02.02.2020

Predigt am Fest "Darstellung des Herrn" 

Lk, 2,22-40

Liebe Schwestern und Brüder!

1. Der heutige Tag, „Darstellung des Herrn“, oder auch früher nicht zu Unrecht bezeichnet mit „Mariä Lichtmess“, lenkt unseren Blick auf die Symbolwelt des Lichtes. Von diesem Kind, das der betagte Simeon im Tempel in seine Arme nimmt, heißt es, dass es ein Licht sei zur Erleuchtung der Heiden.  Und so hat man aus diesem Fest ein lichtvolles Fest gestaltet mit Kerzenweihe und Lichtmetaphern. Und so wollen wir heute, in dieser so lichtvollen Stunde, in der auch uns Christus als das Licht in Wort und Sakrament erscheint, diese Lichtmetaphorik einmal aufgreifen und vertiefen.

 

2. Und wir müssen hier doch ganz ehrlicherweise zuallererst auch feststellen, wenn wir all diese Sätze hören, wie: Christus ist unser Licht; Gott erleuchtet mein Leben; Gott ist mein Licht und mein Heil usw, dass diese Sätze alle einen ganz tiefen und wahren Kern haben,  dass aber doch so manche Christen dies so für sich nicht erfahren und sagen können, oder dass sich im Laufe des Lebens das Leben eher verfinstert als erhellt hat. Auch religiös und geistlich verfinstert. Wir müssen also diese Lichtmetapher einmal ganz ernst nehmen und uns fragen, was damit in seiner ganzen Tiefe gemeint sein könnte.

 

3. Ich will hierbei zurückgreifen auf die spanische Mystik zu Beginn der Neuzeit, deren Hauptvertreter der heilige Johannes vom Kreuz und die heilige Teresa von Avila waren. Man kann ihre Mystik anhand eines Beispiels mit dem Sonnenlicht zusammenfassen: Es ist ganz ähnlich wie mit der Sonne. Wir können nicht direkt in die Sonne schauen. Wir wären innerhalb kurzer Zeit nicht nur geblendet, sondern sogar erblindet. Statt hell, würde es dunkel um uns herum werden. Wir müssen also an der Sonne vorbeiblicken. Ähnlich bei einem Licht: Je näher wir dem Licht kommen, um so mehr beginnt es uns zu blenden und wir müssen die Augen zusammenkneifen. Wir müssen es also dunkler machen um uns. Ganz ähnlich, so kann man die Aussagen der beiden Mystiker ganz kurz zusammenfassen, verhält es sich auch mit Gott. Wir können nicht direkt Gott anblicken, d.h. wir können nicht die unvermittelte Größe und Herrlichkeit Gottes sehen, wir müssen an Gott vorbeiblicken, d.h. wir können Gott nicht unvermittelt anblicken, sondern immer nur vermittelt. Und je näher wir dem Licht kommen, um so mehr blendet es uns, d.h. um so mehr müssen wir die Augen zusammenkneifen, d.h. um so mehr wird es dunkler. Ist das nicht vielmehr die Erfahrung so mancher Christen? Im Laufe des Lebens wird es in der Erkenntnis Gottes nicht heller oder besser, sondern dunkler und mysteriöser. Irgendwann wagt man überhaupt keine Aussage mehr über Gott. Wir wissen immer weniger, wer Gott ist. Und so manchem beschleicht das Gefühl, dass der Glaube ihn verlassen hat. Warum, so fragt man dann, ist Gott nicht so glänzend und lichtvoll ein meinem Leben, wie er es vielleicht früher? Und man wird verstört, weil man ja gelernt hat, dass diese gefühlte Abwesenheit Gottes eigentlich Sünde sei: Man habe wohl nicht genug gebetet oder war nicht oft genug in der Kirche oder im Beichtstuhl. Und schon bekommt man ein schlechtes Gewissen, ob man an dieser gefühlten inneren Dunkelheit nicht selbst schuld wäre. Lassen Sie sich so etwas nicht einreden von Leuten, die meinen, der Christ müsse immer im Halleluja-Modus unterwegs sein.

 

4. Nein, nehmen wir die Aussagen der Mystiker einmal ganz ernst. Könnte es dann nicht auch so sein, dass der Mensch im Laufe seines Lebens tatsächlich Gott immer näher kommt, also dem Licht immer näher kommt, dass er aber genau deshalb geblendet ist, d.h. er nichts mehr sieht und er keinerlei Aussagen mehr über Gott machen kann und dass er ein Gefühl der Gottferne und Dunkelheit bekommt, aber in Wahrheit ist die Dunkelheit der Modus seiner Gegenwart, ist also diese Dunkelheit notwendig, um nicht geblendet zu werden, weil er uns so im Laufe des Lebens so nahe gekommen ist;  und in Wahrheit ist die gefühlte Gottferne die Art und Weise, dass er uns ganz nahe sein kann? Könnte es nicht genauso um uns bestellt sein?

 

5. Wenn wir das heutige Evangelium anschauen, scheint vieles dafür zu sprechen. Es ist einmal davon die Rede, dass Maria ein Schwert durchbohren wird. Dieses Schwert gehört zum Glauben dazu. Zum Glauben gehört vieles: Freude, Trost, Vertrauen und vieles mehr. Aber es gehört auch das „Schwert“ dazu: der Zwiespalt, die Angst, die Unsicherheit, Zweifel. Maria hat diesen Glaubensweg genauso durchlitten bis zum Kreuz, bis zur scheinbar völligen Dunkelheit und Gottferne. Und noch etwas sagt das Evangelium aus: Ich sagte es schon: Es ist mitunter wie mit der Sonne: Wir können Gott nicht direkt anblicken, wir würden erblinden, wir müssen an Gott vorbeischauen. D.h. Gott kommt nicht unvermittelt auf uns zu, immer nur vermittelt.  Und da ist dieser alte Mann, der Simeon. Es ist nicht umsonst ein alter Mann, der uns hier vorgestellt wird. Je näher ein Mensch Gott kommt, umso mehr muss er an der Sonne vorbeischauen. Das hat er wohl bei all seinen Lebenserfahrungen gelernt: Man kann Gott nicht haben. Nur vermittelt. Und so erkennt ihr in den kleinen Dingen Gottes Gegenwart. In einem Kind, das ihm von Maria gereicht wird, erkennt er die Gegenwart des Göttlichen. Das Leben hat Zukunft. Das ist die Botschaft eines jeden Neugeborenen. Und Simeon erkennt darin die göttliche Verheißung: Trotz seines Alters hat auch sein Leben Zukunft. Jetzt kann er sagen: „Nun lässt du, Herr, deinen Knecht, wie du gesagt hast, in Frieden scheiden.“

Franz Langstein

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