26.02.2020

Predigt am Aschermittwoch 2020

Mt 6,1-6.16-18

Liebe Schwestern und Brüder!

1. Wir werden nachher nach vorne kommen und uns das Aschenkreuz auflegen lassen. Dabei hören wir den Satz: „Bedenke Mensch, dass du Staub bist und zu Staub zurückkehren wirst.“ Ein ähnlicher Satz wird bei den Beerdigungen gesprochen. Kurz nach der Grablegung heißt es: „Von der Erde bist du genommen und zur Erde kehrt du zurück“. Das sind ganz ernste Sätze, die das Wesen aller Geschöpfe zum Ausdruck bringen. Der Mensch ist davon nicht ausgenommen. Die lateinischen Wörter „Homo“ für Mensch und „Humus“ für Erde gehören zusammen. Der Mensch „homo“ ist der von der Erde Genommene Im Englischen wird das sehr deutlich, wenn da von „Human being“ als vom Menschen gesprochen wird. Und der Name „Adam“ aus der Schöpfungserzählung bedeutet auch so viel wie „Erdling“. Das menschliche Wesen wird also zutiefst mit der Erde in Verbindung gebracht. Er ist von der Erde genommen: „Bedenke Mensch, dass Du Staub bist und zu Staub zurückkehren wirst.“ Damit ist jetzt nicht etwa ein Teil des menschlichen Wesens gemeint, etwa nach dem Motto: „Ja, das ist zwar das Irdische am Menschen, aber der andere Teil ist seine Seele, die nicht von der Erde genommen ist, sondern von Gott kommt“. Eine solche Aufspaltung des Menschen in ein Diesseits und Jenseits ist gefährlich, weil die Gefahr besteht, dass er in seinem tiefen Wesen als von der Erde Genommener nicht ernst genommen wird.

 

2. Denn es ist ja gerade diese Dimension unseres Lebens, dieses Staubsein, dass wir so oft schmerzlich erfahren und durchleiden. Staubsein bedeutet nämlich die ganze Vergänglichkeit des Lebens, die Hinfälligkeit, die Schicksalhaftigkeit, die Zufälligkeit, die Flüchtigkeit des Lebens. Und da kann man jetzt nicht sagen: Ja, das ist ja nur eine Seite unseres Lebens, die andere Seite ist, dass wir vom Staubsein erlöst sind, dass wir all das schon überwunden haben, dass unsere Existenz eine himmlische ist usw., und deshalb seien wir eigentlich nur noch ein bisschen Staub, und so schlimm sei das ja nicht mehr. Nein, dem muss vehement widersprochen werden: die himmlische Dimension hebt das Staubsein nicht auf, verharmlost es nicht, schränkt es nicht ein oder überwindet es nicht. Nichts dergleichen. Solange wir auf Erden sind, sind wir Staub. Es kommt darauf an, dieses Staubsein mit all seinen Konsequenzen anzunehmen. Die eigene Hinfälligkeit anzunehmen, die eigene Verfallenheit an den Tod anzunehmen, Leiden und Schicksal anzunehmen. Ja, manchmal muss man es gar nicht annehmen, es wird uns einfach auferlegt. Staub sind wir eben. Ja, der Mensch muss sich nicht nur in seinem Staubsein annehmen, er muss sich in seinem Staubsein lieben.

 

3. Und auch hier hilft uns ein Wort weiter, das sich ableitet von Homo und humus, nämlich das lateinische Wort „Humilitas“. Das steckt wieder der Humus, die Erde, drin, Humilitas.  Humilitas heißt Demut. Demut hat also sehr viel mit Erde zu tun, sehr viel damit zu tun, dass wir Staub sind. Die tiefe Einsicht in das Staubsein, macht demütig. Die tiefe Einsicht darin, dass alle Geschöpfe Staub sind, macht demütig, also geschwisterlich. Wir teilen alle das gleiche Los. Nur der Arrogante erhebt sich über andere. Nur der Stolze missachtet die anderen. Der Demütige dient. Daher kommt ja auch das deutsche Wort „Demut“, Mut zum Dienen. Mut zum Dienen kommt aus der Einsicht, dass wir alle Staub sind.

 

4. Wo der Mensch in Demut sein Staubsein annimmt, ja sogar liebt, da macht er dann religiös eine tiefe Einsicht: Gott hat uns nicht erlöst vom Staubsein. Gott hat uns nicht das Staubsein abgenommen, sondern er selbst hat das Staubsein angenommen. Er ist „Fleisch geworden“, kündet ganz kühn das Christentum. In der Erfahrung unseres Staubsein erfahren wir uns als Geschwister des Fleischgewordenen. In der Erfahrung aller Hinfälligkeit und Flüchtigkeit des Daseins, erfahren wir ihn als den, der wesensmäßig bei uns ist, also unserem Wesen als Staub innewohnt. Das Staubsein ist der Ort seiner Gegenwart. Gott selbst ist Humus geworden, also Erde. Und deshalb hat er die „Humilitas“, die Demut, den Mut, uns zu dienen. Deshalb ist das Staubsein nicht einfach nur eine Wesensdimension neben der göttlichen Dimension unserer Existenz. Unser Staubsein ist die Voraussetzung dafür, dass er unser Bruder geworden ist.

 

5. Wenn wir also nachher nach vorne kommen und uns mit dem Aschekreuz bezeichnen lassen, dann denken wir daran: Weil wir Staub sind, sind wir mit Gott und mit allen Geschöpfen verbunden. Diese Verbundenheit ist Demut. Sie macht uns zu Geschwistern mit Christus und zu Geschwistern untereinander.

Franz Langstein

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