25.12.2019

Predigt an Weihnachten – Am Tag


Liebe Schwestern und Brüder!

1. Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht. Mir tut dieser Weihnachtsgottesdienst am 1. Weihnachtsfeiertag so gut. Endlich, nach all dem Oberflächlichem, das man in der Adventszeit über sich ergehen lassen muss, strahlt hier ein heiliger Ernst. Als ich vor Weihnachten einmal einkaufen ging, dudelte zum tausendsten Mal das „Jingle Bells“ aus den mittlerweile dadurch schon krank gewordene Lautsprecher. Ich fragte die Frau an der Kasse, ob sie denn eine finanzielle Entschädigung dafür bekäme, sich jeden Tag diesen Kitsch anhören zu müssen. „Ach, ich höre das schon gar nicht mehr“, war ihre Antwort. Gut, dass der Körper diese Selbstschutzfunktion hat. Dagegen hier: Mozart, eine feierliche Messe, ein Aufstrahlen an Festlichkeit, das hört man nicht nur, das berührt die Herzen. Wie gut das tut nach all dem Gedudel in unsrer Stadt. Oder die Gerüche: Die Glühweinschwaden, die durch die Gassen wehen, und wenn man ungünstig steht, sind sie noch gepaart mit Brautwurstduft, der um die Ecke sich mit den Glühweinduft vermischt. Hier: Ich weiß nicht: Ich mag es: Der Weihrauchduft. Künder des Heiligen. Symbol einer anderen Sphäre. Oder die Texte, mit denen viele von uns auf Weihnachtsfeiern manchmal zugetextet werden. Süßlich, langweilig, dahinplätschernd, ohne Tiefe. Und wie gut tut heute so ein Text: „Im Anfang war das Wort, und das Wort war Gott. Im Anfang war es bei Gott…. Und das Wort ist Fleisch geworden“. Wie tut das gut: Ein anspruchsvoller Text. Ein tiefer Text. Ein herausfordernder Text. Deshalb mag ich den Weihnachtsgottesdienst so nach all dem Oberflächlichen der Adventszeit. Was für ein Text! Man spürt: Hier geht es ums Ganze. Hier geht es um Sinn, um Tiefe, um Alles oder Nichts, um mein Leben. Verharren wir deshalb einen Augenblick bei dem Kernsatz zum heutigen Weihnachtsevangelium: „Und das Wort ist Fleisch geworden.“

 

2. Stellen wir uns mal vor, wir gehen einfach so durch die Stadt. Hunderte von Menschen kommen uns entgegen. Manchmal nimmt man einander wahr. „Oh, schicke Schuhe, muss ich auch haben.“ „Hübscher Mantel“. Viel passiert da nicht. Und doch kann es manchmal passieren, dass unter Hunderten von Blickkontakten einer dabei ist, wo man spürt: Da kommt etwas Besonderes zum Ausdruck. Da steht für einige Sekunden etwas im Raum, das Interesse geweckt hat. „Bestimmt ein interessanter Mensch“, denkt man dann. Es hat sich in einem kurzen Augenblick etwas ausgedrückt, das mehr ist als diese äußere und flüchtige Erscheinung. In dieser kurzen Begegnung schien für einen Moment eine tiefere Wirklichkeit auf. Für einen kurzen Augenblick gab es so etwas wie eine Resonanz in mir. Diese Begegnung hat was zum Klingen gebracht, ohne dass ich genau weiß, was. Und wenn man jetzt füreinander Zeit hätte, dann würde diese tiefere Wirklichkeit des Anderen zur Sprache kommen. Es würde ins Wort gebracht werden.  Und es könnte sein, dass dieser Austausch nicht nur sehr interessant sein könnte, sondern fürs eigene Leben sehr bereichernd und das eigene Leben verändernd. Das Wort bringt eine tiefere Wirklichkeit zur Sprache. Aber diese Wirklichkeit hat bereits vorher in einer flüchtigen Begegnung einen Resonanzraum eröffnet.

 

3. Und nun zu dem Satz: „Und das Wort ist Fleisch geworden.“: Die Menschheitsgeschichte ist auch immer geprägt von der Suche nach dem Unendlichen, dem Ewigen, den Göttlichen. Die Götter waren Ausdruck dieser Suche. Hinter allem sah der Mensch eine größere Wirklichkeit. In menschlichen Erfahrungen und Erlebnissen, in Erfahrungen von Natur und Liebe sahen die Menschen diese größere Wirklichkeit. Im Irdischen kam etwas Ewiges zum Klingen. Irgendwie waren diese Begegnungen selbstverständlich. Und immer wieder gab es doch besondere Begegnungen. Solche religiösen Erfahrungen wurden festgehalten; Religionen entstanden. Religionen kann man vielleicht so beschreiben: Resonanzräume des Ewigen. Und „als die Fülle der Zeit kam“, da lebte jemand, vor 2000 Jahren, dessen Begegnung mit dieser Welt einen großen Resonanzraum eröffnete. In dieser Begegnung von Jesus mit den Menschen kam etwas viel Tieferes zum Ausdruck: Dieses Tiefere war etwas Ewiges, Göttliches, ja Gott selbst, und es klang wieder im Herzen der Menschen. Die Menschen spürten: Dieser Leib Christi, dieses Fleisch, wie Johannes es ausdrückt, ist mehr. Ist Ausdruck einer göttlichen Wirklichkeit. Hier, in diesem Leib Christi, in diesem Leben, bringt sich Gott zum Ausdruck. Und die Menschen sahen darin die höchste Ausdrucksform Gottes, den Menschen anzunehmen. Dieses Wort der Liebe verbindet sich mit den Menschen, indem es selbst Mensch wird.

 

4. Das sind jetzt 2000 Jahre her, und immer noch spürt der Mensch in dieser Begegnung, dass hier nicht einfach ein Kind in der Krippe liegt und hier nicht einfach eine Mensch leben wird, sondern dass es hier zu einer Begegnung zwischen Gott und Mensch kommt. Und bis heute klingt diese Begegnung in unserem Herzen nach.

Franz Langstein

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Sonntag 11.00 h Heilige Messe
Sonntag 11.00 h Kinderwortgottesdienst im Kirchensälchen, am 2. und 4. Sonntag im Monat


(nicht während der hessischen Schulferien)
Dienstag 8.30 h immer der letzte Dienstag im Monat


Morgengebet mit anschließendem Frühstück im Kirchensälchen
Donnerstag 9.45 h Heilige Messe im APH St. Elisabeth, Lahnstraße 8
Freitag 18.30 h Heilige Messe