30.06.2019

Predigt am 13. Sonntag im Jahreskreis C

Lk 9, 51-62

Liebe Schwestern und Brüder!

  1. Auf den Lebenswegen der Menschen gibt es immer wieder das, was wir „Lebenswenden“ nennen. Das Leben, das bisher gelebt wurde, nimmt eine andere Richtung. Es gibt ganz normale Lebenswenden, die im Laufe des Lebens immer wieder anstehen. Viele Jugendlichen haben in diesen Tagen ihre letzten Schultage hinter sich gebracht, etwas Neues beginnt für sie. Es gibt freiwillig gewählte Lebenswenden, wenn z.B. jemand sein bisheriges Leben radikal verändert und ihm eine neue Richtung gibt. Es gibt schicksalhafte Lebenswenden, wenn ein Mensch durch Unglück oder Leid sein Leben ändern muss, oder besser: eine Änderung aufgezwungen bekommt. Oder die letzte große Lebenswende: Wenn ein Mensch sich anschickt, alles Irdische hinter sich zu lassen und auf den Tod zugeht.


 

  1.  Das heutige Evangelium berichtet von einer Wende im Leben Jesu. Der erste Satz des Evangeliums kündet von der Entschlossenheit dieser Wende: „Als die Zeit herankam, in der Jesus in den Himmel aufgenommen werden sollte, entschloss er sich, nach Jerusalem zu gehen.“ Im Griechischen wird dieser Entschluss noch deutlicher: Es heißt wörtlich: „Richtet Jesus sein Angesicht fest darauf, nach Jerusalem zu gehen.“ Und das Lukas-Evangelium bringt diesen Entschluss in Verbindung mit „als die Zeit herankam, in der Jesus in den Himmel aufgenommen werden sollte“. Man könnte wohl auch sagen: „als die Zeit herankam, in der Jesus sein Leben vollenden sollte“.


 

  1. Jesus muss den Entschluss, nach Jerusalem zu gehen, sehr entschieden gefasst haben. Denn er geht, so wird berichtet, durch Samarien nach Jerusalem, also den kürzesten Weg, und nicht den üblichen längeren Weg durch das Ostjordanland. Und Jesus muss innerlich Abschied genommen haben; Abschied vom See Genezareth, Abschied von einer gewissen Sicherheit und Abschied von Anerkennung und Beliebtheit, die ihm am See Genezareth entgegenschlug. Jetzt geht’s nach Jerusalem, wo eine andere Stimmung herrschen wird: Auseinandersetzung, Ablehnung, Verfolgung, Hass und Kreuz. Von daher kann man die doch sehr befremdliche Ungeduld Jesu verstehen, wenn er die Leute, die ihm nachfolgen wollen, schroff abweist: „Was willst du: Ich habe keinen Ort, wo ich mein Haupt hinlegen kann. Lass die Toten ihre Toten begraben usw.“ Man hat den Eindruck, dass Jesus die Belange dieser Welt nicht mehr interessieren. Für ihn heißt es jetzt, nach Jerusalem zu gehen und die Möglichkeit des Todes in den Blick zu nehmen.


 

  1. Jesus also fasst einen festen Entschluss, seinem Leben eine Wende zu geben. Jesus hat eine Entscheidung getroffen und lebt nun in dieser Entschiedenheit. Es ist die Entschiedenheit der Liebe, die nicht davor zurückschreckt, auch die Auseinandersetzung zu suchen. Die Liebe Gottes drängt ihn, Gott auch dort zu verkünden, wo die Verantwortlichen, die Schriftgelehrten, die Hohenpriester, in Selbstgerechtigkeit und Gesetzestreue erstarrt sind, den Gott der Barmherzigkeit zu verkünden; auch auf die Gefahr hin, dass sie ihn ablehnen werden. Aber in dieser Entschiedenheit vollendet sich das Leben Jesu und kommt seine Liebe zur Vollendung. Auch und gerade am Kreuz. Deshalb diese Notiz im Lukas-Evangelium: „Als die Zeit herankam, dass Jesus in den Himmel aufgenommen werden sollte“. Also: sich das Leben Jesu vollenden sollte.


 

  1. Ich denke, dass wir da auch bei einem wichtigen Punkt unseres Lebens angekommen sind. Ich sprach eingangs von den verschiedenen Lebenswenden, die wir im Laufe unseres Lebens erfahren: Anstehende Lebenswenden, wie jetzt für manche Schulabgänger; selbst gewählte oder durch Schicksale aufgedrückte oder die letzte Lebenswende des Abschieds von der Erde: Gilt nicht auch da, was das Lukas-Evangelium sagt: „Als die Zeit herankam, in den Himmel aufgenommen zu werden“? Also könnten wir nicht darauf vertrauen, dass Lebenswenden sich auf unseren Wegen ereignen, weil unsere Wege letztlich in den Himmel führen? Käme es dann nicht darauf an, Lebenswenden entschieden zu bejahen und in Liebe zu gehen? Besteht nicht die Vollendung des Lebens genau darin, das Leben in Entschiedenheit zu leben und nicht als ohnmächtiges Opfer irgendwelcher höheren Mächte? Vielleicht ist das die Kunst des Lebens, die Kunst der Liebe. Und vielleicht hatten die drei, die Jesus auf dem Weg begegnen und ihm nachfolgen wollten und die Jesus so schroff abwies, diese letzte Entschiedenheit eben doch nicht. Sich Hintertürchen offenhaltend. Sein Leben zu leben in der Unentschiedenheit und somit in der Unbestimmtheit, sich alle Optionen offenhaltend, ob da Sinn und Erfüllung zu finden ist?  Ich sage manchmal den Jugendlichen, die sich auf die Firmung vorbereiten: „Firmung ist ein Sakrament der Entscheidung. Es ist eine Entscheidung für die christliche Gottes- und Nächstenliebe. Und genau in dieser Entschiedenheit findet ihr den Sinn und die Berufung eures Lebens. Und damit auch eure Erfüllung.  Egal, was ihr später beruflich macht. Leben vollendet sich in der Entschiedenheit für die Liebe“. 

Franz Langstein

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