13.01.2019

Predigt am Fest Taufe des Herrn 2019


Lk 3,15-16.21-22

Liebe Schwestern und Brüder!

1. „Ich habe da so ein komisches Gefühl“, sagen wir manchmal. „Ich weiß nicht genau, was da los ist, aber mein Gefühl sagt mir, da stimmt was nicht“. In der Tat: So ist das mit unseren Gefühlen. Gut, dass wir sie haben. Denn die Gefühle sind Hinweisgeber. Sie wollen uns auf etwas aufmerksam machen, was der Verstand nicht immer erreicht. Z.B. das Angstgefühl. Es sagt mir: Sei vorsichtig. Da lauert eine Gefahr. Pass auf. Oder das Schuldgefühl. Es sagt mir: Ändere etwas. Das ist nicht gut, was du machst.  So gibt es verschiedene Gefühle, die mir was sagen wollen: „Ich habe da so ein komisches Gefühl.“         

 

2. Und ein ganz wichtiges Gefühl, das mir etwas Wichtiges sagen will, ist das Schamgefühl. Es gibt verschiedene Gründe, dass der Mensch sich schämt. Das kann sein, dass jemand die Leistung nicht bringt, die von ihm erwartet wird, sei es in der Schule oder im Beruf. Da schämt sich dann jemand, weil er als Versager dasteht. Oder da schämt sich jemand, weil er die Idealmaße hat, die zu haben uns die Gesellschaft einredet. Oder jemand schämt sich, weil der etwas Schlimmes gemacht hat und nun blöd dasteht. Egal, welche Gründe es gibt, sich zu schämen, das Schamgefühl will mich auch auf jeden Fall auf etwas hinweisen?       

 

3. Und auf was will mich das Schamgefühl aufmerksam machen? Das Schamgefühl sagt mir: „Pass auf, du wirst in deiner Würde verletzt“. Das Schamgefühl ist deshalb ein ganz tiefes Gefühl. Denn es zielt auf die personale Würde. Es sagt: „Du bist in Deiner Person nicht in Ordnung“.  Das Schamgefühl ist der Wächter meines ureigensten Wesens. Die Scham meint also nicht unbedingt mein Handeln, sondern meine Person. Nicht mein Tun, sondern meine Würde werden durch die Scham angefragt: „Pass auf, du wirst in deiner Würde verletzt.“ Ich fühle mich als Person verletzt, wenn mir jemand sagt: „Hey, du bist ein Versager, du bringst es nicht“. Ich fühle mich als Person verletzt, wenn mir jemand sagt: „Du siehst ziemlich bescheuert aus“. Das Schamgefühl sagt mir also: „Pass auf, du wirst in deiner Würde verletzt.

 

4. Und deshalb, weil das Schamgefühl tief in die eigene Existenz hineinreicht, bin ich auch durch das Schamgefühl sehr gefährdet. Das Schamgefühl kann einen Menschen regelrecht fertig machen. „Ich würde am liebsten im Boden versinken“. „Ich traue mich gar nicht mehr unter die Leute“. Ich brauche also ein starkes Selbstbewusstsein. Ich brauche ein starkes Gefühl meiner Würde, um mit dem Schamgefühl richtig umgehen zu können.  

 

5. Und da kann uns das heutige Fest „Taufe des Herrn“ viel sagen. Jesus kommt an den Jordan und wird von Johannes getauft. Dabei erklingt die Stimme des Vaters vom Himmel: „Du bist ein geliebter Sohn, an dem ich Gefallen gefunden habe“. In diesem Satz schlägt sich wohl nieder, woraus Jesus gelebt hat und welcher Würde er sich bewusst war: Geliebtes Kind des himmlischen Vaters zu sein.   

 

6. Das muss auch für uns gelten. Wir müssen zutiefst aus der Würde der Gotteskindschaft leben. Wer sind wir denn, dass wir von Gott geliebt sind? Welche Würde müssen wir besitzen, Gottes Kinder zu heißen? Wir müssen also im Bewusstsein unserer Würde gefestigt sein. Ich bin kein Versager, nur weil ich den Anforderungen, die mal irgendjemand aufgestellt hat, nicht genüge. Ich bin nicht blöd, nur weil jemand vorgibt, wie ich aussehen soll. Ich bin nicht in meiner Existenz verwerflich, nur weil ich den moralischen Anforderungen nicht genügt habe. Ja, das stimmt: Das Schamgefühl will mir etwas sagen. „Pass auf, du wirst in deiner Würde verletzt.“ Das Schamgefühl ist ein Hinweisgeber. Ich muss meine Konsequenzen ziehen. Aber das Schamgefühl darf meine Würde nicht zerstören. Und die Würde der Gotteskindschaft ist unzerstörbar.

Franz Langstein

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(nicht während der hessischen Schulferien)
Dienstag 8.30 h immer der letzte Dienstag im Monat


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Donnerstag 9.45 h Heilige Messe im APH St. Elisabeth, Lahnstraße 8
Freitag 18.30 h Heilige Messe