08.11.2020

Predigt am 32. Sonntag im Jahreskreis A 2020

Mt 25,1-13

Liebe Schwestern und Brüder!

1. Um das heutige Evangelium besser zu verstehen, ist es gut zu wissen, in welchem Kontext Matthäus diesen Text angesiedelt hat. Kurz vorher ist im Matthäusevangelium die Rede von einer endzeitlichen Katastrophe. Die Sonne verfinstert sich, der Mond scheint nicht mehr, die Sterne fallen vom Himmel, Seuchen und Erdbeben breiten sich aus. Dieses Katastrophenszenario – um es kurz zu beschreiben – dient dem Errichten einer neuen göttlichen Gerechtigkeit. Das Alte muss zerstört werden, damit Neues werden kann. Das Katastrophenszenario beschreibt dies in gewaltigen Bildern. Der Fokus aber liegt immer auf dem Kommen des Neuen, auf dem Kommen der Gerechtigkeit Gottes und dem Kommen Jesu Christi.

 

2. Und in diesen Kontext stellt Matthäus nun das Gleichnis von den klugen und törichten Jungfrauen. Sie warteten mit ihren Lampen auf das Kommen des Bräutigams, auf das Errichten der Gerechtigkeit Gottes. Im schönen Bild der Hochzeit, die noch aussteht, weil der Bräutigam noch kommen muss, wird dies ausgesagt. Das war die Hoffnung der ersten Christen. Diese Hoffnung aber war zur Abfassung des Matthäusevangeliums bereits auf eine harte Probe gestellt. Dies beschreibt der Satz im heutigen Evangelium: „Als nun der Bräutigam lange nicht kam, wurden sie alle müde und schliefen ein.“ Diese Hoffnung und dieser Glaube, dass Gott nun endlich sein Reich aufrichten würde, wurde mehr und mehr enttäuscht. Jesus kam einfach nicht. Und dieses Gleichnis von den klugen und törichten Jungfrauen will ermutigen, zu warten, die Hoffnung nicht fallen zu lassen und im Glauben nicht nachzulassen, kurz: Öl bereit zu halten. Es kann nämlich lang dauern. Richtet euch auf eine lange Wartezeit ein. Die Törichten glaubten nicht mehr, dass er kommen würde. Sie ließen im Glauben nach und verloren ihre Hoffnung. Das Öl in den Lampen war schnell ausgebrannt.   

 

3. Und jetzt sind wir bei uns angekommen. Auch wir können in Situationen kommen, in denen uns viel Geduld, auch viel Geduld im Glauben und Gottvertrauen abverlangt wird und die Hoffnung auf eine große Probe gestellt wird:

 

  • Eine lange Krankheit, bei der keine Besserung in Sicht ist
  • Leid- und Schicksalserfahrung, die den Glauben an Gott schwer erschüttern
  • eine Schulderfahrung, bei sich keine Versöhnung einstellen mag
  • eine Sinnfrage, die nicht beantwortet werden kann
  • eine Gottsuche, die scheinbar Gott nicht findet und kein Entgegenkommen Gottes auszumachen ist
  • eine Einsamkeit, die nicht enden will
  • eine Pflichterfüllung und Nächstenliebe, die nicht anerkannt oder belohnt wird.
  • Vielleicht auch: Corona und kein Ende in Sicht.

 

4. Wie oft sind Glauben und Hoffnung auf die Probe gestellt. Bei manchem gehen die Lampen des Glaubens aus. Sie haben kein Öl mehr vorrätig. Sie sind ausgebrannt, sie stehen im Dunkeln. Aber sie stehen nicht nur im Dunkeln, es geht auch von ihnen kein Licht mehr aus. Gott hat für sie aufgehört zu existieren. Am Ende wird der kommende Bräutigam zu ihnen sagen: „Ich kenne euch nicht“. Christus war ihnen fremd geworden, wie ein Fremder, man kennt sich nicht mehr.

 

5. Dagegen gibt es die klugen Jungfrauen, die gefasst waren, dass es im Leben schwer werden kann, dass Christus auf sich warten lässt, dass es Nacht wird. Aber sie lassen sich nicht im Glauben so schnell erschüttern. Sie haben Öl dabei. Sie überstehen die Durststrecken des Lebens. Sie verbreiten auch mitten in der Nacht Licht, weil sie von tiefen Gottvertrauen geprägt sind. Sie haben nicht nur Hoffnung, sie geben auch Hoffnung. Und es lohnt sich, diese Hoffnung zu bewahren.

 

6. So gesehen ist es ein Mut machendes Evangelium: Gebt die Hoffnung, gebt das Vertrauen, gebt den Glauben nicht auf. Keine Mühe, keine Sorge, keine Liebe, kein Opfer, keine dunkle Nacht werden vergeblich gewesen sein. Hoffentlich werde ich auch selbst das glauben können, wenn ich mal in dunkle Nacht gerate. Und hoffentlich werden meine Lampen dann nicht ausgehen.

Franz Langstein

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(nicht während der hessischen Schulferien)
Dienstag 8.30 h immer der letzte Dienstag im Monat


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