03.03.2019

Predigt am 8. Sonntag im Jahreskreis C 2019


Lk 6,39-45

Liebe Schwestern und Brüder!

1. Wir leben in einer Zeit, in der alles und jeder bewertet wird. Im Internet finden sich Bewertungsportale; man wird aufgefordert, nach einem Hotel oder Restaurantbesuch dieses auch zu bewerten. Problematischer wird es indes, wenn Menschen bewertet werden sollen: Wenn Patienten ihre Ärzte bewerten, Schüler ihre Lehrer, Fußballfans ihre Fußballspieler. Oder wenn sich jemand z.B. für ein öffentliches Amt bewirbt, dann wird in seiner Vergangenheit nachgeforscht, ob sich da irgendein Schatten in seiner Vita befindet; wird er gefunden, wird dieser öffentlich breit getreten. Unsere Zeitungen und Medien sind da willfährige Handlanger.

 

2. Ob nun also Schüler ihre Lehrer, Patienten ihre Ärzte oder Restaurantbesucher das Restaurant bewerten: man übersieht dabei oft eins: Die Bewertungen sind nie objektiv. Sie sind sehr oft interessengeleitet. Wenn ein Schüler die Lehrer gut findet, die wenig Hausaufgaben aufgeben, dann wird er entsprechende Bewertungen abgeben. Wenn jemand eine Vorliebe hat für vegetarisches Essen, dann wird er jene Restaurants schlechter bewerten, die solches Essen kaum im Angebot haben. Bewertungen sind sehr oft subjektiv und entspringen eigenen Interessen und Vorstellungen.

 

3. Schwieriger wird es aber, wenn jemand, der von seiner Befindlichkeit her ein unzufriedener Mensch ist und dem man wirklich nichts recht machen kann – wenn dann ein solcher hergeht und Bewertungen schreibt, dann wundert es nicht, wenn er nur negative Bewertungen abgibt. Solche Bewertungen sagen meisten mehr über den Schreiber aus als über die Sache, die bewertete wurde. Man könnte also sagen: in jeder Bewertung und in jeder Kritik fließt oft auch ein Eigenanteil mit. In meiner Kritik am anderen ist oft ein subjektiver Anteil meiner eigenen Befindlichkeit.

 

4. Und genau das haben wir heute im Evangelium gehört: „Warum sieht du den Splitter im Auge deines Bruders, aber den Balken in deinem eigenen Auge bemerkst du nicht?“ Bevor du also jemand kritisierst oder in Online-Portalen bewertest, sei dir bewusst, was dein subjektiver Anteil daran ist, also dein Balken. Und dann überlege dir gut, ob die Bewertung öffentlich gerechtfertigt ist. Jesus sagt es drastischer: „Du Heuchler! Zieht zuerst den Balken aus deinem Auge; dann kannst du versuchen, den Splitter aus dem Auge deines Bruders herauszuziehen.“

 

5. Ja, Jesus geht noch einen Schritt weiter: „Wovon das Herz voll ist, davon spricht der Mund“. Also: Wenn du neidisch bist, dann wirst du alle fertig machen, die besser sind als du. Wenn du zutiefst mit der unzufrieden bist, dann kommt kein positives Wort über deine Lippen. Wenn du einen Minderwertigkeitskomplex hast, dann wirst du alle über alle nörgeln, um dich selbst groß zu machen. Wenn dein Herz von Misstrauen und Angst erfüllt ist, dann wirst du in jedem einen Gegner oder Feind sehen. „Zieh also zuerst diesen Balken aus deinem Auge.“ Erkenne also deinen eigenen Anteil, wenn du über andere herziehst.

 

6. Das soll jetzt natürlich nicht heißen, dass es keine berechtigte Kritik gibt. Natürlich gibt es sie. Und wir schulden um unserer selbst willen berechtigte Kritik. Aber diese Kritik kommt aus einem liebenden Herzen und ist interessiert an positiver Entwicklung und diese Kritik ist konstruktiv, nicht zerstörerisch.

 

7. „Warum sieht du den Splitter im Auge deines Bruders, aber den Balken in deinem eigenen Auge bemerkst du nicht?“ In einer Zeit, in der alle alles bewerten, ein höchst aktueller Satz.

Franz Langstein

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