03.11.2019

Predigt zum 31. Sonntag C19

Lk 19,1-10

Liebe Schwestern und Brüder!

1. Sie kennen das sicherlich auch: Es gibt manche Romane, die man liest, manche Filme, die man sieht, und während des Lesens bzw. Sehens ergeben sich von der Handlung her Fragen. Warum ist jetzt dies oder jenes passiert? Und man muss schon bei dem Roman bzw. dem Film bis zum Ende kommen. Und von diesem Ende her wird dann plötzlich klar, warum im Laufe der Handlung dies oder jenes passiert ist. Das Ende macht plötzlich vieles verständlich.

 

2. Ganz ähnlich verhält es sich mit dem heutigen Evangelium. Es wird eine Spannung aufgebaut, die entsteht aufgrund der völlig verschiedenen Personen, die in dieser Geschichte handeln. Da ist einmal die Stadtbevölkerung, die am Straßenrand steht, um Jesus zu sehen, der auf dem Weg nach Jerusalem durch Jericho zog, einer wohlhabenden Oasenstadt mit bedeutender Zollstation. Und da ist wohl der Leiter dieser Zollstation, der Oberzöllner Zachäus, der sehr reich war, weil er seinen Reichtum offensichtlich auch der Tatsache zu verdanken hat, den Leuten zu viel abgerechnet zu haben. Und in dieser Gegenüberstellung  der ehrlichen Leute und dem betrügerischen Oberzöllner entwickelt sich eine Spannung. Jesus, der eigentlich vorhatte, durch Jericho nach Jerusalem zu ziehen, ändert seinen Plan. Er will nicht einfach durch die Stadt ziehen, sondern will bei jemandem zu Gast sein. Und er entscheidet sich nicht etwa für einen dieser ehrlichen Menschen, sondern ausgerechnet für diesen reichen Betrüger. Das ist für die am Straßenrand stehenden Menschen vollkommen unverständlich. Sie murren und sagen: „Er ist bei einem Sünder eingekehrt“. Jesus erscheint als einer, der sich den Sündern zugesellt und entsprechend bei der Auswahl der Unterkunft wählerisch ist. Mit diesem Verhalten macht sich Jesus selbst zum Kumpanen der Sünder und Zöllner. Das Jesusbild der Braven und Anständigen wird hier auf den Kopf gestellt. Hier entsteht eine Spannung: Wie ist denn Jesus nun wirklich? Was ist denn Jesus hier eingefallen, die Ehrlichen und wohl auch durch Zachäus Geschädigten so vor den Kopf zu stoßen? Und diese Spannung wird erst am Ende aufgelöst. Man muss tatsächlich die Geschichte zu Ende lesen, um das alles besser zu verstehen. Und da am Ende steht der alles erklärende Satz: „Denn der Menschensohn ist gekommen, um zu suchen und zu retten, was verloren ist“. Dieser Satz erklärt das ganze Verhalten Jesu. Darum verweilen wir ein wenig.   

 

3. „Was verloren ist“, sagt Jesus. Offensichtlich war Zachäus ein solcher Verlorener. Was aber meint das? „Verlorener“ meint hier wohl, dass sich da ein Mensch in etwas verloren hat, was ihm nicht gut tut, ja das ihm schadet. „Verlorener“ meint hier offensichtlich einen Menschen, der sein Leben verloren hat, also der seiner eigentlichen Bestimmung als Mensch verlustig gegangen ist und deshalb an dem Eigentlichen seines Wesens vorbeilebt. „Verlorener“ meint, dass hier jemand vielmehr Möglichkeiten in seinem Leben gehabt hätte, vielmehr sein Leben zur Entfaltung hätte bringen können als sich nur damit zu beschäftigen, seinen Reichtum zu mehren und zu verwalten. Es wird in der Erzählung nicht die Frage angeschnitten, wieso Zachäus so lebt und warum er Oberzöllner geworden ist und weshalb der die Leute ausnimmt und einen solchen Reichtum sich anhäufen konnte. Es zählt nur das Faktum: Da droht jemand seines eigenen Lebens verlustig zu gehen; da droht jemand den inneren Reichtum seines Herzens nicht zu erkennen und sich stattdessen an den äußeren Reichtum zu klammern. Jesus will ihn aus dieser Verlorenheit herausholen, und zwar unabhängig davon, wie die anderen dabei von ihm denken. Jesus lädt sich selbst bei Zachäus ein. „Zachäus, komm schnell herunter, denn ich muss heute in deinem Haus zu Gast sein.“

 

4. Und jetzt beginnt eine typische Zeichenhandlung, die wir bei Jesus immer wieder finden. Er hält Mahlgemeinschaft mit Zachäus. Er spricht in dieser Handlung dem Zachäus eine Gemeinschaft zu, die er wohl in dem Ort Jericho nur selten erfährt. Dazu noch die Gemeinschaft mit Jesus, der als Prophet und Gottgesandter gilt, wenn nicht sogar als künftiger Messias. Diese Gemeinschaftserfahrung ist für Zachäus etwas Heilsames,  Wertvolles, ja Beglückendes, dass er sofort beschließt, nun auch diese Gemeinschaft mit den Menschen zu suchen: „Herr, die Hälfte meines Vermögens will ich den Armen geben, und wenn ich von jemand zu viel gefordert habe, gebe ich ihm das Vierfache zurück“. Das verlorene, in sich verschlossene und nur auf sich bezogene Herz des Zachäus öffnet sich. Aus dem Verlorenen ist ein Geretteter geworden. Sein Herz ist befreit von der Angst um sich selbst.

 

5. Wir feiern auch – Sonntag für Sonntag – diese Mahlgemeinschaft mit Christus. Papst Franziskus hat das einmal formuliert: „Die Eucharistie ist nicht eine Belohnung für die Vollkommenen, sondern ein großzügiges Heilmittel und eine Nahrung für die Schwachen“. So wollte Jesus wohl seine Mahlgemeinschaft verstanden wissen: Als Erweis der göttlichen Liebe, von der uns nichts trennen kann. Und somit als etwas Heilsames und Wertvolles  

Franz Langstein

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(nicht während der hessischen Schulferien)
Dienstag 8.30 h immer der letzte Dienstag im Monat


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Donnerstag 9.45 h Heilige Messe im APH St. Elisabeth, Lahnstraße 8
Freitag 18.30 h Heilige Messe