27..01.2019

Predigt am 3. Sonntag im Jahreskreis C 2019


Lk 1,1-4; 4,14-21

Liebe Schwestern und Brüder!

1. Wie wir gerade im Evangelium hörten, war es damals durchaus üblich, dass ein Teilnehmer am Synagogengottesdienst einen Schrifttext liest und eine kurze Auslegung vorlegt. Jesus macht davon auch Gebrauch. Und das wird so richtig spannend erzählt. Man merkt förmlich, wie hier eine Erwartungshaltung aufgebaut wird: Jesus stand auf, um aus der Schrift vorzulesen. Man reichte ihm das Buch des Propheten Jesaja. Er schlug das Buch auf und fand die Stelle, wo es heißt: „Der Herr hat mich gesandt, damit ich den Armen eine gute Nachricht bringe damit ich den Gefangenen die Entlassung verkünde und den Blinden das Augenlicht" usw., dann schloss Jesus das Buch. Dann setzte er sich. Sie merken, wie jedes kleine Detail hier beschrieben wird. Wie langsam das alles vonstatten geht. Wie Spannung und damit Erwartung aufgebaut wird. Und deshalb heißt es jetzt: „Die Augen aller in der Synagoge waren auf ihn gerichtet.“ Jesus hat eine große Erwartungshaltung aufgebaut. Man erwartet jetzt eine tiefe Predigt. Und dann sagt Jesus einen Satz: „Heute hat sich das Schriftwort, das ihr eben gehört habt, erfüllt.“ Zack, fertig, das war’s. Man mag vielleicht enttäuscht sein, dass da nicht mehr kam. Aber ich glaube, dass die Leute nicht enttäuscht waren. Denn das muss man erst mal bringen. Das ist so kurz und knapp und so unerwartet, dass man unwillkürlich anfängt, sich darüber Gedanken zu machen. „Hoppla, was ist denn jetzt los. Damit hat keiner gerechnet.

 

2. Das muss man erst mal bringen, dass man die uralten Verheißungen des Propheten Jesaja vorliest und dass man dann sagt: „Heute hat sich das alles erfüllt.“ Was geschieht also hier? Jesus predigt hier nicht über einen Schrifttext, so wie das der Pfarrer der Kugelkirche, Franz Langstein, immer macht. Jesus versucht nicht, den Text zu erklären oder ihn für die Menschen zu erschließen. Jesus steht nicht dem Text gegenüber und macht ihn zum Objekt seiner Überlegungen – nein, all das nicht.  Nein, indem Jesus sagt, dass sich heute der Text erfüllt hat, sagt er, dass der Text eins ist mit ihm und dass durch ihn der Text Gestalt angenommen hat. Dieser Text erzeugt beim Vorlesen nicht einfach Schallwellen, die in die Ohren der Zuhörer dringen und die deshalb den Text hören, nein, diese alten Verheißungen haben Gestalt angenommen und werden deshalb nicht nur einfach gehört, sie werden lebendig und finden Erfüllung. Die Erfüllung dieser alten Verheißungen sollen konkret erfahrbar werden. Das geht aber nur durch Menschen, die sich dafür einsetzen, dass diese Verheißungen erfüllt werden, dass nämlich „Armen eine gute Nachricht“ gebracht wird, dass den „Gefangenen Entlassung verkündet“ wird, und den „Blinden das Augenlicht“ gegeben werde. Jesus ist dieser Mensch, der deshalb gekommen ist. Solange Verheißungen nur Buchstaben bleiben und vorgelesen werden, sind sie unerfüllt und Gott gerät in den Verdacht, falsche Versprechungen gemacht zu haben.  Wenn aber Menschen sich dieser Verheißungen annehmen und diese Verheißungen Gestalt annehmen durch das Leben der Menschen, dann beginnen die Verheißungen sich zu erfüllen und Gott wird gelobt ob der Tatsache, dass seine Verheißungen sich erfüllen. Jesus steht dafür ein, dass Gott keine falschen Versprechungen gemacht hat. Er, Jesus, ist deshalb das Wort des Vaters, das einzuhalten er gekommen ist. „Heute hat sich das Schriftwort erfüllt“.

 

3. In dem Zusammenhang dürfen wir uns durchaus auch fragen, ob nicht die Kirche und jede Gemeinde die Gestalt gewordene Erfüllung göttlicher Versprechen und Verheißungen sein sollte.

 

4. Mir fällt dabei ein, was Mutter Theresa von Kalkutta ihren Mitschwestern eingeschärft hat. Mutter Theresa und ihre Schwestern haben sich um Verelendete und um Sterbenskranke in Kalkutta gekümmert. Und Mutter Theresa hat zu ihren Schwestern gesagt: „Redet nie von Jesus, wenn man euch nicht fragt. Ihr sollt nicht von Jesus reden, sondern ihr sollt wie Jesus leben“. Nicht Worte sollen von Jesus künden, sondern indem Jesus Gestalt wird und durch die Schwestern lebendig wird, wird Jesus erfahrbar. Darum soll es gehen. Darum muss es auch uns gehen.

Franz Langstein

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