20.01.2019

 Predigt am 2. Sonntag im Jahreskreis C 2019


Joh 2,1-11

Liebe Schwestern und Brüder!

1. Ja, die Erzählung von der Hochzeit zu Kana. Die ist uns vertraut. Das haben wir mal in der Schule gelernt, dass Jesus hier sein erstes Wunder, oder wie es das Johannes-Evangelium selbst benennt, sein erstes Zeichen gewirkt hat. Die Geschichte ist uns durchaus vertraut. Wir kennen sie. Und doch kann es hin und wieder mal passieren, dass beim Lesen von vertrauten Geschichten plötzlich ein Satz ins Auge springt, der einem vorher nie so auffällig erschien. Vielleicht sogar ein kleiner Nebensatz, bei dem man sich dann fragt: Warum steht der da so ausführlich? Der tut doch eigentlich nichts zur Sache.

 

2. Und so erging es mir dieses Mal beim Lesen der Erzählung. Ich blieb plötzlich bei so einem Nebensatz hängen, den man gern überliest, weil er bedeutungslos erscheint.   Aber gerade, weil man sich fragt, was soll jetzt diese Nebenbemerkung hier, wurde ich neugierig und bin dem nachgegangen. Und es hat sich gelohnt. Der Satz lautet: „Es standen dort sechs steinerne Wasserkrüge, wie es der Reinigungsvorschrift der Juden entsprach; jeder fasst ungefähr hundert Liter.“ Warum diese ausführliche Beschreibung: Steinerne Wasserkrüge, sie dienten zur Reinigung entsprechend den Vorschriften, sie fassten etwa 100 Liter. Diese Ausführlichkeit wäre doch gar nicht notwendig. Also muss es doch einen Grund für diese Ausführlichkeit geben.

  

3. Es stehen da also steinerne Krüge mit Wasser gefüllt, wie es der Reinigungsvorschrift der Juden entsprach. Die Reinigungsvorschriften dienten nicht der Hygiene, sondern sie sahen zuerst eine rituelle Reinigung vor, wie sie bei Mahlzeiten geboten war. Es geht also nicht um saubere Hände, sondern um Reinigung von den Sünden, um innere Reinigung, um das Entfernen eines Zustandes der Unreinheit. Das   zeigt auch der Hinweis, dass die Wasserkrüge aus Stein waren. Denn nur Wasser in steinernen Krügen war für die Unreinheit unempfänglich. Diese steinernen Wasserkrüge wurden – im Gegensatz zu den irdenen Wasserkrügen – für die rituelle Reinigung verwendet. Die Anwesenheit solcher Wasserkrüge zeigt also, dass die Hochzeitsgesellschaft sich an die Vorschriften hielt und deshalb zu den der Thora treuen Juden gezählt werden kann.

 

4. Und nun bittet Jesus, dass die Wasserkrüge randvoll gefüllt werden sollen. Und dann geschieht das Wunder: Aus dem für die Reinigung vorgesehenem Wasser wird Wein. Aus dem Wasser, das Sünden abwäscht, wird Wein. Aus dem Wasser, das für die Erfüllung der Gebote und Vorschriften gebraucht wird, wird Wein. Und das Johannes-Evangelium sagt es selbst: Das ist ein Zeichen. Und dieses Zeichen leuchtet uns doch jetzt unmittelbar ein: Die Sehnsucht der Menschen, mit Gott versöhnt zu sein und vor ihm rein und geheiligt da zu stehen - die Sehnsucht nach Reinheit vor Gott, wie sie in den Reinigungsvorschriften und in dem dafür bereit gestelltem Wasser zu Ausdruck kommt – diese Sehnsucht wird durch Jesus Erfüllung finden. Er ist gekommen, den Menschen ein für allemal die Versöhnung mit Gott zu verkünden.   Noch einmal   blitzt etwas Weihnachtliches auf: „Einen wunderbaren Tausch hast du vollzogen: dein göttliches Wort wurde ein sterblicher Mensch, und wir sterbliche Menschen empfangen in Christus dein göttliches Leben.“ Und der Wein erinnert uns natürlich an das „Blut Christi“. Diese Versöhnung reicht tief hinab in die Abgründe des Kreuzes, in die Abgründe von Hass, Sünde und Gewalt. Nicht mehr Wasser heiligt uns, sondern Christus hat uns geheiligt. Das Wasser ist in Wein verwandelt. Und zwar 600 Liter. Dies hat vor allem protestantischen Auslegern Schwierigkeiten bereitet. Martin Dibelius (evangelischer Neuestamentler, 1947 gestorben)   meinte, dass dieses Wunder sogar bedenklich sei und mit dem evangelischem Ethos nichts zu tun hat. Es geht hierbei doch um die überfließende Liebe Gottes.

 

5. Nicht umsonst wirkt Jesus dieses Zeichen auf einer Hochzeit. Er will andeuten, dass sich die Sehnsucht nach Reinheit vor Gott, wie sie im Wasser zur Reinigung zum Ausdruck kommt und wie dies am Alten Testament sich immer wieder als Verheißung thematisiert, zur Erfüllung gekommen ist. Wir haben in der ersten Lesung gehört: „Nicht länger nennt man dich ‚die Verlassene‘ und dein Land nicht mehr ‚Das Ödland‘, sondern man nennt dich ‚Meine Wonne‘, und dein Land ‚Die Vermählte‘. Denn der Herr hat an dir seine Freude, und dein Land wir mit ihm vermählt. Wie der Bräutigam sich freut über die Braut, so freut sich dein Gott über dich.“     Aus dem schnöden Wasser der Reinigungsvorschriften ist der köstliche Wein eines Hochzeitsfestes und einer Vermählung zwischen Gott und Mensch geworden.

Franz Langstein

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