08.12.2019

Predigt zum 2. Advent A20

Lk 3,1-12

Liebe Schwestern und Brüder!

1. Ich weiß nicht, ob es Ihnen manchmal auch so geht: Ich habe ab und zu einfach keine Lust mehr, Nachrichten zu hören oder Zeitung zu lesen. Das geballte Elend der Welt versammelt sich im Wohnzimmer und drückt aufs Herz. Und manchmal überkommen mich dann so Gedanken wie: Ginge es der Welt oder der Erde oder der Natur nicht besser, wenn es den Menschen nicht gäbe? Als neulich mal ein Film lief, wie Tiere behandelt werden, musste ich abschalten. Warum sind wir Menschen so? Warum schaffen wir keinen Frieden, keine Gerechtigkeit, keine gutes Miteinander? Sind wir unfähig dazu? Viele Menschen leiden an dieser Unfähigkeit. Aber weil der Mensch darunter leidet, entsteht etwas anderes: Es entsteht eine Sehnsucht nach Frieden, nach Gerechtigkeit, nach Solidarität mit allen Geschöpfen. Diese Ahnung, dass es auch anders sein könnte, haben wir nicht verloren. Wo das Dunkle mächtig wird, da erwacht die Sehnsucht nach Licht. Und diese Sehnsucht bricht sich immer wieder Bahn: In Kunst und Literatur, in Film und Musik. So auch in heiligen Texten, in Texten der Bibel. Einen solchen Text hörten wir in der ersten Lesung.

 

2. „Da wohnt der Wolf beim Lamm, der Panther liegt beim Böcklein. Kalb und Löwe weiden zusammen, ein kleiner Knabe kann sie hüten. Kuh und Bärin freunden sich an. Der Säugling spielt vor dem Schlupfloch der Natter. Man tut nichts Böses mehr und begeht kein Verbrechen auf meinem ganzen heiligen Berg.“ In solchen Texten bricht sie diese Sehnsucht nach umfassenden Frieden Bahn. Das sind Bilder, die das nach Frieden und Ruhe lechzende Herz, erschafft. Ausdruck dessen, was sein könnte. Je mehr Dunkelheit, umso größer die Sehnsucht nach Licht. Oder man könnte auch andersherum formulieren: Erst die Fähigkeit des Menschen, das Licht zu ersehnen und zu erahnen, entlarvt das Dunkle als Dunkel. Das Wissen um das Gute lässt uns das Böse erkennen.

 

3. Dieser Zusammenhang wurde mir einmal ganz deutlich in einem Film des dänischen Regisseurs Lars von Trier. Der Film heißt Dogville und handelt von einer Frau, die als Flüchtling in diesem Dorf Aufnahme findet. Übrigens hervorragend gespielt von Nicole Kidman. Diese geflüchtete Frau erweist nun ihre Dankbarkeit durch eine große Güte und Hilfsbereitschaft gegenüber den Dorfbewohnern. Diese Güte überstrahlt alle und offenbart erst die Mittelmäßigkeit, die Oberflächlichkeit und den Egoismus der ansonsten sehr normalen Dorfbewohner. Erst diese Güte zeigt die Abgründe der anderen. Schließlich ist die Güte nicht mehr auszuhalten. Die Dorfbewohner wenden sich gegen die Frau. Ein ähnliches Schicksal wie Jesus. Seine Güte war nicht für alle auszuhalten. Wer hält es schon aus neben einem so gütigen Menschen? Wer kann ständig so einen Spiegel vorgehalten bekommen? Das Licht offenbart das Dunkel. Das ist so! In der  theologischen Sprache nennen wir das „das Gericht“.

 

4. Und schon sind wir mitten im heutigen Evangelium: Johannes der Täufer wird uns heute als eine Gestalt des Advents vorgestellt. Und von Johannes heißt es, als er die Pharisäer und Sadduzäer kommen sah, dass er sagte: „Ihr Schlangenbrut, wer hat euch denn gelehrt, dass ihr dem kommenden Gericht entrinnen könnt?“ „Dem kommenden Gericht“ – da ist die Rede von dem Gericht. Nehmen wir diesen Begriff „Gericht“ ruhig als theologischen Begriff, unabhängig davon, ob das Johannes selbst so verstanden hat. „Gericht“ also so verstanden, dass einmal eine göttliche Güte aufstrahlt, die offenbart, was eben nicht Güte ist, sondern Böse. Gericht wird so tatsächlich auch zu einem Sehnsuchtsort. Möge doch einmal jenes Licht aufstrahlen, die das Dunkle als Dunkles entlarvt. Möge einmal jene Güte offenbar werden, die das Böse als Böses enttarnt, die Schluss macht mit der Verharmlosung, den Nivellierungen, den Gleichgültigkeiten. Möge einmal deutlich werden, - um mit Johannes d. T. zu sprechen – was Spreu ist und was Weizen ist. Gericht ist das Aufleuchten der Güte Gottes, in deren Licht wir erkennen, wie wir sein könnten und zu was wir berufen sind. Deshalb klingt die Botschaft des Johannes d. T. wie eine Gerichtsrede. Sie klingt hart; sie klingt verurteilend. Johannes erwartet eben in dunkler Zeit das Licht; er erwartet das Gericht Gottes.

 

5. Und als solcher steht nun dieser Johannes im Advent, also in jener Zeit, in der wir so viele Lichter entzünden. Advent ist tatsächlich so gesehen auch die Zeit der Sehnsucht nach dem, was eigentlich sein könnte. Nehmen wir dazu noch einmal den Sehnsuchtstext aus der ersten Lesung: „Man tut nichts Böses mehr und begeht kein Verbrechen auf meinem ganzen heiligen Berg; denn das Land ist erfüllt von der Erkenntnis des Herrn, so wie das Meer mit Wasser gefüllt ist.“ „Denn das Land ist erfüllt von der Erkenntnis des Herrn“. Diese Erkenntnis ist die Voraussetzung: Das Licht der Liebe Christi wird zum Maßstab, der das Dunkel des Bösen entlarvt. Der Mensch des Advents, der Mensch der Sehnsucht muss da durch. Er wird sich in diesem Lichte Christi wandeln, verändern, neu werden. Deshalb singen die Engel an Weihnachten: „Verherrlicht ist Gott in der Höhe, und auf Erden Friede bei den Menschen seiner Gnade“.

Franz Langstein

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