14.04.2019

Predigt am Palmsonntag 2019


Liebe Schwestern und Brüder!

1. Der Einzug Jesu in Jerusalem: Alljährlich gedenken wir dieses Einzugs in feierlichen Prozessionen. Wir spielen ihn sozusagen nach und begeben uns in die Situation hinein. Ja, man kann das so tun. Wir können uns einfühlen,   mit Jesus einzuziehen in die Heilige Stadt, in der das Heiligtum Gottes ist, den            Tempel. So wie damals die Menschen mit ihm eingezogen sind, Hosianna rufend, Palmblätter ausbreitend. Aber: Wussten die Menschen damals, wem sie        zujubelten und hinter wem sie einzogen? Und wenn wir diesen Einzug hier nachspielen, wissen wir, wer Jesus ist, mit dem wir einziehen und dem wir                singend huldigen? Ist das Ganze nicht ein Missverständnis? Damals und vielleicht auch heute?      

 

2. Und hat Jesus nicht dieses Missverständnis provoziert? Ohne Zweifel: Jesus inszeniert einen königlichen Einzug. Bezugnehmend auf die Stelle beim Propheten Sacharja: „Jauchze, Tochter Jerusalem. Siehe dein König kommt zu dir. Er reitet auf einem Esel, auf einem Fohlen, dem jungen einer Eselin“. Ganz ohne Zweifel: Es handelt ich um den Einzug eines Königs. Und die Menschen, die ihm zujubeln und mit ihm in Jerusalem einziehen, erhoffen sich von ihm genau das: ein neues Königreich. Und wir, was erhoffen wir von Jesus? Warum ziehen wir mit ihm ein? Warum singen wir Hosianna?    

 

3. Und Jesus? Wie hat sich Jesus selbst gesehen? Wie steht er dazu, dass die Menschen ihn als König eines neuen Reiches begrüßten? Spielt er ein gefährliche Spiel, falsche Hoffnungen und Erwartungen zu schüren? Lässt er es zu, dass die Menschen ihm folgen, obwohl er weiß, dass er nicht der ist, für den sie ihn halten? Spielt Jesus den Menschen etwas vor, so dass notwendig auf Hoffnung Enttäuschung werden muss, aus Jubel Ablehnung? Es fällt auf, dass Jesus selbst nicht davon spricht, dass er der König sei. Und mit dem Begriff „Messias“ ist Jesus äußerst zurückhaltend und immer hat den Menschen verboten, von ihm als Messias zu sprechen. Und der bereits zitierte Sacharja-Text gibt eigentlich kaum die Möglichkeit, die Herrschaft des Messias als politischen König misszuverstehen. Weiter heißt es nämlich: „Ich vernichte die Streitwagen aus Efraim und die Rosse aus Jerusalem, vernichtet wird der Kriegsbogen. Er verkündet für die Völker den Frieden.“ Für die Gottesherrschaft, für die Jesus steht, taugt das Kriegswerkzeug nicht; weder Streitwagen noch Rosse noch Kriegsbögen. Man muss das Zeichen des Einzugs Jesu schon richtig verstehen. Ja, er lässt sich als König feiern. Aber er steht für anderes Königtum. Es steht nicht für die Macht der Waffen, sondern der Ohnmacht der Liebe. Es steht nicht für die Macht der Autorität, sondern für Geschwisterlichkeit. Es steht nicht für die Macht der Herrschaft, sondern für den Dienst der Nächstenliebe. Aber es ist genau dieses fürchterliche Missverständnis, dass man ihn eben auch anders verstehen könnte. Dass die Menge ihm zujubelt, weil sie alles von ihm erwartet als politischen König. Und es ist immer wieder auch das Missverständnis des Christentums, dass auch Christus als „König der Könige“, wie das neuerdings auf Jugendtagen zu hören ist, zujubelt, weil sie meinen, mit Jesus könne nichts passieren.

 

4. Im Internet habe ich vor Kurzem diesbezüglich ein Video angesehen, dass einen charismatischen Führer zeigte. Er spricht immer in vollen Stadien. In dem Film sprach er in Nürnberg. 60.000 Leute lauschten seinen Worten. Die Sprache war erschreckend manipulativ. Er sprach von Wunderheilungen, die geschehen sind. Er schürte falsche Hoffnungen. Und wenn sich die Hoffnungen nicht erfüllen, hat man eben noch nicht genug geglaubt und gebetet. 60 000 lauschten ihm. Ich will nicht wissen, wie hoch die Eintrittspreise waren und was er daran verdient hat.

 

5. Mir kam das so in den Sinn. Die Menge folgt Jesus. Hat Jesus ein falsches Messiasbild provoziert, indem er so in Jerusalem einzog? Missbraucht Jesus seine geistliche Macht? Spielt er den religiösen Führer? Haben auch wir ein falsches Messiasbild? Wir jubeln ihm zu und singen Hosianna. Warum? Folgen die Menschen einem falschen geistlichen Führer?

 

6.Und dann kommt der Karfreitag. Es wird deutlich, was das jetzt in unserem Zusammenhang bedeutet: Der Karfreitag ist die Enttäuschung aller falschen           Messiaserwartungen. Karfreitag ist die Korrektur falscher Hoffnungen. Jesus geht durch den Karfreitag und offenbart damit, dass er kein falscher                        geistlicher Führer ist. Am Karfreitag hat Jesus nichts mehr zu bieten. Nicht einmal eine besondere Gottesnähe: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich        verlassen?“ Nicht einmal das hat er zu bieten, wofür er doch immer gestanden hat: Die Nähe Gottes zu zeigen. Wer nach Karfreitag immer noch an Jesus          glaubt, der hat viel verstanden von Liebe, Glaube und Hingabe. Denn dazu ist Jesus gekommen und gestorben. Warum also folgen wir ihm und singen              Hosianna? Nur ein Missverständnis oder tiefer Glaube?   Und wenn wir ihm nicht zujubelten, gälte dann nicht,   was Jesus gesagt hat: „Wenn sie s                      schweigen, werden die Steine schreien.“

Franz Langstein

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