22.12.2019

Predigt zum 4. Advent A20

Mt 1,18-24

Liebe Schwestern und Brüder!

1. Wir haben vielleicht mal gelernt, dass man die Anfangskapitel des Matthäus- bzw. des Lukasevangeliums als „Geburts- und Kindheitsgeschichte“ bezeichnet. Mit dieser Bezeichnung hat man dem Missverständnis Vorschub geleistet, als handele es sich bei diesen Erzählungen um echte Geschichte, also um Historisches aus der Zeit Geburt Jesu und seiner Kindheit. Und genau damit hat man diese so schönen Erzählungen zerstört. Auch wenn wir das heutige Evangelium hören, und man diese Erzählung befragen wollte, ob sie sich wirklich so abgespielt hat, dann wird man Ende die Antwort bekommen: „Wer’s glaubt, wird selig“, und die Geschichte als uninteressant oder gar falsch beiseitelegen. Schade.

 

2. Diese Erzählungen, und kommen wir gleich zum heutigen Evangelium, diese Erzählung ist doch eine wunderbare Ausschmückung eines Eingreifens Gottes in unsere Welt, mit dem er seine Verheißungen erfüllen will. Ein Eingreifen Gottes – ja, wie soll man das besser beschreiben als mit solchen Erzählungen. Das ist großartige orientalische Erzählkunst und nicht Geschichtsschreibung. Wenn man so will: Es handelt sich hier um eine erbauliche, belehrende und ausschmückende Erzählkunst, wirkliche Kunst, die angebracht ist, um etwas auszudrücken, was mit beschreibenden Wort nicht auszudrücken ist. Mit großartiger Erzählkunst wird also hier eine Wahrheit in Szene gesetzt, die sich festmacht an den beiden Namen, die im Text vorkommen: „Jesus“ und „Immanuel“.

 

3. Einmal sagt der Engel im Traum zu Josef. „Sie, also Maria, wird einen Sohn gebären, den sollst du den Namen Jesus geben.“ Und weiter unten heißt es: „Seht, die Jungfrau wird einen Sohn gebären, und man wird ihm den Namen Immanuel geben“. Diese Namen drücken das Wesen dieses Kindes aus. Jesus heißt „Gott rettet“, und Immanuel „Gott ist mit uns“. Später wird Jesus das in durch sein Leben erfahrbar machen.

 

4. Und wenn wir diese Erzählung so verstehen, dann entfaltet sie doch ihre ganze Schönheit, ja sogar einen gewissen Humor: Maria ist offensichtlich schwanger. Josef, ihr Verlobter bemerkt das natürlich irgendwann. Jetzt büxt er aus. Damit gelingt es, ihn als gerechten Menschen darzustellen, denn wenn er, Josef, nicht der Vater ist, dann muss es ein anderer sein. Und wenn das raus kommt, dann wäre das schlimm für Maria, sehr schlimm. Also räumt er das Feld und bringt die Sache nicht zur Anzeige. Aber jetzt läuft etwas aus dem Ruder. So war das wohl nicht gedacht, dass sich Josef aus dem Staub macht. Also wird jetzt die göttliche Welt auf den Plan gerufen. Jetzt muss sich Gott erklären. Gott muss nun dem Josef klar machen, dass er zurück muss. Gott tut das natürlich nicht selbst, sondern hat dafür seine Leute. Die Engel. Und dieser Engel erklärt ihm nun, was los ist. Aber der Engel erklärt es nicht nur dem Josef, sondern er erklärt es allen Lesern des Evangeliums. Indem also Josef davongeht, gelingt es dem Evangelisten Matthäus, den Raum zu öffnen für eine Erklärung Gottes. Und vor den Lesern liegt nun das Geheimnis unmittelbar vor Augen. Und was ist das für ein großes Geheimnis!!!  

 

5. „Immanuel“, Gott mit uns. Das ist allerdings nicht einfach nur so zu verstehen, dass Gott unser Helfer und Beistand ist, dass er bei uns in guten und bösen Zeiten, dass seine Barmherzigkeit uns begleitet und dass er uns kennt und um uns weiß und deshalb Milde und Verständnis walten lässt, dass er Schutz ist und Halt und dass wir ihn begegnen in Sakramenten und Mitmenschen. Nein, dieses „Immanuel“ ist viel tiefer zu verstehen. Es geht am Ende gar nicht mehr darum, dass sich diese Nähe Gottes erweisen müsste in Taten und Wundern, am Ende wird diese Nähe sogar ausgesagt am Kreuz, im Leiden und Sterben. Hier kommt dieser Satz „Gott ist mit uns“ zur letzten Fülle. Es ist uns also in Christus ein Leben geschenkt, eine Fülle geschenkt, eine Ewigkeit und Herrlichkeit geschenkt, die göttliche Ewigkeit und Herrlichkeit ist. Ja, Gott selbst ist uns geschenkt. Da ist der Satz „Gott ist mit uns“ in tiefster Radikalität ausgesagt. Die Theologie spricht später von der „ungeschuldeten Gnade“, also reines Geschenk.

 

6. Und diese Selbsthingabe Gottes, man kann darüber nur Staunen, oder so schöne ausschmückende Erzählungen schreiben. Oder wie es Karl Rahner in die Worte gefasst hat: „Inmitten der nahen Unbegreiflichkeit Gottes zu wohnen, von Gott selbst so geliebt zu werden, dass die erste und letzte Gabe die Unendlichkeit selber ist, das ist erschreckend und selig zumal. Aber wir haben keine Wahl. Gott ist mit uns“.

Franz Langstein

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Sonntag 11.00 h Heilige Messe
Sonntag 11.00 h Kinderwortgottesdienst im Kirchensälchen, am 2. und 4. Sonntag im Monat


(nicht während der hessischen Schulferien)
Dienstag 8.30 h immer der letzte Dienstag im Monat


Morgengebet mit anschließendem Frühstück im Kirchensälchen
Donnerstag 9.45 h Heilige Messe im APH St. Elisabeth, Lahnstraße 8
Freitag 18.30 h Heilige Messe