11.10.2020

Predigt am 28. Sonntag im Jahreskreis A20

Mt 22,1-14

Liebe Schwestern und Brüder!

1. „Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem König, der die Hochzeit seines Sohnes vorbereitete. Er schickte Diener und trug ihnen auf: Sagt den Eingeladenen: Mein Mahl ist fertig, die Ochsen und das Mastvieh sind geschlachtet. Alles ist bereit.“   Das hörten wir gerade im Evangelium.   „Mit dem Himmelreich ist es wie…“ Wie muss jemand über das Himmelreich denken, der es mit einem Hochzeitsmahl vergleicht?

 

2. In der ersten Lesung hörten wir: „An jenem Tag wird der Herr der Heere auf diesem Berg – dem Zion – für alle Völker ein Festmahl geben mit den feinsten Speisen, ein Gelage mit erlesenen Weinen, mit den besten und feinsten Speisen, mit den besten, erlesenen Weinen.“ Wie muss so etwas in damaligen Ohren geklungen haben? Es war der Inbegriff der Fröhlichkeit, der Sorglosigkeit, des Zusammenseins und einer guten Gemeinschaft, des Ausgelassenseins usw. Ein Hochzeitsmahl im Orient zur Zeit Jesu ist somit ein tiefes Symbol für das Himmelreich. Es ist eine Verheißung: So soll es sein: Ihr sollt sorglos sein, unbeschwert, fröhlich, glücklich, gesättigt mit besten Speisen und Weinen, in guter Gemeinschaft, getragen von der Stimmung.

 

3. Das wollte Jesus vermitteln. So könnte es unter euch Menschen aussehen, wenn, ja wenn… Das Leben könnte so anders sein, wie ein Hochzeitsmahl, wenn ihr es doch begreifen würdet, dass man anders leben muss. Jesus geht voran. Er zeigt, was es heißt: Anders leben. Besonders haben dies die an den Rand Gedrängten verstanden. Und viele andere Menschen auch. Sie sind ihm gefolgt. Sie haben geglaubt, dass der Himmel auf Erden Einzug halten wird. Eine Einladung in ein messianisches Himmelreich. Es sollte eine reich gesegnete Gemeinschaft sein, reich gesegnet mit Gottes Liebe. Voll Hoffnung waren die Menschen.

 

4. Aber irgendwann kippte die Stimmung. Das Himmelreich ist nicht Wellness, ist nicht Wohlfühlen, sondern ist auch Einsatz für Gerechtigkeit, ist Dasein für Andere, ist die Aufmerksamkeit und Liebe, ist Vergebung, ist anderen Menschen zu ihrem Leben verhelfen. Die mit Gott reich gesegnete Gemeinschaft muss ihrerseits diesen Segen auch zeigen und weitergeben. Kurz es kostet was. Da war dann Schluss mit lustig.

 

5. Das Hochzeitsmahl ist bereitet. Christus hat alles vorbereitet. Er hat gezeigt, wie Leben gelingen kann. Nur in einer neuen Gemeinschaft, die aus Christi Liebe lebt. Deshalb Hochzeitsmahl: Präsenz der Liebe Gottes, die sich mit uns verbündet.

 

6. Aber wenn Religion keinen Selbstzweck mehr hat, wenn es sich nicht lohnt, religiös zu sein, dann ist Schluss. Der Mensch bleibt auch religiös oft egoistisch. Nein, dann schlägt man lieber die Einladung aus. Schließlich ist der eigene Acker wichtiger, der eigene Laden muss laufen. Religion darf nichts kosten. Aber das Himmelreich ist nicht zum Nulltarif zu bekommen. So bleibt alles beim Alten: „Da wurde der König zornig und schickte sein Heer, ließ die Mörder töten und ihre Stadt in Schutt und Asche legen“. Ein Bild dafür, was passiert, wenn die Menschheit nicht endlich zu einer neuen Gemeinschaft, zu einem Hochzeitsmahl zusammenfindet.

 

7. Aber egal: Gottes Hochzeitsfest findet auf jeden Fall statt. Wenn nicht mit den Geladenen, dann eben mit anderen: „Geht hinaus auf die Straßen und ladet alle ein, die ihr trefft.“ Ja, man muss es wohl so sagen: Außerhalb der Kirche gibt es auch viele Menschen, die sich einsetzen für eine neue Welt, ein neues Denken, ein neues Miteinander. Das Hochzeitsfest Gottes mit den Menschen findet statt. Es findet statt mit denen, die etwas spüren lassen von der Liebe Gottes. Es findet statt mit denen, die sich einsetzen für Gerechtigkeit und Frieden. Es findet statt mit denen, die ein gutes Wort haben für Notleidende, Ängstliche, Einsame. Es findet statt, wo Menschen solidarisch leben, es findet statt, wo Menschen zu einer neuen Gemeinschaft zusammenfinden, in deren Mitte etwas lebendig wird von der Liebe Gottes.

Franz Langstein

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