22.09.2019

Predigt Caritas-Sonntag 2019


Liebe Schwestern und Brüder!

1. Heute begehen wir den Caritassonntag. Er will uns nicht einfach nur an die vielfachen Tätigkeiten des katholischen Hilfswerkes „Caritas“ erinnern und uns zu einer großzügigen Kollekte einladen, vielmehr geht es auch um wesentlich Tieferes. Wenn wir von „Caritas“ reden, dann fällt uns vielleicht auch der biblische Satz ein: „Deus caritas est“ – Gott ist die Liebe. Wenn wir also von Caritas reden, dann reden wir vom tiefsten Wesen Gottes. Wir tauchen also ein in das tiefste Wesen des Dreifaltigen Gottes, der in seiner inneren Liebesbeziehung Leben und Fülle ist. Aber diese Liebesbeziehung hat sich kundgetan in Jesus Christus. Durch sein Leben und seine Botschaft können wir wirklich sagen: „Deus caritas est“. Christus hat uns also dieses innerste und zugleich verborgene Wesen Gottes erfahrbar und sichtbar gemacht. Christus ist sozusagen die Außenseite Gottes, die Selbstentäußerung Gottes, wie die Heilige Schrift sagt. Durch Christus kamen die Menschen mit der Liebe Gottes selbst in Kontakt. Und genau diese Sendung Jesu ist auch die Sendung der Kirche: „Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch“. Die Kirche lebt also auch diese Entäußerung Gottes. Die Kirche ist die erfahrbare Seite der Liebe Gottes. Von daher ist die Caritas ein wesentlicher Vollzug der Kirche, ja ihr tiefstes Wesen und ihre eigentliche Existenzberichtigung. Caritas ist also nicht etwas, was man auch mal tun könnte.

 

2. Das heißt: Über die Caritas der Kirche wird Kirche konkret erfahrbar. Die Caritas ist der konkrete Erfahrungsort dessen, wozu es Kirche gibt und was Kirche ist. Die Caritas ist die Handreichung der Kirche zu den Menschen, gerade denen in Not. Für uns im Pfarrhaus ist das sehr wichtig. Denn hier kommen oft arme und notleidende Menschen, um etwas zu bekommen: In der Regel Lebensmittelgutscheine, in begründeten Ausnahmefällen auch mal Geld. Aber was sie bekommen ist auf jeden Fall Zeit, die Freundlichkeit der Sekretärinnen, einen kleinen Small Talk, auch etwas zu trinken. Viele Kirchengemeinden handhaben das so.  Denn das Pfarrbüro ist oft die Außenseite, d.h. eine erfahrbare Seite der Kirche. Kirche im Konkreten. Und deshalb, und das ist bedeutsam, sind es immer noch die Armen, die freundlich von der Kirche sprechen. Bei vielen von ihnen steht die Kirche hoch im Kurs. Johann Baptist Metz hat den Würzbürger Synodentext „Unsere Hoffnung“ verfasst. Darin heißt es: „Eine kirchliche Gemeinschaft in der Nachfolge Jesu hat es hinzunehmen, wenn sei vor den Klugen und Mächtigen verachtet wird. Aber sie kann es sich – um dieser Nachfolge willen – nicht leisten, von den Armen und kleinen verachtet zu werden, von denen, die keinen Menschen haben.“

 

3. Was ist die Lebensgeschichte vieler Menschen, die zu den Kirchen kommen. Ihre Lebensgeschichte beginnt oft damit, dass sie abgelehnt worden sind, unerwünscht waren, ohne Liebe aufwuchsen, mit dem Gefühl groß wurden, nicht gewollt zu sein. Lassen Sie mich in dem Zusammenhang einer Sorge Ausdruck verleihen. Ich gebe zu, dass ich da nichts aus eigener Erfahrung sagen kann und deshalb ruhig sein sollte. Doch treibt mich eine Sorge um: Der Bundestag hat letzte Woche den Bluttest auf Trisomien erlaubt. Mit anderen Worten: Es soll leichter festgestellt werden können, ob ein Kind mit Trisomie 21 auf die Welt kommt oder nicht. Hängt das Gewolltsein eines Kindes nun davon ab, ob es gesund, hübsch, leistungsstark sein wird? Wird also ein Mensch nur noch auf Grund seiner Merkmale gewollt und nicht mehr, weil es ein Mensch ist? Ich befürchte, dass hier eine sehr ungute Entwicklung angestoßen werden kann. Der Mensch wird gewollt, wenn er gewisse Qualitätsmerkmale hat. Aber genau diese Erfahrung machen viele Arme. Und wenn nun ein Mensch spürt, dass er nicht gewollt und nicht geliebt wird, dann berührt das ja nicht einfach mal nur so für den Augenblick gelten, sondern eine solche Erfahrung bezieht sich auf die ganze Existenz. Ein Mensch, der abgelehnt wird, fragt sich, was an ihm denn so falsch ist, dass er nicht geliebt wird. Er wird seine ganze Existenz als falsch vermuten. Und damit einher geht eine zerstörter Gottesbezug. Wie kann Gott mich lieben, da ich doch nicht gut bin in meiner Existenz? Man kann sich nicht vorstellen, geliebt zu sein. Denn die Liebe Gottes vermittelt sich immer über Menschen. Und wenn diese Liebe verweigert wird, hat der Mensch das Gefühl, auch Gott verweigere ihm seine Liebe. Es ist ein schwerer Weg, bis so ein Mensch an die Liebe glauben kann.

 

4. Und hier kommt jetzt die christliche Caritas ins Spiel. Nicht nur die professionelle, die es ja auch braucht, sondern die, die ein jeder Christ zeigen soll und jede Kirchengemeinde. Jesus hat gerade solche Menschen immer wieder aufgesucht und ihnen seine Liebe erwiesen, damit sie doch zu glauben vermögen, wie sehr sie von Gott geliebt und gewollt sind. Darum geht es in der christlichen Caritas. Es geht nicht zuerst um Almosen, sondern um ein liebes Wort, um Freundlichkeit, um Wertschätzung, um Annahme, damit diese Menschen lernen, sich selbst zu lieben in der Erfahrung der Liebe. Gott liebt die Menschen nämlich, weil sie da sind und nicht, weil sie bestimmte Qualitätsmerkmale haben.

Franz Langstein

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Gottesdienste

Samstag 18.00 h Vorabendmesse alle 2. Wochen in St. Jakobus, Wenkbach
Sonntag 11.00 h Heilige Messe
Sonntag 11.00 h Kinderwortgottesdienst im Kirchensälchen, am 2. und 4. Sonntag im Monat


(nicht während der hessischen Schulferien)
Dienstag 8.30 h immer der letzte Dienstag im Monat


Morgengebet mit anschließendem Frühstück im Kirchensälchen
Donnerstag 9.45 h Heilige Messe im APH St. Elisabeth, Lahnstraße 8
Freitag 18.30 h Heilige Messe