25.10.2020

Predigt am 30. Sonntag im Jahreskreis A20

Mt 22, 34-40

Liebe Schwestern und Brüder!

1. Um das heutige Evangelium besser zu verstehen, ist es hilfreich, sich zu vergegenwärtigen, warum uns Matthäus diesen Text überliefert hat. Das Matthäusevangelium, um das Jahr 80 herum geschrieben, wurde hauptsächlich von Heidenchristen gelesen, also von Menschen, die nicht aus dem Judentum zum Christentum fanden, sondern die aus dem Heidentum zum Christentum kamen. Und für diese Menschen war die Frage natürlich von Interesse: Müssen wir uns an alle Gebote des Judentums halten, die ja auch als göttliche Gebote galten? Es gab insgesamt 248 Gebote und 365 Verbote. Das war alles viel zu unübersichtlich. Kann man diese vielen Gebote auf wesentliche Aussagen reduzieren? Und so überliefert uns das Matthäusevangelium die Frage eines Gesetzeslehrers an Jesus: „Welches Gebot ist das wichtigste?“ Und in der Tat: Die Antwort Jesu ist eine Reduzierung auf Wesentliches: „Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben… und du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.“ Und Jesus betont noch eigens: „An diesen beiden Geboten hängt das ganze Gesetz samt den Propheten“. Das ist für uns als Christen eigentlich selbstverständlich: Die Gottes- und die Nächstenliebe. Doch bei genauerer Betrachtung geschieht hier etwas Neues:

 

2. Die beiden Gebote, nämlich das Gebot der Gottesliebe und das Gebot der Nächstenliebe stehen beide im Alten Testament, aber weit auseinander. Sie gehören nicht zusammen. Das Gebot der Gottesliebe finden wir im Buch Deuteronomium im Kapitel 6 und das Gebot der Nächstenliebe finden wir im Buch Leviticus im Kapitel 19. Die Verbindung der Zitate von Dtn 6,5 und Lev 19,18 in der Antwort Jesu lässt sich in dieser Weise im Judentum nicht nachweisen und bleibt für Jesus charakteristisch.

 

3. Das Matthäusevangelium bringt also nicht nur die wesentliche Zusammenfassung dessen, worauf es ankommt, nämlich auf Gottes- und Nächstenliebe, es verknüpft diese beiden Gebote auch so, dass diese Verknüpfung eine Antwort darstellt auf die Frage: „Wie können wir Gott lieben?“  Die Antwort lautet: „Indem wir den Menschen lieben“. Gottesliebe ist ganz konkret Menschenliebe.


4. Vielleicht schadet es jetzt auch nicht, kurz auf den Weltmissionssonntag hinzuweisen, den wir heute begehen. Hier geraten Menschen in den Blick, die in Not sind. Und indem wir sie in den Blick nehmen, ihnen versuchen beizustehen und Solidarität zu zeigen, ist genau das auch ein Akt der Gottesliebe. „Was ihr einen meiner Geringsten getan habt, habt ihr mir getan“, sagt das gleiche Matthäusevangelium an anderer Stelle. Das ist neu bei Jesus. Vielleicht auch deshalb, weil er der menschgewordene Logos des Vaters ist. Gott inkarniert sich im Menschen. Wer deshalb den Menschen Liebe erweist, erweist sie Gott.

Franz Langstein

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