12.04.2020

Predigt Ostern 2020

Liebe Schwestern und Brüder!

Es gibt Menschen, die sich die Frage stellen, ob es ein Leben nach dem Tod gibt. Oder die sich fragen, welche Religion oder welche Ansicht über ein Leben nach dem Tod die richtige sei. Die Wiedergeburtslehre ostasiatischer Religionen? Ein Leben nach dem Tod, wie es im Christentum gelehrt wird? Mit dem Leben ist Schluss, es gibt kein Leben nach dem Tod, wie es immer mehr Zeitgenossen behaupten. Und man führt nun Argumente ins Feld, die dafür oder dagegen sprechen. Und mancher Christ dann geneigt zu sagen: Die Auferstehung Jesu sein doch ein Beweis für ein Leben nach dem Tod. Die Auferstehung Jesu hat uns endgültig die Gewissheit gegeben, dass der Tod keine Endstation ist.

So gut so ein Satz klingt: Darum geht es aber nicht, wenn wir von Auferstehung reden. Es geht weder um einen Beweis, noch um Gewissheit, noch um eine Lehre oder ein Dogma. Die Botschaft von der Auferstehung Jesu ist etwas ganz anderes und gerade deshalb etwas ungeheuer Tiefes.

Bei der Botschaft von der Auferstehung Jesu geht es um eine Erfahrung und um eine Hoffnung und um eine Sehnsucht, so, wie das Volk Israel, wie ich eingangs sagte, immer geprägt war von der Hoffnung und Sehnsucht nach Freiheit. Erst, wenn wir diese tiefe Sehnsucht im Herzen tragen, erahnen wir, was Auferstehung bedeutet. Auferstehung ist nicht ein Diskussionsgegenstand wohlstandgesättigter Zeitgenossen. Um Auferstehung zu erfahren, muss man die Erfahrungen machen, die Jesus gemacht hat. Auferstehung folgt dem Kreuzweg des Lebens. Was meine ich damit?

Der Kreuzweg Jesu war doch nicht nur der Weg, den er am letzten Tag, am Karfreitag, gegangen ist. Sein Kreuzweg begann mit dem Eintritt in sein Leben. „Er, der Gott gleich war, hielt nicht daran fest, Gott gleich zu sein, sondern entäußerte sich und wurde wie ein Sklave“. Er wurde also um der Liebe Gottes willen zum Diener aller Menschen. Seine Liebe, sein Dienst, seine Hingabe, sein Opfer, dass alles war für ihn mitunter Kreuz tragen. Aber merkte das Kreuz wohl nicht, weil er liebte. Erst am Ende, wo seine Liebe aufs äußerste überstrapaziert wurde, und wo er auch nicht mehr konnte, sondern schrie: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“, da hat seine Liebe bis zum Äußersten auch als Kreuz erleiden müssen. Da bricht sie wieder durch: Diese Sehnsucht nach Freiheit; und die Enttäuschung, die bittere Erfahrung enttäuschter Freiheitshoffnung.

Und jetzt ahnen wir, was Auferstehung heißt:

Man muss den Hass gegen sich erfahren, um zu ahnen, was Ostern heißt: Der Sieg der über den Hass.

Man muss die tiefe Gottverlassenheit erfahren, um zu ahnen, was Ostern heißt: Der Sieg der Gottesgemeinschaft über alle Gotteszweifel und -verlassenheit.

Man muss die Angst erfahren, um zu ahnen, was Ostern heißt: Der Sieg der Freiheit über die einschnürende Angst.  

Man muss die Dunkelheit erfahren, um zu ahnen, was Ostern heißt: Der Sieg des Lichtes über die Dunkelheit.

Man muss Gewalt erfahren, um zu ahnen, was es heißt: Der Sieg der Gerechtigkeit über alle Ungerechtigkeit.

Und man muss den Tod erleiden, um zu erfahren, was Ostern heißt: Der Sieg des Lebens über den Tod.

Ostern ist kein Gegenstand, den man auf den Kathedern dieser Welt erklärt. Ostern ist zutiefst Sehnsucht in den Erfahrungen unsere Welt.

Ostern ist der Sieg des Menschlichen über alles Unmenschliche. Deshalb bestätigt Ostern die Menschlichkeit. Ostern bringt das zutiefst das Gute im Menschen zur Geltung und bestätigt es. Ostern sagt, dass es gut ist, die Liebe, die Gerechtigkeit, den Frieden, die Barmherzigkeit zu leben. Ostern ist das Fest der großen Freiheit, weil es uns zur Menschlichkeit befreit.

Franz Langstein

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