01.01.2019

Predigt an Neujahr 2019


Liebe Schwestern und Brüder!

1. Wir stehen am Beginn eines neuen Jahres. So ein Neujahrstag kann verschiedene Gefühle hervorbringen: Da gibt es vielleicht welche, die Befürchtungen haben in Bezug auf das neue Jahr. Menschen, die sich sorgen machen, beruflich, gesundheitlich, familiär. Vielleicht hat sich schon im zurückliegenden Jahr gezeigt, dass von neuem Jahr nicht allzu Gutes zu erwarten ist. Es kann aber auch Menschen geben, die mit großen Hoffnungen und positiven Erwartungen ins neue Jahr gehen. Vielleicht so manche Jugendliche, die in diesem Jahr ihr Abitur machen oder sonst einen Abschluss: Endlich steht das Leben offen. Neuland wird betreten. Vielleicht gibt es manche, die heiraten 2019. Es gibt genügend Gründe, positiv und hoffnungsvoll ins neue Jahr zu gehen. Und es gibt wohl auch solche, denen das alles relativ egal ist. Was soll’s: der 1. Januar ist eh nur willkürlich als Neujahrstag gesetzt und ist ein Tag wie jeder andere. Und man kann das Leben ohnehin nicht „quanteln“ und in Jahre einteilen, so als ob das Leben aus lauter Jahresblöcken besteht. Vielmehr ist das Leben ein großes Ganzes. Und ein Jahr ist nur ein kleiner Teil des gesamten Lebens. Man muss also das gesamte in Blick haben. Und man könnte vielleicht sogar sagen: Ich muss das Leben überhaupt nicht im Blick haben. Es genügt, wenn Gott es hat. Ich vertraue.

 

2. Egal also, wie immer wir heute hier sind: mit Befürchtungen, mit Hoffnung oder mit mehr oder weniger Teilnahmslosigkeit oder mit Vertrauen, eines gilt doch für alle:  Dieses Jahr, egal was es bringt, wird ein Teil meines Lebens sein. Es gehört zu mir. Es ist mein Jahr, es ist meine Zeit, es ist mein Leben, das sich darin abspielt und verwirklicht. Deshalb ist eine Grundhaltung von Bedeutung, die nicht nur für ein neues Jahr gilt, sondern für das ganze Leben: Es muss angenommen werden. Oder positiver ausgedrückt: Das neue Jahr sollte begrüßt werden als jene Zeit, die meine Zeit ist. Ich habe keine andere als diese. Kann ich aber die Zeit annehmen, wenn ich voller Befürchtungen bin? Kann ich ein neues Jahr begrüßen, wenn ich nichts Gutes erwarte?  

 

3. Ja, denn es gilt grundsätzlich für mein Leben: Ich muss es annehmen. Ich muss „Ja“ dazu sagen. Die Annahme des eigenen Lebens ist von größter Wichtigkeit für den Menschen, um in sich zu ruhen und inneren Frieden, innere Freiheit und Glück zu finden. Deshalb gilt: Ein neues Jahr anzunehmen und zu begrüßen, ist die gleiche Aufgabe wie mein eigenes Leben anzunehmen und zu begrüßen.

 

4. Und dabei kann mir auch ein Gedanke hilfreich sein: Die Zeit ist nicht nur „Chronos“, also ablaufende Zeit in Tagen, Stunden und Minuten, sie ist auch „Kairos“, richtige Zeit, persönliche Zeit, in der ich mich entfalte, in der ich werde, ich der ich mich entwickle und verwirkliche, christlich gesprochen: In der ich das Heil Gottes erfahre, die Liebe Gottes erfahre, der Vollendung entgegengehe. Ich finde, dass der Psalm 23 hier sehr gut passt und dass es gut ist, diesen Psalm an den Anfang des neuen Jahres zu stellen:

 


Der Herr ist mein Hirte,

nichts wird mir fehlen.

Was für ein Satz! Was für eine Zuversicht. „Nichts wird mir fehlen“. Das ist starker Tobak. Das ist Hoffnung, Glaube und Vertrauen. Ist das Vertrauen berechtigt?

 

Er lässt mich lagern auf grünen Auen /

und führt mich zum Ruheplatz am Wasser.

Er führt mich also dorthin, wo Leben ist. Göttliches Leben sprudelt aus dem Herzen Gottes. Dorthin hat er mich geführt: An sein Herz.

 

Er still mein Verlangen; /

er leitet mich auf rechten Pfaden, treu seinem Namen.

Er leitet mich: Treu seinem Namen. Also: Er leitet mich nicht, weil ich gut bin oder weil ich nicht wüsste, wo es lang geht: Er leitet mich, weil er sich selbst treu sein möchte. Das heißt: Weil er seinem Wesen, das Liebe ist, treu sein möchte. Seine Treue ist mein Fundament und das, worauf ich mich verlasse. Seine Treue. Deshalb gilt:

 

 

Muss ich auch wandern in finsterer Schlucht, /

ich fürchte kein Unheil; denn du bist bei mir, / dein Stock und dein Stab geben mir Zuversicht.

 

 

Ich wünsche Ihnen und uns, dass wir mit dieser Glaubensstärke durchs neue Jahr gehen.

Franz Langstein

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Samstag 18.00 h Vorabendmesse alle 2. Wochen in St. Jakobus, Wenkbach
Sonntag 11.00 h Heilige Messe
Sonntag 11.00 h Kinderwortgottesdienst im Kirchensälchen, am 2. und 4. Sonntag im Monat


(nicht während der hessischen Schulferien)
Dienstag 8.30 h immer der letzte Dienstag im Monat


Morgengebet mit anschließendem Frühstück im Kirchensälchen
Donnerstag 9.45 h Heilige Messe im APH St. Elisabeth, Lahnstraße 8
Freitag 18.30 h Heilige Messe