30.05.2019

Predigt an Christi Himmelfahrt 2019

Apg 1,1-11

Liebe Schwestern und Brüder!

1. Wenn sich eine berühmte Persönlichkeit verabschiedet, sei es eine wichtige Person im Staat, in einer Firma oder in einem Verein, dann stellt sich oft die 

Frage: Was bleibt über sein Fortgehen hinaus bestehen? Was ist das Bleibende, das diese Person zurücklässt? Woran kann sein Nachfolger anknüpfen oder aufbauen? Was hat vielleicht sogar einen gewissen Ewigkeitswert? Und was im ganz Großen gilt, gilt ja auch für kleinere Bereiche: Wenn Kinder das Elternhaus verlassen: Was haben Eltern ihren Kindern beigebracht, was nehmen sie also nun mit ins Leben? Oder wenn jemand stirbt: Was hinterlässt er nicht nur an Materiellen, sondern auch an geistigen Dingen, an Vorbildhaftigkeit, an Verantwortungsbewusstsein, an Sorge und Liebe. Was erbt die nachfolgende Generation von der vorhergehenden? Nur Klimawandel, wie heute manche Schüler verängstigt anklagen?

 

2. Bei manchen Menschen ist die Frage nach dem, was bleibt, leichter  zu beantworten. Denken wir an die großen Künstler: An Johann Sebastian Bach, Wolfgang Amadeus Mozart, Ludwig van Beethoven, Anton Bruckner, um nur einige zu nennen. Oder Maler wie Raphael oder Leonardo da Vinci. Oder große Schriftsteller, Philosophen usw. Was sie hinterlassen haben, hat in der Tat schon überzeitlichen und überörtlichen Charakter. Beethovens Sinfonien sind nach 200 Jahren immer noch auf der ganzen Welt und auf allen Bühnen zu Hause. Zu erinnern ist dabei freilich auch an große Entdecker und Naturwissenschaftler, hier in Marburg natürlich an Emil von Behring. Was diese alle hinterlassen haben, ist wie ein großes Geschenk. Dafür sind wir ihnen dankbar und wir ehren ihr Andenken.

 

3. Und wir können natürlich auch große religiöse Gestalten nennen: Mit dem Namen Mose verbinden sich die Zehn Gebote. Was ist da der Menschheit geschenkt worden an Lebensweisung und Ethik! Mit den Propheten des Alten Bundes verbinden wir den Einsatz für die Gerechtigkeit, Frieden und für das Heil des Menschen. Hosea hat verkündet: „Denn ich, Gott, habe Lust an der Liebe, und nicht am Opfer, und an der Erkenntnis Gottes, und nicht am Brandopfer.“ Jesus wird genau an dem, was Hosea und die Propheten hinterlassen haben, anknüpfen und sagen: „Barmherzigkeit will ich, nicht Opfer“.  Ob also Musikwerke oder große Gemälde, ob große Dramen und Romane oder ein großes religiöses Erbe – mit all dem verbinden wir auch immer Namen – Namen großer Künstler oder großer Gestalten.

  

4. Heute, an Christi Himmelfahrt, gedenken wir auch eines Abschieds. Und es bleibt auch hier die Frage: Was bleibt? Was hat Jesus Bleibendes hinterlassen? Was ist das, was wir heute noch mit seinem Namen verbinden? Und ist das, was er hinterlassen hat, von so einem bleibenden Wert, dass es nicht verloren gehen sollte? Wie geben wir also weiter, was er hinterlassen hat? Himmelfahrt: Ich glaube, diese Frage drängt sich - wie bei so manchen Abschied - eben auch heute auf. Was hinterlässt uns der, der da geht?

 

5. Das wäre sicherlich auch einmal eine spannende Frage, über die jeder für sich einmal nachdenken könnte: „Was ist für mich das, was Jesus hinterlassen hat? Und was ist für mich von dem wichtig, dass es weitergegeben werden sollte?“ Für mich sind es im Wesentlichen drei Dinge, die ich kurz anreißen möchte:


Papst Benedikt hat das einmal schön ins Wort gebracht, als er fragte: „Was hat den Jesus eigentlich gebracht?“ Und die Antwort ist so schlicht und deshalb so treffend: „Er hat uns Gott gebracht.“ Das hat uns Christus hinterlassen. Und zwar so sehr hinterlassen, dass wir als Christen „Gott“ unmittelbar mit seiner Person in Verbindung bringen. Wir können von Gott nicht mehr anders reden als von dem Gott, den uns Christus verkündet hat: Den Liebenden, sich uns Schenkenden, der wie der Vater dem verlorenen Sohn um den Hals fällt, der wie ein Diener ist, der den Seinen die Füße wäscht. Leben und Botschaft Jesu spiegeln diesen Gott wider.

Zweitens hat für mich Jesus tatsächlich auch etwas hinterlassen, das er explizit auch als Hinterlassenschaft bezeichnet hat und die Seinen aufgefordert hat, es zu pflegen und zu hüten und bewahren: „Tut dies zu meinem Gedächtnis“ hat Jesus gesagt. Er meinte das gemeinsame Mahl, um das herum sich eine neue Gemeinschaft bildet, eine mit Gott versöhnte Gemeinschaft, in der die Liebe Gottes immer lebendig erfahrbar bleiben sollte. Nicht nur in Brot und Wein, sondern auch im Umgang miteinander.

Und drittens, so überliefert es uns die heutige Lesung aus der Apostelgeschichte: Unmittelbar vor seinem Weggang zum Vater sagt Jesus: „Ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen, der auf euch herabkommen wird; und ihr werdet meine Zeugen sein in Jerusalem und in ganz Judäa und Samarien und bis an die Grenzen der Erde.“ Das, was uns also Jesus an Frieden, an Liebe, an Gemeinschaft hinterlassen hat, ist so wichtig, dass wir, angesteckt von diesem Geist, Zeugen sein sollen, d.h. es weitergeben sollen.

 

6. Ja, in einer Zeit großer Glaubensumbrüche und -abbrüche tut es mal wieder gut, darüber nachzusinnen, was es eigentlich ist, was Jesus mit seinem Abschied an Himmelfahrt uns hinterlassen hat. Sind wir Christus dankbar, ehren wir sein Andenken?

Franz Langstein

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(nicht während der hessischen Schulferien)
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Freitag 18.30 h Heilige Messe