18.08.2019

Predigt am 20. Sonntag im Jahreskreis C19

Lk 12,49-53

Liebe Schwestern und Brüder!

1. "Ich bin gekommen um Feuer auf die Erde zu werfen… Meint ihr, ich sei gekommen, um Frieden auf die Erde zu bringen? Nein, sage ich euch, nicht Frieden, sondern Spaltung". So ein Satz als Jesus-Zitat passt gar nicht so recht zu dem Jesus-Bild, das nicht wenige Christen haben; ein Jesus, der gütig, brav und liebevoll daherkommt, der alle Menschen annimmt und zu allen gut ist, der sich einsetzt für Frieden. Hier spricht Jesus von Spaltung und vom Feuer. Und es wird auch nicht besser, wenn wir uns die jüdischen Vorstellungen vom Feuer, wie sie uns im AT begegnen, anschauen: Im biblischen Sprachgebrauch deutet Feuer Gottes Gegenwart (vgl. Ex 3,2-3: brennender Dornbusch; Ex 13,21-22: Feuersäule, worin Gott seinem Volk vorangeht) bzw. dessen Wirkung an, diese aber bedeutet im eschatologischen Sinn für Welt und Mensch Gericht, welches in orientalischer Vorstellung apokalyptisch gedacht wird: „Alle Bewohner des Landes sollen zittern; denn es kommt der Tag des Herrn, ja er ist nahe, der Tag des Dunkels und der Finsternis. […] Vor ihm her verzehrendes Feuer, hinter ihm lodernde Flammen; vor ihm ist das Land wie der Garten Eden, hinter ihm schaurige Wüste; nichts kann ihm entrinnen“ (Joël 2,1-3). Auch das Neue Testament greift diese bildhafte Vorstellung auf, wenn etwa Johannes der Täufer sagt: „Schon ist die Axt an die Wurzel der Bäume gelegt; jeder Baum, der keine gute Frucht hervorbringt, wird umgehauen und ins Feuer geworfen.… Ich taufe euch nur mit Wasser. Es kommt aber einer, der stärker ist als ich, und ich bin es nicht wert, ihm die Schuhe aufzuschnüren. Er wird euch im Heiligem Geist und in Feuer taufen. Schon hält er die Schaufel in der Hand, um die Spreu vom Weizen zu trennen und den Weizen in seine Scheune zu bringen; die Spreu aber wird er in nie verlöschendem Feuer verbrennen“ (Lk 3,9.16.17). Meint Jesus dieses Feuer? Ein Feuer, das dann mit altorientalischen persischen Vorstellungen zu einer Feuerhölle geworden ist? Ein Feuer, das wie eine Drohung des letzten Gerichts über die Menschheit kommt, so dass sie vor Angst vergehen ob des Urteils, das sie erwartet? Da sind wir wieder bei der Frage: Können wir uns Jesus wirklich so vorstellen? Ist das seine Botschaft? Ich habe da ein sehr ungutes Gefühl. Der nachfolgende Satz führt uns weiter:


2. "Ich muss mit einer Taufe getauft werden, und ich bin sehr bedrückt, solange sie noch nicht vollzogen ist.“ Dieser Satz räumt auf mit den alttestamentarischen Vorstellungen eines apokalyptischen Feuers, das Menschen auf ewig verurteilt; Vorstellungen, die sich noch bei der Predigt Johannes des Täufers finden. Jesus bringt nicht das Gericht Gottes als apokalyptischer Feuertäufer. Vielmehr nimmt er selbst das Leiden und Sterben auf sich. Und dieses Aufsichnehmen des Leidens und Sterbens beschreibt Jesus mit einer Feuertaufe: „Ich muss mit einer Taufe getauft werden, und ich bin sehr bedrückt, solange sie noch nicht vollzogen ist.“ Wie können wir das verstehen?


3. Wahrscheinlich leitet sich tatsächlich das Wort „Feuertaufe“ von der Bibel her ab. Ursprünglich meinte der Begriff „Feuertaufe“ jene Bewährungsprobe, die die christlichen Märtyrer auf sich nahmen, besonders jene, die durch Verbrennen hingerichtet wurden. Es galt, sich im äußersten Leiden zu bewähren. Das heißt: Das Martyrium konnte die Taufe ersetzen, so dass man glauben konnte, dass auch ungetaufte Märtyrer in den Himmel kamen. Die Feuertaufe. Später wurde der Begriff „Feuertaufe“ zu einem Begriff, der ganz allgemein „Bewährungsprobe“ bedeutet. Heute müssen Autos „Feuertaufen“ bestehen, etwa den Elchtest, oder Schiffe erleben beim ersten Stapellauf ihre „Feuertaufe“ usw.


4. Können wir das nicht vielleicht ähnlich auf Jesus übertragen? Die Botschaft Jesu muss seine Feuertaufe bestehen am Kreuz? Die Botschaft von der Liebe muss ihre höchste Glaubwürdigkeit zeigen in der Hingabe am Kreuz? Die Botschaft von der Treue Gottes muss ihre Vollendung finden im Äußersten? „Ich bin sehr bedrückt, solange sie (diese Feuertaufe) noch nicht vollzogen ist.“ Könnte man das dann nicht so vorstehen als ob Jesus sagen wollte: „Wie ernst es mir ist mit der Liebe Gottes, wie weit diese Liebe zu gehen vermag, das werdet ihr sehen, wenn ich die letzte Konsequenz dieser Liebe auf mich nehme. Ich wünschte mir, ihr könntet es bald sehen, wie tief die Liebe Gottes herabsteigt.“ Dann geht es nicht mehr um ein apokalyptisches Gericht, dass einem Angst und Bange macht ob des drohenden Feuers, sondern dann geht es um eine letzte Konsequenz der Liebe. Und dann geht es auch nicht darum, ob das Bild vom Feuer dem lieben Jesulein angemessen ist, sondern darum, dass in der Tat Jesus kein harmloser gute Typ war, sondern einer, der mit Feuer im Herzen die Liebe Gottes bis zum Äußersten zeigen wollte.


5. Und dann können wir verstehen, wenn diese Botschaft der Liebe auch Spaltung hervorruft. „Meint ihr, ich sei gekommen, um Frieden auf die Erde zu bringen? Nein, sage ich euch, nicht Frieden, sondern Spaltung“. Diese Spaltung hat Jesus am eigenen Leib erfahren. Und interessanterweise, - und darüber bin ich immer sehr berührt -, es waren nicht die einfachen Menschen, nicht einmal die Gleichgültigen, nicht einmal die Sünder, die sich gegen Jesus gestellt haben: Es waren die super Religiösen, wie die Pharisäer, Schriftgelehrten, Priester am Tempel und die Hohenpriester. Jesus wurde von den Superfrommen seiner Zeit gekreuzigt. Das festzustellen ist bitter. Offensichtlich kann nicht jeder diese Liebe, die bis zum Äußersten geht, annehmen, und die Superfrommen scheinen da besonders gefährdet.

Franz Langstein

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