03.02.2019

Predigt am 4. Sonntag im Jahreskreis C 2019


1 Kor 12,31-13,13

Liebe Schwestern und Brüder!

1. Ohne Zweifel gehört zu den bekanntesten Wandermissionaren der Urkirche der Apostel Paulus. Große Missionsreise unternahm er, um überall im vorderasiatischen und hellenistischen Raum den Glauben an Christus einzupflanzen. Seine Ziele waren vorwiegend größere Städte. Denn hier kamen viele Menschen zusammen. Hier konnte der Glaube an Jesus Christus seine Strahlkraft entwickeln und neue Anhänger gewinnen. So kam Paulus auf seiner zweiten Missionsreise in die griechische Stadt Korinth, etwa im Jahre 50/51. Korinth war eine große und viel bevölkerte Hafenstadt. Viele Händler kamen und gingen; und Paulus hoffte dadurch, dass auch Menschen aus den fernen Ländern mit der Botschaft von Jesus Christus in Berührung kamen, wenn es erst mal in Korinth eine christliche Gemeinde gäbe. Tatsächlich gelang es Paulus, in Korinth eine ansehnliche Gemeinde zu gründen und aufzubauen. Diese sollte nun Strahlkraft genug haben, um die vielen Menschen und Händler in Korinth mit der Botschaft Jesu bekannt zu machen.

 

2. Paulus vertraute darauf, dass die zum Glauben Gekommenen reich beschenkt sind mit den Gaben des Heiligen Geistes, also mit geistlichen Fähigkeiten. Und Paulus strukturierte seine Gemeinden so, dass jeder mit seinen Fähigkeiten sich einbringen sollte zum Aufbau des Ganzen. Wir haben die sogenannte Charismenlehre des Apostel Paulus an den letzten beiden Sonntagen gehört: Paulus vergleicht die Gemeinde mit einem Leib. Und die vielen Glieder mit ihren jeweiligen verschiedenen Aufgaben und Fähigkeiten bilden den einen Leib. Und Paulus spricht von den verschiedenen Gnadengaben, die Gott schenkt und die er deshalb schenkt, damit jeder mit diesen Gnadengaben den Menschen dient. „Jedem wird die Offenbarung des Geistes geschenkt, damit sie anderen nützt“. So wollte Paulus seine Gemeinden strukturiert wissen: Jeder bringt sich ein für die anderen, damit so Gemeinde wächst. Dies scheint Paulus in Korinth ganz gut gelungen zu sein. Die Gemeinde lebte dadurch, dass die Gläubigen sich mit ihren Fähigkeiten einbrachten.

 

3. Paulus konnte also nach vollbrachtem Werk getrost Korinth wieder verlassen. Auf seiner dritten Missionsreise kam Paulus nach Ephesus, das gegenüber von Korinth auf der anderen Seite des Ägäischen Meeres liegt. Etwa ab dem Jahr 54. Dort hat Paulus beunruhigende Nachrichten aus seiner alten Gemeinde in Korinth gehört. Paulus nimmt diese alarmierenden Nachrichten zum Anlass, einen Brief an die Korinther zu schreiben, unseren Ersten Korintherbrief. Schon in der Brieferöffnung nennt Paulus den Grund des Briefes: „Es ist mir nämlich, meine Schwestern und Brüder, von den Leuten der Chloë  über euch gemeldet worden, dass Streitigkeiten unter euch sind“. Mit anderen Worten: Die Einheit der Gemeinde stand auf dem Spiel. Und die heutige Lesung gibt uns Einblick, welcher Art wohl diese Streitigkeiten gewesen sein mochten:

 

4. Paulus schreibt: „Wenn ich in den Sprachen der Menschen und Engel redete, hätte aber die Liebe nicht, wäre ich dröhnendes Erz oder eine lärmende Pauke. Wenn ich prophetisch reden könnte und alle Geheimnisse wüsste und alle Erkenntnisse hätte; wenn ich alle Glaubenskraft besäße und Berge damit versetzen könnte, hätte aber die Liebe nicht, wäre ich nichts und wenn ich meine ganze Habe verschenkte, und wenn ich meinen Leib dem Feuer übergäbe, hätte aber die Liebe nicht, nützte es mir nichts.“ Offensichtlich prahlten einige Gemeindemitglieder mit ihren Gnadengaben und mit ihren Fähigkeiten.  Der eine konnte wohl gut predigen, andere mit ihrer Glaubenskraft förmlich Berge versetzen, wieder andere waren so sozial eingestellt, dass sie ihre Habe verschenkten; und jeder wollte wohl noch besser sein als der andere. Neid und Argwohn griffen wohl um sich. Und da sagt nun Paulus: Alle eure Gnadengaben und Fähigkeiten nutzen euch nichts, wenn ihr die Liebe nicht hättet. Ihr seid dann nur dröhnendes Erz oder eine lärmende Pauke. Kein sinfonischer Wohlklang. Damit sagt Paulus, worauf es wirklich ankommt: Auf die innere Haltung, mit der wir etwas tun: Auf die Liebe. Und Paulus sagt eigens dazu: „Ich zeige euch jetzt einen anderen Weg, einen, der alles übersteigt.“ Der Weg der Liebe ist der eigentliche Weg. Und in diesem Weg sind die Gnadengaben und Fähigkeiten eingebettet.

 

5. Und damit bekommt dieser Text für heute eine ungeheure Aktualität. Ich nehme ein Beispiel: Vor einiger Zeit las ich im Internet einen Presseartikel über den Asteroiden Bennu, der neuerdings von einer Sonde umkreist wird. Der Artikelschreiber behauptete, dass Bennu höchst gefährlich sei, weil er die Erde treffen könne, und man deshalb eine Sonde nach oben geschickt hat, um zu prüfen, inwieweit man mit einer Atombombe den Asteroiden notfalls zerstören könnte. Schon die Überschrift war reißerisch: Der Killerasteroid. Das ist natürlich von vorne bis hinten ziemlicher Blödsinn. Ich habe mich darüber so aufgeregt, dass ich dem Journalisten geschrieben habe, sinngemäß: Ich könnte mir vorstellen, dass Sie gern Journalist geworden sind und dass Sie motiviert waren, die Menschen zu informieren, sie über Sachverhalte aufzuklären, kurz: die Wahrheit unter die Menschen zu bringen. Dafür wollten Sie Ihre journalistischen Fähigkeiten einbringen. Ich frage mich nun, was ist daraus geworden, dass Sie so reißerisch und sensationsgierig Unwahrheiten verbreiten? Geht’s ums Geld? Geht’s um eine möglichst große Leserschaft? Man könnte viele solcher Beispiele aufzählen: Was nutzt die hervorragende journalistische Fähigkeit, wenn sie – sagen wir mit Paulus – nicht aus den Beweggründen der Liebe kommt. Was nützt einem Arzt die beste Fähigkeit, wenn er dabei nur noch die Gewinnmaximierung seines Arbeitgebers im Blick hat? Was nutzt es einem Pfarrer, wenn er gut predigen kann, aber nur sein Ansehen damit steigern will? Was nutzt es, wenn jemand es zu großen Reichtum und einem hohen Posten in der Gesellschaft gebracht hat, aber dabei immer nur sich selbst zum Mittelpunkt macht? Worauf kommt es also tatsächlich an, dass unser Leben ein inneres Glück empfindet?

 

6. Was also ist der Weg, von dem Paulus sagt, dass es der Weg ist, der alles übersteigt? Es ist unser Lebensweg, auf dem es gilt, die Liebe in uns auszuprägen, nicht nur unsere Fähigkeiten auszubauen (das natürlich auch). Paulus sagt es deutlich: Ohne diese Liebe hat alles andere im Menschenleben keinen Wert, nicht einmal so große Fähigkeiten, dass da jemand mit seinen Glauben Berge versetzen könnte. Ohne die Liebe ist der Mensch nur lärmende Pauke. Und damit ist uns ein Weg gezeigt, wie sich Menschsein auch verwirklicht. Indem in unserem Herzen die Liebesfähigkeiten sich ausbildet.

 

7. „Die Liebe ist langmütig, die Liebe ist gütig. Sie ereifert sich nicht, sie prahlt nicht, sie bläht sich nicht auf. Sie handelt nicht ungehörig, sucht nicht ihren Vorteil, lässt sich nicht zum Zorn reizen, trägt das Böse nicht nach. Sie freut sich nicht über das Unrecht, sondern freut sich an der Wahrheit“. Wahrlich, unsere Welt sähe anders aus.

Franz Langstein

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