in der Osterzeit, in der wir ja noch stehen, gelesen wird, dann fällt von diesem Evangelium auch ein neues Licht auf das, was Ostern bedeutet. Ostern bedeutet dann die Rückkehr zu unserem eigenen Ursprung. Es bedeutet das Hineingehen in die Lebensfülle, aus der wir selbst sind und der wir uns verdanken. Wir verdanken uns einem göttlichen Ursprung und kehren wieder zu ihm zurück, ohne jemals von ihm getrennt zu sein. Anders ausgedrückt: Der Tod als österliches Ereignis ist dann die Vollendung unseres Geborenseins. Im Tod offenbart sich diese Quelle göttlichen Lebens in seiner ganzen Schönheit. Der Tod beendet also das Leben nicht, vielmehr offenbart sich im Tod das österliche Geheimnis: Du, Mensch, der du ganz aus der Fülle des Vaters lebst, eine Fülle, die sich für dich durch Christus mitgeteilt hat, wirst im Tod eingehen in diese Fülle. Der Lebensstrom, dem Du Dich von Geburt an verdankst, wird im Tod nicht versiegen, vielmehr wirst Du seine ganze Fülle kosten.


7. Ich möchte Ihnen am Ende noch etwas Persönliches sagen: Wenn ich manchmal ins Gebet gehe und in die Stille des Betens, dann bedeutet das auch immer: Sich seines Ursprungs bewusst zu werden, die göttlichen Quellen in sich gewahr zu werden. Und ich stelle mir dann Folgendes vor, zunächst ganz irdisch: Ich lebe irdisch von Voraussetzungen, die ich nicht gemacht habe. Ganz biologisch gesehen: Was der Ursprung meines biologischen Lebens ausmacht, ist der Urknall. Hier wurden die Voraussetzungen geschaffen, die 13 Milliarden Jahre später mich werden ließen. In einem langen Prozess wurden die Elemente geschaffen, die für das Leben unerlässlich sind: Sauerstoff, Kohlenstoff, Eisen usw. Und diese Elemente nehme ich zu mir; wenn ich atme, esse, trinke. Und ist es nicht auch so mit meinem göttlichen Ursprung: Christus hat mir die den Zugang dazu eröffnet. Ich nehme ihn als Speise im heiligen Sakrament zu mir. In ihm eröffnet sich der Zugang zur göttlichen Quelle. Von daher fällt auch noch mal ein neues Licht auf die Eucharistiefeier, wenn wir sagen: Hier ist das Brot des ewigen Lebens

Franz Langstein

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