04.08.2019

Predigt am 18. Sonntag im Jahreskreis C

Lk 12,13-21

Liebe Schwestern und Brüder!

1. „Gebt acht, hütet euch vor jeder Art von Habgier“, hörten wir gerade im Evangelium. Das Evangelium warnt also vor der Habgier und begründet das auch: „Denn der Sinn des Lebens besteht nicht darin, dass ein Mensch aufgrund seines großen Vermögens im Überfluss lebt.“ An einer anderen Stelle im Evangelium heißt es: „Was nutzt es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewinnt, dabei aber sein Leben verliert?“ Es geht also beim Thema „Habgier“ um den Sinn des Lebens, um Lebensgewinn oder Lebensverlust.

 

2. Zunächst einmal ist das ja auch irgendwie einleuchtend. Ein sehr habgieriger Mensch lebt aus der Angst, zu kurz zu kommen; er lebt aus der Sorge, sich immer mehr absichern zu müssen; er lebt von dem Glauben, sich Glück durch immer größere Anhäufung von materiellen Gütern verschaffen zu können. Dass so ein Typ natürlich permanent in Unruhe ist und Sorge und mit dem Gefühl lebt, immer noch nicht genug zu haben, zeigt zur Genüge, dass er am Sinn des Lebens vorbeilebt und dass er sehr gefährdet ist, sein Leben zu verlieren, also keine echte Lebensqualität empfinden kann. Und dass die Habgier eine Ursache für die Ungerechtigkeiten in der Welt ist, muss hier nicht eigens vertieft werden.

 

3. Nein, ich möchte vielmehr mal anhand des Beispiels meines Namenspatrons, des hl. Franz von Assisi, aufzeigen, was gemeint sein könnte. Der heilige Franz von Assisi lebte ja bekanntermaßen in freiwillig gelebter radikaler Armut. Nicht nur von sich selbst, sondern auch von seinen Gefährten, verlangte er absolute Besitzlosigkeit. Es entstand das Ideal der Bettelorden. Was geschah mit dem Heiligen, als er sich auf diese radikale Armut einließ? Welche tiefe innere Erfahrung machte er aufgrund seiner radikalen Besitzlosigkeit? In ihm stellte sich ein tiefes Gefühl des aufeinander Verwiesenseins ein. Diese Verwiesenheit aufeinander ist ein Charakter echter Geschwisterlichkeit. Man braucht einander und beschenkt sich aneinander.  Diese Erfahrung von Geschwisterlichkeit aber bezieht sich nicht nur auf den zwischenmenschlichen Bereich, sondern auf die ganze Schöpfung. Plötzlich werden die Gaben der Schöpfung als Geschenk erfahren, eben als „Gabe“. Franz von Assisi hat diese seine Erfahrung im Sonnengesang zum Ausdruck gebracht, in dem er die Sonne als Bruder und den Mond als Schwester preist, Wasser, Feuer, Wind: Alles wird als Geschwister bezeichnet. Auch der Tod wird als Bruder bezeichnet. Das ist nicht etwa eine romantische Anwandlung des Heiligen, sondern tiefe Erfahrung: Seine Armut schenkt ihm die Erfahrung, auf die Gaben der Schöpfung verwiesen zu sein und sich von ihnen beschenkt zu wissen, kurz in Gemeinschaft mit ihnen sich zu fühlen. Diese tiefe Erfahrung, dass alles Geschöpfliche zusammenhängt und sich gegenseitig beschenkt, macht der Habgierige nicht. Er will nicht beschenkt werden, er will selbst ergreifen. Für ihn sind die Dinge nicht Geschwister, weil wir alle das Geschaffensein gemeinsam haben, sondern für ihn sind die Dinge unterjocht nach Aspekten der Nützlichkeit.

 

4. Mit diesem Vergleich des heiligen Franz von Assisi mit dem Habgierigen, wie er im Evangelium geschrieben wird, zeigt sich dann plötzlich eine tiefe Wahrheit, ja eine tiefe Gesetzmäßigkeit. Erst im inneren Loslassenkönnen, im nicht Haben-wollen, im Nichtbegehren, also in einer inneren Armut, kann der Mensch die Erfahrung machen, dass er beschenkt ist. Das heißt nicht, dass wir keine Dinge besitzen dürfen; wir müssen dies sogar. Wir sind ja darauf angewiesen Aber gerade dieses Angewiesensein kann mich zu einem Menschen machen, der in den Dingen, die er hat, auch das Geschenkhafte sehen lernen kann. Das geht nur mit der inneren Fähigkeit des Loslassenkönnens. Und nur der Mensch, der diese innere Fähigkeit zum Loslassen hat, kann die Dinge auch genießen; er wird sie nicht – wie der Habgierige – verschlingen. Und nur der, der die innere Fähigkeit hat, loszulassen, wird frei sein, weil er sein ganzes Trachten nicht darauf lenken muss, sich immer noch mehr abzusichern. Und nur der, der innerlich loslassen kann, wird das rechte Maß haben, mit den Dingen richtig umzugehen. Und nur der, der innerlich loslassen kann, wird die Erfahrung machen, dass wir aufeinander angewiesen sind und uns gegenseitig beschenken. Der Habgierige wird sein wie ein sich selbst Isolierter, der nur für sich selbst lebt, hinter dicken Mauern des Grundstücks und der Seele. Und der, der innerlich loslassen kann, wird auch die Fähigkeit haben, dann wirklich die Dinge loszulassen, wenn es gilt, Abschied von der Erde zu nehmen. Vielleicht meinte Jesus das, wenn er sagte, dass der Sinn des Lebens nicht darin besteht, aufgrund eines großen Vermögens im Überfluss zu leben. Und dass die Habgier eher einen Lebensverlust bewirkt als Lebensgewinn und Lebensfreude. .

Franz Langstein

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