24.11.2019

Predigt zum Chriskönigsfest C19

Lk 23,35-43

Liebe Schwestern und Brüder!

1. Wir feiern heute das Christkönigsfest und bekennen Christus als König. Ein solches Bekenntnis wirkt heute ein wenig anachronistisch, wenn man bedenkt, dass die wenig verbliebenen Könige und Königinnen unserer Tage mehr oder weniger Marionetten sind als Gestalter von Politik und Gesellschaft. Aber sehen wir einmal davon ab und nehmen wir einmal dieses Bekenntnis so, wie es da steht: Christus ist König. Dann müsste doch von einem König Faszination ausgehen, dann müsste man doch von ihm so etwas wie majestätische Erhabenheit erwarten dürfen, dann müsste doch so etwas wie königliche Herrlichkeit und Herrschaft sichtbar werden. Das hieße: einen solchen Könige wolle man doch auch mal sehen. Wenn die Königin Silvia aus Schweden einmal nach Deutschland kommt, in ihre alte Heimat, dann stehen die Menschen an den Straßen Spalier.

 

2. Wo also finde ich Christus als König? Die Heiligen Drei Könige zogen aus dem Morgenland gen Westen, weil sie einen Stern haben aufgehen sehen, der ihnen die Geburt eines neuen Königs ankündigte. Und natürlich zogen sie in die Hauptstadt Jerusalem, weil dort zuerst die Geburt eines Königskindes zu vermuten ist. Dass sie das königliche Kind dann in einer Krippe im „Nest“ Bethlehem finden würden, hätten sie wohl auch nicht gedacht. Und dass dieses königliche Kind dann später zu finden ist bei den Aussätzigen, den Unreinen, den Sündern und Zöllnern, bei einem Zachäus, bei der einfachen Bevölkerung am See Genezareth, damit war nicht zu rechnen. „Bei einem Sünder ist er eingekehrt“, tuscheln die Leute in Jericho, als sie sahen, dass er bei Zachäus zu Gast war.  Könige sind normalerweise unter Ihresgleichen und in Palästen wie der König Herodes. So gehört sich das. Und dass wir ihn heute finden am Kreuz, mitten unter Verbrechern, das ist die logische Fortführung dessen, wo wir das Königskind schon vorher immer gefunden haben: bei den Ausgestoßenen und Sündern. Angefangen von der Krippe in Bethlehem bis hin zum Kreuz ist das wie ein roter Faden im Leben Jesu. Suchten wir also Jesus, sollten wir nicht wie die Hl. Drei Könige zuerst in Jerusalemer Palast nachfragen, sondern nach Bethlehem gehen. Suchten wir ihn, dann finden wir ihn nicht bei den Mächtigen seiner Zeit, sondern bei den Ohnmächtigen.  Suchten wir ihn, dann finden wir ihn nicht mit Glorienschein und herrschaftlichen Insignien, sondern wir finden ihn am Kreuz. Die Szene im heutigen Evangelium ist eine Szene in der Reihe vieler ähnlichen Szene. Die Szene im heutigen Evangelium ist der Endpunkt vieler anderen Szenen im Leben Jesu. Wir finden ihn dort, wo sonst kaum einer zu finden ist. Wir finden ihn bei den Verbrechern. Eigentlich verwundert es gar nicht mehr, ihn dort zu finden. Wo sollten wir ihn sonst finden? Ihn dort unter den Verbrechern am Kreuz zu finden, ist der Höhepunkt und Endpunkt der wahren Solidarität und Liebe Gottes zu den Menschen, die hier am Kreuz Jesu abzulesen ist.

    

 

3. Und noch etwas springt sofort ins Auge, wenn wir den heutigen Text auf uns wirken lassen: Es ist der Spott und die Verhöhnung, sarkastisch und zynisch vorgetragen. „In jener Zeit verlachten die führenden Männer des Volkes Jesus und sagten: Anderen hat er geholfen, nun soll er sich selbst helfen, wenn er der erwählte Messias Gottes ist.“ Auch die Soldaten verspotten ihn und reichten ihm Essig. Und Pilatus, der verantwortlich war für die Kreuzigung Jesu, verspottete ihn, indem er ein Schild ans Kreuz anhängen ließ: „Das ist der König der Juden“. Das brutale Geschäft der römischen Besatzungsmacht, gnadenlos. So verfahren wir mit jedem, der sich hier als König ausgibt. Und auch einer der Verbrecher stimmt ein in den Spott. Das ist dieser ungeheuerliche Zynismus: „Anderen hat er geholfen, nun soll er sich selbst helfen, wenn er der erwählte Messias Gottes ist.“

 

4. Was ist daran so zynisch? Sie geben ja durchaus zu, dass er anderen geholfen hat. Sie geben also durchaus zu, dass er ein guter und hilfsbereiter Mensch war. Da wäre doch die Logik zu sagen: „Anderen hat er geholfen, nun wollen wir ihn auch helfen. Anderen hat er geholfen, nun wollen wir ihn dafür belohnen. Anderen hat er geholfen, jetzt wollen wir dafür auch nicht im Stich lassen.“ Stattdessen stehen sie gefühllos da und spotten: „Hilf dir doch jetzt selbst!“ Die vielen guten Taten Jesu werden nicht belohnt. Die guten Taten haben keine Dankbarkeit erzeugt, sondern sie lassen ihn jetzt allein am Kreuz. Und mitten darin spricht Jesu die Sätze: „Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun“. Und zu dem Verbrecher: „Heute noch wirst du mit mir im Paradies sein.“ Selbst da noch, am Kreuz, inmitten von Hohn und Spott und Einsamkeit, spricht Jesu Worte der Vergebung und der Liebe. Er bleibt sich ganz und gar seiner Linie treu, die Linie der Vergebung und des Erbarmens.

 

5. Deshalb ist er ein König. Nicht aufgrund seiner äußeren Macht oder seines Pomps – das alles hat er nicht – sondern aufgrund seiner Haltung. Denn die Liebe ist die wahre königliche Haltung des Menschen. Die Zuneigung zu den Armen und lieblos – im wahrsten Sinne des Wortes – lieb-los behandelten Menschen, diese Zuneigung zu ihnen ist eine königliche Haltung. Ja, wo können wir also Christus als König finden, haben wir am Anfang gefragt. Mitten in unsrem Leben, dort, wo wir selbst Liebe, göttlichen Beistand und Erbarmen angewiesen sind. Und am Kreuz unseres eigenen Lebens. Gut, dass wir   so  einen König haben. 

Franz Langstein

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