09.02.2020

Predigt am 5. Sonntag im Jahreskreis A 20

Mt 5,13-16

Liebe Schwestern und Brüder!

1. „Ihr seid das Licht der Welt, ihr seid das Salz der Erde“, sagt Jesus. So haben wir es eben im Evangelium gehört. Wie wirkt so etwas auf uns? Arrogant? Überheblich? Unglaubwürdig? Nach den ganzen Missbrauchsfällen! Kirche: Licht der Welt, Salz der Erde? Nimmt uns die Gesellschaft so wahr? Nehmen wir uns so selbst so wahr? Es fällt uns vielleicht schwer, uns selbst als Licht der Welt und Salz der Erde zu bezeichnen. Dazu kommt, dass wir in vielen sozialen Standarts mittlerweile hinterhinken: Ausschluss der Frauen von bestimmten Ämtern in der Kirche, unsere Sexualmoral, keine demokratischen Strukturen, um nur einiges zu nennen. Wie wollen wir denn gegenüber unsrer Gesellschaft Licht und Salz sein, wenn diese uns in so manchen Punkten voraus ist? Wie wollen wir denn unserer Gesellschaft einen moralischen Spiegel vorhalten, wenn wir selbst darin nicht besonders gut aussehen? Licht der Welt – Salz der Erde. Das glauben doch viele Christen selbst kaum noch. Wir sind da bescheidener geworden. Aber, so müsste man doch jetzt einwenden: Ist diese Bescheidenheit nicht gefährlich? „Man zündet doch nicht ein Licht an und stülpt ein Gefäß darüber“, sagt Jesus. Versündigen wir uns nicht an den Menschen, wenn wir für sie nicht mehr Licht und Salz sein wollen? Haben diese Menschen nicht ein Anrecht auf das Licht? Oder ist diese Bescheidenheit, die daher kommt, dass wir Lichtsein und Salzsein als überheblich empfinden, in Wahrheit eine Flucht vor unsrer Berufung, die Jesus eindeutig ausgesprochen hat: „Ihr seid das Licht der Welt und das Salz der Erde?“ Ich denke, wir müssen uns diesem Satz einfach stellen. Er steht da als Berufung an die Jünger: „In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern.“ Wir kommen daran nicht vorbei. Es ist kein Befehl: „Ihr sollt Licht und Salz sein“, sondern ist eine Zusage: „Ihr seid es.“ Wie kann das gemeint sein, ohne dass das überheblich wirkt?   

 

2. Worum also geht es? Es geht nicht um unser Licht, um unsere Erleuchtung, unser Wissen, unser Können, unsere Stärke, und es geht nicht um moralische Perfektion oder um Vorbildhaftigkeit in Sachen Frömmigkeit. Kurz, es geht nicht darum, dass wir irgendwie eine Leuchte sind, wie man das von herausragenden Menschen so sagt. Es geht darum, dass wir ein Licht in uns tragen, das wir eben nicht von uns aus haben können. Und das auch die Welt nicht aus sich heraus haben kann. Es geht um ein Licht, das von woanders her kommt, das aus dem Jenseits, aus Gottes Herrlichkeit kommt, ja das selbst göttlich ist. Es geht um ein Licht, das uns geschenkt ist, das Christus selbst ist. Er ist genau in die Welt gekommen, um der Welt das göttliche Licht zu schenken,

 

·        damit die Menschen eine Hoffnung empfangen, die ihren Grund nicht im Irdischen hat, sondern im Göttlichen,

·        damit die Menschen einen Trost empfangen, den die Welt nicht geben kann, sondern der von oben kommt,

·        damit die Welt eine Gotteserkenntnis empfängt, die man sich nicht selbst machen kann,

·        damit die Welt zu einem Frieden fähig wird, die nur als Frucht des Geliebtseins durch Gott erwachsen kann.


Aber, so heißt es im Johannes-Evangelium: „Das wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet, kam in die Welt, aber die Welt erkannte ihn nicht.“ Deshalb sagt Jesus den Jüngern zu, dass sie Licht und Salz der Erde sind. Er will damit sagen: „Ihr, die ihr an mich glaubt, ihr tragt durch diesen Glauben ein Licht in euch, eine Hoffnung in euch, eine Liebe in euch, die lebensnotwendig ist für die Welt. Ihr macht das sichtbar, was ansonsten verborgen bliebe. Ihr macht das erfahrbar, was man sonst nicht glauben könnte.

 

3. Deshalb: Ihr seid es, das Licht. In euch strahlt etwas von woanders her. Christus. Gebt daher der Welt die Liebe, die Freundlichkeit, die Aufmerksamkeit, die Hoffnung, den Trost, all das, was so wichtig ist zum leben. „So soll euer Licht vor den Menschen leuchten, damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen“.  Kurz, wir haben der Welt das geben, was wir selbst nur empfangen können und nur dafür ist die Kirche auch da: Wir haben der Welt Gott zu geben, so wie Christus ihr Gott gebracht hat.

·        Es geht darum, dass es Menschen geben soll, durch die die Selbstzusage Gottes, d.h. dass Gott verheißen hat, dass er bei uns sei, erfahrbar wird.

·        Es geht darum, dass in Christus Gott in die Geschichte der Welt und in die Geschichte des Menschen eingetreten ist und dass es Menschen gibt, die das

         erfahrbar machen.

·        Es geht darum, dass Gott auf Erden erschienen ist, und das dieses Erschienensein weiter am Leuchten bleibt.


Am Ende möchte ich einen längeren Abschnitt von Karl Rahner vorlesen, den man nicht in eigenen Worten wiedergeben kann.  (zitiert aus „Karl Rahner Lesebuch“)

 

4. „Diese Gemeinde muss die Gemeinde sein, die in und trotz all der armseligen Spießbürgerlichkeit, die auch ihr Los ist, es laut sagt, die den atemraubenden Mut hat zu verkünden, dass dieses erbärmliche Flachland unseres Daseins Gipfel hat, die in das ewige Licht des unendlichen Gottes hineinragen, Gipfel, die wir alle erreichen können, und dass die schauerlichen, abründigen Bodenlosigkeiten noch einmal Tiefen haben, die wir nicht ausgelotet haben, auch wenn wir meinen, alles erfahren und als Absurdität entlarvt zu haben, Tiefen, die erfüllt sind von Gott selbst. Wie ein einziger Schrei müsste ein solches Zeugnis dieser Gemeinde mit ihrem unbegreiflichen Mut, der aller billigen Erfahrung des Menschen zu widersprechen wagt, über diese Geschichte stehen: Gott ist; Gott ist die Liebe; ihr Sieg ist schon geschehen; alle Bäche der Tränen des Leides, die noch durch unser Land fließen, sind in der Quelle schon versiegt; alle Finsternis ist nur die Nacht, die vor Sonnenaufgang am dunkelsten ist; es lohnt sich zu sein. Dieses Zeugnis ist der Sinn der Gemeinde, Kirche genannt.“

Franz Langstein

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