26.04.2020

Geistliches Wort zum 3. Ostersonnntag 2020

Liebe Schwestern und Brüder!

Wenn wir die nachösterlichen Evangelien lesen, dann fallen uns zwei Dinge auf: Die Jünger sind immer in Gemeinschaft zusammen; sie teilen ihre Enttäuschungen, dass Ihr Meister, Jesus, getötet wurde. Und die österlichen Erscheinungen des Auferstandenen sind oft mit einem Mahl verbunden. Auch im heutigen Evangelium: Einige der Jünger Jesu sind zusammen am See Genezareth. Sie teilen ihre Enttäuschungen. Sie sind wieder in ihren alten Berufen. „Ich gehe fischen“, sagt schließlich einer. „Wir kommen mit“, was sollen wir sonst machen. Ihr Herz ist leer; keine Hoffnungen mehr, keinen Sinn mehr. In dieser Nacht fangen sie nichts. Die leeren Netze sind Symbole der leeren Herzen und der enttäuschten Hoffnungen. Dann entdecken sie einen Fremden, der am Ufer steht. Es war schon Morgen. Der Fremde fordert sie auf, nochmals zu fischen.  Und plötzlich, am Morgen gelang, was die ganze Nacht nicht gelang.  In ihrem Herzen dämmert es: „Es ist der Herr“, vermutet einer. Dann wird die Vermutung zur Gewissheit. Sie wurde zur Gewissheit beim gemeinsamen Mahl am Ufer.

Hier kommen wieder diese zwei Elemente zur Geltung: Gemeinschaft und Mahl.

Die Jünger teilen ihre Ängste, Enttäuschungen und Sorgen. In der Gemeinschaft der Jünger wird es aber auch möglich, dass sie am Ufer einen Fremden stehen sehen. Sie sind überwältigt von der Erfahrung der vollen Netze. Jetzt teilen sie ihre Ahnungen, Vermutungen. Und aus den Ahnungen wird Gewissheit beim gemeinsamen Mahl.

 

Dieser Zusammenhang von Gemeinschaft, von geteilten Enttäuschungen und Hoffnungen, die im Mahl zu Gewissheiten werden, kann auch für die religiöse Situation, in der wir stehen, von Bedeutung sein:

Immer wieder wird die Sorge geäußert, wie lange können wir noch wohl noch ohne Gottesdienste auskommen? Wann werden die Leute merken, dass sie die Kirche gar nicht brauchen und dass es auch ohne Kirche geht? Ein Pfarrer zeigte sich in einer Konferenz entsetzt, als man ihn vor Augen hielt, dass man durchaus noch bis August ohne Gottesdienst auskommen müsse. „Das geht nicht; das überleben die Leute religiös nicht“, so seine Sorge.  

 

Früher hatte man solche Sorgen nicht. Man erklärte kurzerhand, dass es die Sonntagspflicht gibt. Man muss zur Messe. Das leichtfertige Fehlen wurde zur schweren Sünde erklärt. Die Angst vor der Hölle trieb die Leute in den Gottesdienst.

 

Das mit der Sonntagspflicht funktioniert heute nicht mehr. Aber könnten wir nicht einmal das Wort „Sonntagspflicht“ neu definieren? Und das heutige Evangelium bietet eine wunderbare Steilvorlage für ein anderes Verständnis von „Sonntagspflicht“. Wenn den Jüngern die Gemeinschaft mit Christus vor Karfreitag wichtig war, ist es dann nicht ihre Pflicht, dass mit Jesus Erlebte zu bewahren und auch all ihre Enttäuschungen jetzt in Gespräch zu bringen? Wenn Ihnen die Gemeinschaft, die mit Jesus gewachsen war, noch irgendetwas bedeuten sollte, dann dürfen sie sich nicht trennen, sondern müssen zusammenbleiben und im Lichte des Karfreitags neu bedenken. Und das tun sie. Sie bleiben zusammen. Es entsteht allmählich Neues: Neue Hoffnungen, vielleicht doch ein Sinn im Karfreitag? Neue Sehnsüchte? Und ihre Sehnsüchte und Hoffnungen verdichten sich mehr und mehr zur Gewissheit, dass Gott doch Jesus nicht im Tod lassen konnte. Die Jünger empfinden eine Pflicht, zusammen zu bleiben und das Erlebte zu verarbeiten, Enttäuschungen und Hoffnungen zur Sprache zu bringen. Und in Ihnen erwächst die Ahnung, dass er lebt. Und diese Ahnungen wir im Mahl zur Gewissheit. Aber genau das sind sie sich schuldig: Das gemeinsame Mahl halten, damit Christus in ihrer Mitte lebendig werden kann.

 

Auf uns bezogen: Eine Sonntagspflicht, um eine schwere Sünde zu vermeiden, ist uninteressant. Aber könnte „Sonntagspflicht“ nicht heißen: Wir sind es uns als religiöse Gemeinschaft schuldig, unsere Sorgen und Hoffnungen und Ahnungen zu teilen? Wir sind uns gegenseitig verpflichtet mit unserem Glaubenszeugnis. Wir brauchen einander im Glauben. Mein Glauben und meine Hoffnungen stärken auch die anderen. Und wenn wir wieder als Gemeinschaft zusammenkommen können, dann ist es eben tatsächlich wichtig, dass viele kommen, dass der Gesang, die Gebete, die Ausstrahlung eines jeden Einzelnen auch alle trägt.

Zurück zur Ausgangssorge: Wenn es lange keine Gottesdienste mehr gibt, meinen die Leute dann vielleicht, sie brauchen die Kirche nicht mehr? Ich hoffe, dass das Gegenteil der Fall ist, das wir spüren, wir sehr wir einander bedürfen, und wir sehr wir der Gemeinschaft um unsretwillen verpflichtet sind.

 

Zum Schluss ein Beispiel: Vor einiger Zeit sagte mir ein Mann um die fünfzig, dass er die Kirche nicht brauche, um an Gott zu glauben. Ich sagte ihm: Sie können das vielleicht. Warum können Sie es? Weil sie noch von der Kirche zehren, von ihrer religiösen Erziehung, von gemeinsamen Gottesdiensten mit ihren Eltern. Davon zehrt ihr Glaube noch. Aber Ihre Kinder, die das alles nicht mehr hatten, glauben schon nicht mehr an Gott. Man kann eben doch nicht ohne das Zeugnis einer Glaubensgemeinschaft an Gott glauben.

Franz Langstein

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(nicht während der hessischen Schulferien)
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