31.05.2020

Predigt zu Pfingsten 2020

Joh 20,19-23

Liebe Schwestern und Brüder!

1. Jetzt, in Coronazeiten, werden wir plötzlich auf Sätze im Evangelium aufmerksam, die vorher kaum bemerkt wurden. Ich weiß nicht, ob es Ihnen beim Hören des Evangeliums auch so ging. Da steht der Satz: „Jesus hauchte seine Jünger an und sprach zu ihnen: Empfangt den Heiligen Geist“. Er hauchte seine Jünger an. Man kann das kaum noch glauben: Stimmt, die Zeiten gab es ja auch mal, in denen so etwas möglich war. Heute undenkbar. Das ist ja eine Ordnungswidrigkeit. Fast schon so etwas wie „vorsätzlich jemand anstecken“ wollen. Das geht gar nicht.     

 

2. Sie ahnen jetzt freilich schon: Für den Prediger ist das natürlich eine Steilvorlage als Aufhänger für die Predigt. Zwar etwas plump, trotzdem gut. „Jemand vorsätzlich anstecken wollen“. Natürlich will Jesus seine Jünger vorsätzlich anstecken, mit dem Heiligen Geist. „Empfangt den Heiligen Geist“. Er will sie anstecken mit seiner Liebe, die göttliche Liebe ist, Liebe des Vaters und Liebe vom Vater. Mit dieser Liebe will er seine Jünger anstecken. Vorsätzlich: „Empfangt den Heiligen Geist“.

 

3. Und vom welchen Geist Jesus beseelt war und was das für eine Liebe ist, das ist im Leben Jesu deutlich geworden.  

 

  • Er hat Menschen die Vergebung der Sünden zugesagt. Sie brauchten kein Sündopfer im Tempel darbringen. Eine klare Ordnungswidrigkeit. „Nur Gott kann Sünden vergeben“, sagen die Ordnungshüter, die dabeistanden und hörten, wie Jesus Sünden vergibt.
  • Er wirft die Händler aus dem Tempel, die es eigentlich braucht, damit die Leute ihre Opfertiere kaufen können. Wieder eine klare Ordnungswidrigkeit. „Macht das Haus meines Vaters nicht zu einer Räuberhöhle“, sagt er. Und er fügt sogar noch hinzu: „Reißt den Tempel nieder“. Denn Gott ist nicht in Tempeln anzubeten, sondern im Herzen der Menschen gegenwärtig. So nahe ist die Liebe dem Menschen.
  • Diese Liebe treibt Jesus zu den Aussätzigen, die ansonsten isoliert leben, ausgestoßen und ausgegrenzt. Abstandsregeln. Spätestens hier wird es gefährlich. Aber zu Außenseitern, Ausgegrenzten, Fremden sich zu gesellen, stößt auch ohne Ansteckungsgefahr auf Unverständnis. Mit dieser Liebe, die grenzenlos ist, die keine Konventionen und keinen Mainstream kennt, will Jesus uns anstecken. „Er hauchte sie an und sprach: Empfangt den Heiligen Geist.“
  • Er provoziert die Religionsführer seiner Zeit, indem er ihnen die Geschichte vom barmherzigen Samariter erzählt: Priester, auf dem Weg zum Tempel, zum heiligen Dienst, gehen an einem vorüber, der verletzt am Wegesrand liegt, weil er unter die Räuber gefallen war. Ausgerechnet ein Samariter, ein Ausländer, bleibt stehen und sorgt dafür, dass der Verletzte gepflegt wird. Denn der heilige Dienst ist der Dienst, der aus der Liebe zu den Menschen kommt.
  • Noch in der Verfolgung, vor Pilatus, vor den ihn folternden Soldaten, den Hohenpriestern, die die Kreuzigung fordern, betet er: „Vater vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun“. Er macht ernst mit dem, was er in der Bergpredigt selbst gelehrt hat: „Liebt eure Feinde und betet für die, die euch Böses tun“. Mit dieser Liebe will Jesus uns vorsätzlich anstecken.

 

4. Das ist Pfingsten. Die Teilhabe an der Liebe Gottes, ja das Erfülltwerden von der Liebe Gottes. Dieses Erfülltwerden beschreibt die Apostelgeschichte in den Bildern von Sturm und Feuer. Beten wir darum, dass wir liebende Menschen bleiben oder immer mehr werden, die Feuer im Herzen tragen.

Franz Langstein

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