13.12.2020

Predigt am 3. Adventssonntag 2020

Der Mensch im Dazwischen von Erde und Himmel, Staub und Gott

Liebe Schwestern und Brüder!

1. Ich möchte heute die kleine Predigtreihe zum Advent fortsetzen. Wir haben gesehen, dass der Mensch die Erwartungshaltung vor Gott umwandeln muss in ein vertrauensvolles Warten. Der religiöse Mensch ist deshalb ein vertrauensvoll Wartender, weil er auf die Zukunft Gottes seine Hoffnung setzt. Das vertrauensvolle Warten – so haben wir das beim letzten Mal versucht herauszuarbeiten – hat einen tiefen menschlichen Grund, nämlich: Der Mensch lebt immer irgendwie in einem Dazwischen: Zwischen Erde und Himmel, Leid und Glück, Zweifel und Glaube, Irdischem und Himmlischem, Zeit und Ewigkeit, Tod und Leben. Und weil der Mensch immer in diesem Dazwischen lebt, kann er warten. Das heißt, er kann das Irdische voll und ganz annehmen, im Vertrauen und in der Hoffnung, dass das alles nur vorläufig ist und dass das Endgültige noch aussteht. Vertrauensvolles Warten fühtr zu einer wichtigen Haltung aller echt religiösen Menschen: Gelassenheit. Und da möchte ich jetzt ansetzen und die Gedanken weiterführen.


2. Dieses vertrauensvolle Warten auf das Endgültige, das zur einer gewissen Gelassenheit gegenüber den Erscheinungen des Irdischen führt, darf nicht zu einer Apathie führen, zu einer Gleichgültigkeit gegenüber dem Leid. Gelassenheit und Gleichgültigkeit sind völlig verschiedene Dinge.


3. Letztes Mal haben wir gesehen, dass der Mensch immer irgendwie dazwischensteht, zwischen Irdischem und Himmlischen, Erde und Himmel. Staub und Gott, wie wir am Aschermittwoch bekennen. Aber was sind denn unsere Erfahrungen? Erfahren wir mehr das Himmlische oder doch mehr das Irdische? Erfahren wir mehr Gott oder den Staub? Erfahren wir mehr die Herrlichkeit und Glückseligkeit der Ewigkeit oder doch mehr die Vergänglichkeit und Zerbrechlichkeit des Zeitlichen? Dieses Dazwischen sein ist doch sehr einseitig – so scheint es mir. Wenn wir wirklich zwischen Himmel und Erde sind, dann hat das doch eine gehörige Schieflage. Die Erde erfahren wir, den Himmel nehmen wir höchstens als Hoffnung war. Die Erde ist uns präsent, der Himmel kauert irgendwo versteckt als Möglichkeit. Für manche ist das so unerträglich und die Schieflage so extrem, dass sie nicht mehr an Gott glauben können. Gepeinigt vom Irdischen haben sie keine Hoffnung mehr auf Gnade und Rettung.


4. Wenn das also auch unsere Situation ist, dass wir das Dazwischen in einer ungeheuren Schieflage erfahren, wenn uns die Erde viel näher ist als der Himmel, der Karfreitag spürbarer ist als Ostern, Karfreitag hat sich am helllichten Tag in aller Öffentlichkeit ereignet, Ostern in der Nacht im Verborgenen, wenn das also unsere Situation ist, dann müsste doch diese unsere Situation für Gott ein Anlass sein, uns entgegenzukommen, damit wir aus der Schieflage herauskommen. Es müsste Gott – mal ganz menschlich gesprochen – sich etwas einfallen lassen, damit es nicht mehr so sein kann, dass wir hauptsächlich die Erde, den Staub erfahren, aber nicht den Himmel, nicht Gott. Es darf nicht mehr so sein, dass uns die Erfahrung des Vergänglichen von Gott wegbringt; es darf nicht mehr so sein, dass die Erfahrung des Irdischen uns zweifeln lässt; es darf nicht mehr so sein, dass uns die Erfahrung des Zufälligen hoffnungslos macht. Hier ist nun Gott um seiner selbst willen angefragt!


5. Und hier leuchtet nun das Geheimnis von Weihnachten auf: „Et verbum caro factum ist“. „Und das Wort ist Fleisch geworden“. Das ewige Wort des Vaters, dass sich ins Fleisch gebracht hat, in Jesus von Nazareth, hat sich damit selbst in die Schieflage des Menschen gebracht. Auch Christus hat mehr das Leid erfahren als den Vater. Am Ende rief er sogar: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen“. Zunächst einmal muss man daher dieses Kommen Gottes in Jesus von Nazareth deuten als Ausdruck der Liebe Gottes zu uns Menschen und der Solidarität Gottes mit unserer Situation. Aber hier halten wir jetzt inne und vertiefen diesen Gedanken dann am vierten Advent. Aber Sie ahnen schon, in welche schwindelerregenden Tiefen uns die Reise führen wird.

Franz Langstein

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