21.05.2020

Predigt zu Christi Himmelfahrt 2020

Apg 1,1-11

Liebe Schwestern und Brüder!

1. Das Fest Christi Himmelfahrt, das seinen Ursprung in den biblischen Erzählungen von der Himmelfahrt Christi hat, markiert eben aufgrund dieser Erzählungen einen endgültigen Abschied. Nicht das Sterben am Karfreitag war schon das Ende; es kam die Auferstehung. Und selbst die Auferstehung war nicht das Ende, sondern er erschien den Jüngern, wie uns berichtet wurde, aber jetzt: Himmelfahrt ist das Ende. Er verlässt die Erde und die Seinen. Wir feiern Christi Himmelfahrt als Fest, normalerweise mit Weihrauch und Chor und Festgottesdienst. Ob es den Jüngern auch festlich zumute war? Himmelfahrt markiert das endgültige Ende des Miteinanders der Jünger und Christus.

 

2. Dieses Miteinander war ihnen doch so wichtig. Sie erlebten an Jesus eine Liebe, die sie erfasste. Sie erlebten an ihm ein Angenommensein und eine tiefe Sinnhaftigkeit ihres eigenen Lebens. Sie hörten, wie er Gott, das unbegreifliche Geheimnis hinter allem Leben, „gütiger Vater“ nannte und gestattete den Seinen, Gott ebenso anzureden. Sie spürten Hoffnung, die ein Leben ausfüllen kann. Sie lernten, das Leben mit neuen Augen zu sehen. Und jetzt geht er weg. Himmelfahrt. Nein, es wird den Jüngern nicht feierlich zumute gewesen sein. Er wird ihnen fehlen.

 

3. Und doch feiern wir Christi Himmelfahrt als ein Fest und tun so, als gäbe es den Abschiedsschmerz nicht und ehrlich: Wir empfinden ihn auch nicht? Karl Rahner formulierte das mal drastisch: „Er ist von uns gegangen. Es ist erschreckend, dass wir darüber keinen Schmerz empfinden. Vielleicht haben einige ihn empfunden, als wegen der Corona-Pandemie keine Gottesdienste mehr gefeiert werden durften. Egal: Statt Schmerz steht Freude: Wir feiern Christi Himmelfahrt als eine Fest, weil wir die biblische Erzählung von der Himmelfahrt Christi tiefer theologisch durchdrungen haben und weil wir in den schlichten Erzählungen von der Himmelfahrt den Ausdruck von etwas viel Tieferem erkennen.  

 

4. Dieses etwas viel Tiefere hat Karl Rahner in einem Aufsatz zu Christi Himmelfahrt in die Worte gefasst: „Er (Jesus) hat mitgenommen, was er angenommen hatte“. Gott hat sich in Christus zutiefst mit dem Menschen verbunden. Er hat in Christus die menschlich Natur angenommen. Jesus war nicht nur „consubstantialis patri“, sondern auch „consubstantialis nobis“, weseneins mit uns, und zwar mit allem, was unser Wesen ausmacht: Licht und Dunkel, Freude und Leid, Frieden und Gewalt, Leben und Tod. Und das hat er angenommen. Dieses unser menschliches Wesen war ihm so wichtig und hat er so geliebt, dass er es nicht nur ganz mit seinem göttlichen Wesen verbunden hat, also ganz angenommen hat, sondern auch in den Himmel mitgenommen hat. Mit der Himmelfahrt Christi ist der menschlichen Natur, ist also uns, bereits ein Platz im Himmel gesichert.

 

5. Das klingt jetzt irgendwie so plump. „Ist uns ein Platz im Himmel gesichert“!   Was ist damit gemeint? Gemeint ist, dass die menschliche Natur gewürdigt ist, der Ewigkeit teilhaftig zu sein. Gemeint ist, dass die menschliche Natur es aushalten kann, mitten in in Gott zu sein. Gemeint ist, dass die menschliche Natur ewiges Licht schaut und dass die Grenzen der menschlichen Natur aufgehoben sind in Gott hinein. Gemeint ist, dass der Mensch sich schon längst bei Gott angekommen wissen darf, und er deshalb keine Angst mehr vor Gott zu haben braucht. Christus hat mitgenommen, was er angenommen hat. Uns selbst. Das gilt es an Christi Himmelfahrt zu feiern.

 

6. Es gibt wunderbare ostkirchliche Ikonen, die Jesu Auferstehung zeigen. Während er aus dem Grab emporsteigt, zieht er mit seiner rechten und linken Hand Adam und Eva aus den Gräbern zu sich empor. Adam und Eva in Stellvertretung der ganzen Menschheit. Das heutige Tagesgebet hat das zusammengefasst: „Allmächtiger ewiger Gott, erfülle uns mit Freude und Dankbarkeit, denn in der Himmelfahrt deines Sohnes hast du den Menschen erhöht.“

Franz Langstein

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