29.07.2019

Predigt am 17. Sonntag im Jahreskreis C

Lk 11,1-13

Liebe Schwestern und Brüder!

1. Was sollen wir heute mit solchen Stellen anfangen: „Sucht, und ihr werdet finden; klopft und es wird euch aufgetan; bittet, und es wird euch gegeben.“ Sind heute solche Sätze nicht wie offene Flanken, in die hinein der Atheismus stoßen kann? Der Atheismus, der nämlich sich darauf berufen kann und sagen kann: Eben, ihr habt gesucht und nicht gefunden; ihr habt angeklopft, und es wurde euch nicht aufgetan, ihr habt gebeten, und es wurde euch nicht gegeben.“ Und die klassische Antwort so mancher Frommen lautet dann: Dann habt ihr eben noch nicht genug gesucht, geklopft und gebetet. Du musst nur genügend beten, dann geht es dir besser. Und dann folgt das schlechte Gewissen, dass man an der eigenen Misere selbst schuld ist, denn man hat ja noch nicht genügend gebetet und so nicht fromm genug gewesen.  Wir müssen diese Stellen ganz anders betrachten, nämlich mit dem Herzen und der Erfahrung Jesu. Was meine ich damit?

 

2. Wenn uns dieser Satz: „Sucht, und ihr werdet finden; klopft und es wird euch aufgetan; bittet, und es wird euch gegeben“ im Lukas-Evangelium überliefert ist als Wort Jesu, dann müssen wir uns in die Lage Jesu hineinversetzen, um diesen Satz zu verstehen.

 

3. In der Tat kann dieser Satz das Einfallstor des Atheismus sein. „Wo hat denn Gott geholfen, z.B. im Auschwitz?“ Aber eine solche Kritik ist immer eine Kritik von außen. Aus der Sicht Jesu stellt sich das ganz anders dar. Jesus lebt in einer tiefen Beziehung zu Gott, seinem Vater. Und diese Beziehung ist eine Beziehung der Liebe und des Vertrauens. Das Johannes-Evangelium beschreibt dies einmal mit dem Satz: „Nur der Vater kennt den Sohn und nur der Sohn kennt den Vater.“ Jemanden kennen aber heißt: Sich ihm gegenüber aussprechen und sich ihm gegenüber zu erkennen geben, sich ihm gegenüber öffnen, ihm sagen, wer ich bin und was mich bewegt. Das ist wohl gemeint mit den Verben: „Wer sucht, wer anklopft, wer bittet.“ D.h. ich spreche mich Gott gegenüber so aus, dass ich mich ihm zu erkennen gebe. Ich offenbare mich Gott. Aber sich aussprechen und sich zu erkennen geben, kann man nur im geschützten Raum, d.h. im Raum des Vertrauens und der Liebe.   

 

4. Wenn man also bei Gott „sucht, anklopft oder bittet“, dann heißt das, das ich mich vor Gott in meinem Suchen, d.h. in meiner Sehnsucht zu erkennen gebe; wenn ich anklopfe, dann heißt das, dass ich mich Gott zu erkennen gebe in meiner Bedürftigkeit und wenn ich bitte, dann heißt das, dass ich mich vor Gott zu erkennen gebe in meiner Unerfülltheit, in meinem Gefühl des Defizitären in meinem Leben. Und wenn so ein Wort im geschützten Raum der Liebe und des Vertrauen zu Gott ausgesprochen wird, dann geschieht etwas: Wir bringen unser Leben vor Gott. Und indem wir es vor Gott bringen, bringen wir es in die Allmacht und Geborgenheit Gottes; und der Mensch macht die glückliche Erfahrung, dass es dann doch stimmt: „Wer sucht, wird finden; wer anklopft, dem wird geöffnet; wer bittet, dem wird gegeben.“

 

5. Karl Rahner hat dies mal wieder auf seine unnachahmlich tiefe Art gesagt: „Die Worte, die wir zu Gott sagen, sie können leise und arm und schüchtern sein. Wenn sie nur von Herzen kommen… Dann hört sie Gott. Dann wird er keines dieser Worte vergessen. Dann wird er die Worte in seinem Herzen aufbewahren, weil man die Worte der Liebe nicht vergessen kann. Dann wird er uns geduldig, ja selig uns zuhören, ein ganzes Leben lang, bis wir ausgeredet haben, bis wir unser ganzes Leben ausgeredet haben.“

Franz Langstein

Kontakt

Katholisches Pfarramt

St. Johannes Evangelist


Ritterstraße 12
35037 Marburg

Tel. 06421-91390

Fax: 06421-913914

Pfarrbüro - Öffnungszeiten

Montag - Freitag: 8.00 - 12.00 Uhr


Montag, Mittwoch & Donnerstag:

13.30 - 17.30 Uhr



 

Gottesdienste

Samstag 18.00 h Vorabendmesse alle 2. Wochen in St. Jakobus, Wenkbach
Sonntag 11.00 h Heilige Messe
Sonntag 11.00 h Kinderwortgottesdienst im Kirchensälchen, am 2. und 4. Sonntag im Monat


(nicht während der hessischen Schulferien)
Dienstag 8.30 h immer der letzte Dienstag im Monat


Morgengebet mit anschließendem Frühstück im Kirchensälchen
Donnerstag 9.45 h Heilige Messe im APH St. Elisabeth, Lahnstraße 8
Freitag 18.30 h Heilige Messe